Unfassbare vierzig Jahre hat der Film inzwischen auf dem Buckel, und ich traue es mich fast nicht zu sagen, dass ich ihn als Teenager damals im Kino gesehen habe. Den Film habe ich in sehr guter Erinnerung, den Kinobesuch eher nicht, was an meiner aufdringlichen Begleitung lag, aber dafür ist dieser Nachmittag wenigstens unvergesslich geblieben. Was mich bei der erneuten Sichtung – ich schätze, ich habe den Film seit den Neunzigern nicht mehr angeschaut – jedoch am meisten verblüfft hat, war, wie frisch, witzig und originell er noch immer wirkt. Das Storytelling würde heute noch genauso funktionieren.
Das liegt natürlich an der „Erfolgsformel“, die Hollywood als Blaupause für nahezu alle Filme seit den frühen Siebzigern benutzt und die maßgeblich dazu beigetragen hat, seine weltweite Macht zu festigen. The Writer’s Journey von Christopher Vogler übersetzte damals die Thesen des Mythenforschers Joseph Campbell zur Heldenreise in eine griffige Formel fürs Drehbuchschreiben, die später von Blake Snyder nochmals sehr erfolgreich überarbeitet wurden (Save the Cat). Auch wenn man heute Hollywoods Autoren eine gewisse Formelhaftigkeit vorwirft, war und ist das Konzept ein wichtiges Tool, um erfolgreiche Drehbücher zu verfassen. Und weil es immer noch angewendet wird, und sich die Autoren damals an die Regeln gehalten haben, wirkt Zurück in die Zukunft auch für heutige Zuschauer immer noch frisch und kein bisschen angestaubt.

Zurück in die Zukunft
Marty McFly (Michael J. Fox) ist ein selbstbewusster kalifornischer Teenager mit einer hübschen Freundin und der Hoffnung, eines Tages ein Rockstar zu werden. Leider glaubt keiner so recht an einen Erfolg, was auf seinen Vater George (Crispin Glover) zurückfällt, der zeit seines Lebens nicht genug Selbstvertrauen entwickelt hat, um sich aus der Macht seines ehemaligen Mitschülers und jetzigen Vorgesetzten Biff Tannen (Thomas F. Wilson) zu befreien. Martys bester Freund ist der exzentrische Wissenschaftler Dr. Emmett Brown (Christopher Lloyd), der ihn eines Nachts auf den Parkplatz einer Shopping Mall bestellt, um ihm seine neueste Erfindung vorzustellen: eine Zeitmaschine. Diese befindet sich in einem Sportwagen, und um sie in Gang zu setzen, braucht es Plutonium, das Doc Brown lybischen Terroristen abgeluchst hat. Als diese plötzlich auftauchen und um sich schießen, bleibt Marty nur die Zeitmaschine zur Flucht, und unvermittelt landet er im Jahr 1955.
Die Fünfzigerjahre erscheinen uns heute so unendlich weit weg, dabei waren sie den Achtzigern so nahe wie uns Heutigen die Neunziger. Aber was hat sich nicht alles zwischen 1955 und 1985 verändert – vermutlich mehr, als in den letzten dreißig Jahren. Das betrifft weniger die Technologie, sondern vielmehr die gesellschaftlichen Umbrüche, die sich in den beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg vollzogen haben. Es war tatsächlich eine andere Welt.
Dieser Unterschied zwischen den Jugendlichen des Jahres 1955 und 1985 diente als Inspirationsquelle für den Film. Bob Gale, der das Drehbuch zusammen mit Regisseur Robert Zemeckis verfasst hat, hatte sich beim Betrachten alter High School-Fotos seiner Eltern gefragt, ob er sich wohl mit ihnen in diesem Alter verstanden hätte – und dies verneint. Filme über Zeitreisen hatte es natürlich auch damals schon gegeben, aber in der Kombination mit einer Teenager-Komödie war es neu. Dennoch wurde das Buch zunächst von allen Studios abgelehnt, weil es, anders als damals für Teenie-Klamotten üblich, zu wenig Sex und Drogen enthielt, während die Disney Studios es nicht wollten, weil sie es für „obszön“ hielten. Immerhin küsst dort eine Mutter ihren Sohn in der Absicht, ihn zu verführen. Mit Prostitution hatten sie aber wenige Jahre später bei Pretty Woman kein Problem.
Dass der Film überhaupt zustande gekommen ist, kann man Steven Spielberg verdanken, der das Projekt schon früh unterstützt hat, und dem Erfolg von Zemeckis Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten. Wäre dieser wie seine vorherige Filme gefloppt, seine Karriere hätte nie Fahrt aufgenommen, und wir wären um einige Klassiker ärmer.
Wenn man den Film einige Male gesehen hat, fallen einem hier und da durchaus ein paar Ungereimtheiten auf. Etwa ist der Wagen nach einer Zeitreise mal vereist und dann wieder nicht, und wenn Doc Brown ins Jahr 2015 reist, beschleunigt er bei weitem nicht auf die erforderliche Geschwindigkeit, obwohl dies vorher eine große Rolle gespielt hat. Aber das alles sind Kleinigkeiten. Der größte Knackpunkt ist der Blitz und die Unmöglichkeit, seinen Einschlag sekundengenau vorherzusagen, aber da dies so ungemein spannend umgesetzt wird, stört man sich nicht groß daran, und diese Lösung ist allemal besser als die des ursprünglichen Entwurfs, in dem die Energie