The Running Man

Wir sind wieder da! Es hat lange gedauert, viel zu lange, und geplant war diese elfwöchige Pause natürlich auch nicht. Also, was ist passiert?

Die regelmäßigen Leser wissen sicherlich, dass sowohl der Blog als auch das Forum häufig offline waren. Ein Ärgernis, das teilweise mit Cyberattacken zu tun hatte, teilweise an der mangelhaften Software des Providers lag. Im November hat sich endlich der Provider des Problems annehmen können und schließlich eine Lösung gefunden: Blog und Forum müssen auf andere Datenbanken umziehen. Wer schon mal umgezogen ist, weiß, wie aufwändig das ist, wie viele Dinge transportiert werden müssen. Mit den Daten ist das nicht viel anders. Es waren zu viele, als dass es unser IT-ler allein hätte bewerkstelligen können. Also wurde diese Aufgabe dem Provider übertragen, dessen mangelhafte Software zumindest zum Teil der Grund für diese Aktion war. Durch die Weihnachtsferien hat sich das Ganze noch ein wenig verzögert, aber dann fand die Umzugsaktion statt. Aber nur das Forum wurde auf eine andere Datenbank verschoben. Der Blog wurde vergessen. Und dann verlangte der Provider plötzlich Geld dafür, dass er den Blog auch noch verschiebt. Lange Diskussionen folgten, und am Ende waren wir bereit, das verlangte Lösegeld, äh… die Gebühr zu bezahlen, nur damit endlich wieder alles funktioniert. Und hier sind wir nun.

In den vergangenen Monaten haben sich natürlich einige Beiträge angesammelt, und mein Jahresrückblick ist auch noch fällig, auch wenn 2025 inzwischen nur noch eine ferne Erinnerung ist. Der muss aber noch eine Woche warten, für den Einstieg habe ich drei Filme gewählt, die sich mit Computern, übergriffigen Firmen und technischen Pannen beschäftigen. Also mit Science-Fiction, denn in der Realität gibt es das ja alles nicht. Und alle haben mit den 1980er Jahren zu tun.

Im Moment wird in Hollywood ja alles an alten Stoffen recycelt, was noch halbwegs aktuell ist und zu seiner Zeit ein großer Erfolg war. Es gibt nicht wenige Leute, die das als einfallslos kritisieren, und glauben, dass es dem Kino langfristig schaden wird, andererseits erleben wir in der Branche seit der Pandemie gewaltige Umbrüche, die mit einer Menge Unsicherheit einhergehen. Es wird immer schwieriger, Projekte finanziert zu bekommen, weshalb man auf die größtmögliche Sicherheit setzt. Und da sind nun einmal Stoffe, die sich bereits früher oder in einem anderen Medium bewährt haben, eine sicherere Bank als Originalideen.

Auch wenn man das nicht gut findet und beklagt, dass die wirklich originellen Ideen nur noch bei den Streamern – und dort ausschließlich im Serienbereich – zu finden sind, sollte man nicht vergessen, dass das breite Publikum häufig Originalstoffe im Kino links liegen lässt und stattdessen in die xte Fortsetzung eines Franchises rennt. Ob das an der mangelhaften Qualität dieser Originalstoffe liegt oder daran, dass die meisten Menschen lieber auf das Vertraute und Altbewährte setzen, sei jetzt einmal dahingestellt.

Als Running Man 1987 (bei uns ein Jahr später) in die Kinos kam, war Arnold Schwarzenegger schon ein Star, aber noch nicht so groß wie einige Jahre später. Entsprechend war der Film zwar ein Hit, aber kein Blockbuster und erreichte bei uns knapp 700.000 Besucher. Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht erinnern, ob ich den Film jemals gesehen habe. Vermutlich eher nicht. Dafür aber Das Millionenspiel von Tom Toelle aus dem Goldenen Zeitalter des deutschen Fernsehens. Der Fernsehfilm von 1970 basierte allerdings auf einer Kurzgeschichte von Robert Sheckley, erzählt aber die exakt gleiche Geschichte – und ist, meiner Meinung nach, bis heute einer der besten deutschen Filme überhaupt.

Doch zurück zu Running Man. Da der Film nur lose auf Kings Vorlage basiert und kein Blockbuster war, macht es durchaus Sinn, ihn zu remaken. Kann man ja nur besser machen, oder? Und angesichts der aktuellen politischen und sozialen Ereignisse in den USA und der Entwicklungen im Fernsehen mit seinen vielen Realityshows ist die Story auch aktueller denn je. Ein sicheres Rezept für einen Erfolg, nicht wahr? Vor allem mit einem neuen Shootingstar wie Glen Powell in der Hauptrolle.

The Running Man

Ben Richards (Glen Powell) steht auf der schwarzen Liste aller großen Unternehmen, die zusammen nahezu den gesamten Arbeitsmarkt beherrschen, weil er Sicherheitslücken angeprangert und Kollegen vor dem Tod gerettet und dabei seinem Arbeitgeber finanziell geschadet hat. Ohne Arbeit kann er das Geld für die Medikamente seiner schwerkranken Tochter nicht mehr bezahlen und bewirbt sich daher bei einem Fernseh-Network, das für seine zynischen Realityshows berühmt ist. Angeboten wird ihm ein Platz in The Running Man, einer Show, in der drei Menschen von fünf Auftragsmördern gejagt und die Zuschauer aufgefordert werden, nach ihnen Ausschau zu halten, um für Hinweise, die zu ihrer Liquidierung führen, Geld zu kassieren.

Das Gesellschaftsbild, das Regisseur Edgar Wright und sein Co-Autor Michael Bacall entwerfen, entspricht weitgehend der Vorlage von King und ist eine konsequente Weiterentwicklung unserer heutigen Mediengesellschaft sowie eine plakative Ausschmückung ihrer schlimmsten Exzesse: Der Kapitalismus hat zu einer tiefen Spaltung der Gesellschaft geführt, in denen es wenige Superreiche, eine schmale Mittelschicht und jede Menge Arme gibt, die in Slums vor sich hinvegetieren. Die Polizei wurde privatisiert, die Bevölkerung wird engmaschig überwacht, und große Konzerne kontrollieren das Land inklusive seiner Regierung. Vor diesem dystopischen Hintergrund entfaltet sich das Drama eines Mannes, der auf keinen Fall bei The Running Man mitmachen will, weil er weiß, dass niemand überlebt, aber am Ende keine andere Wahl hat, wenn er seine Familie retten will.

Aus diesem Dilemma hätte man psychologisch einiges herausholen können, doch so oft Powell auch betont, wie wichtig ihm Frau und Kind sind und dass Familie einfach alles bedeutet, es wirkt irgendwie aufgesetzt, weil es Powells Mittel als Schauspieler übersteigt. Der Mann ist in erster Linie wütend, weil er in seiner Ohnmacht und Hilflosigkeit keine andere Möglichkeit sieht, sich gegen eine Autorität zu behaupten, die so übermächtig ist, dass sie das gesamte Leben kontrolliert. Verkörpert wird diese Macht durch den Produzenten Dan Killian (Josh Brolin), der mit süffisanter Arroganz Richards Notlage ausnutzt, um ihn für sein Medienspektakel zu gewinnen.

Seit einiger Zeit wird im Feuilleton der New Literalism in Hollywood beklagt, die Unsitte, seine Botschaften überdeutlich und plakativ herauszustreichen und dabei auf jede Subtilität und Chiffrierung zu verzichten. Statt über einen Film nachzudenken, seinen Symbolismus zu studieren und zu dechiffrieren und damit seine Metaebenen zu erschließen, wird dem Zuschauer alles auf dem Silbertablett präsentiert. The Running Man ist da keine Ausnahme, seine Gesellschaftskritik ist überdeutlich, und sein Held wird nicht müde, uns seine Botschaft um die Ohren zu hauen. Außerdem werden so viele Themen – finanzielle Missstände, soziale Ungleichheit, Umweltverschmutzung, politische Korruption, Sensationsgier, Medien- und KI-Kritik – angesprochen, dass einem beim Zuschauen der Kopf schwirrt.

Immerhin in der ersten Hälfte ist der Film ziemlich unterhaltsam. Richards stellt sich geschickt an und täuscht seinen überlegenen Gegner, indem er sich in Verkleidung in ein Hotel einmietet. Dennoch wird er bald gefunden und gejagt, und diese Actionszenen, in denen der Held mit großem Einfallsreichtum um sein Leben kämpft und rennt, sind richtig spannend. Powell macht seine Sache ziemlich gut, punktet mit seinem nicht unbeträchtlichen Charme, kann aber anscheinend in keinem Film mitspielen, ohne sich mindestens einmal einen falschen Bart anzukleben, mit verstellter Stimme zu sprechen oder nackt durchs Bild zu laufen.

Problematisch wird der Film erst ab der zweiten Hälfte, wenn Richards bei einem, von Michael Cera gespielten Unterstützer Zuflucht gefunden hat und verraten wird. Dass es eine Widerstandsbewegung gibt, die mit einfachen Mitteln wie fotokopierten Flugblättern auf die Lügen der Medien und Staatsmacht hinzuweisen versucht, ist grundsätzlich ein guter Einfall, ebenso wie die Tatsache, dass Richards mit der Zeit zu einem Symbol des Widerstands gegen die Herren des Landes wird. Mit etwas mehr Zeit und Geschick hätte man daraus etwas machen können.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie sich diese Rebellen mit ihren spekulativen Videos überhaupt Gehör verschaffen können, wenn ihre Gegner mit Deepfakes alles manipulieren und die Meinung der Masse ebenso beherrschen wie die Algorhythmen des Internets. Einen starken Gegner zu haben, ist immer gut, um einen Helden herauszufordern, aber wenn er allmächtig ist, wird es schwierig. Und Killian scheint alle Trümpfe in der Hand zu haben. In diesem Punkt hat es Kings Vorlage immerhin leichter: In ihr gibt es keine Deepfakes und damit für Richards die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge darzustellen. Das rettet ihn zwar nicht, verschafft ihm aber eine moralische Autorität, die tatsächlich inspirierend sein kann.

Leider haben die Autoren eine Welt erschaffen, in der die Wahrheit und die Lüge den gleichen Stellenwert besitzen, ohne eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Als Kommentar auf das gerade heraufdämmernde KI-Zeitalter, dessen Auswirkungen wir heute noch nicht vollständig erahnen können, ist das solide, dramaturgisch ist es ein Problem. Und weil den Autoren nichts Cleveres eingefallen ist, werden manche Entwicklungen einfach nur behauptet, und das Tempo dermaßen erhöht, dass man keine Zeit mehr hat, über diese Mängel und die diversen Logiklöcher, die sich überall auftun, nachzudenken. Das letzte Drittel wirkt daher völlig überstürzt und wie eine im Zeitraffer erzählte Fortsetzung der Geschichte. Das liegt in erster Linie daran, dass man wohl unbedingt das deprimierende Ende des Romans vermeiden wollte.

The Running Man ist ein in der ersten Hälfte ungemein unterhaltsamer und stellenweise spannender Film, der aber nach der Hälfte immer mehr verliert und sich am Ende selbst ein Bein stellt. Wright hat zu viel gewollt, kann aber immerhin visuell überzeugen. An den Kassen hat sich das Remake trotz eines soliden Trailers auch nicht ausgezahlt: Bei Produktionskosten von 110 Millionen wird er weltweit vielleicht nur 70 einspielen, was einen weiteren Flop für den etwas glücklosen Powell bedeutet.

Note: 3

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.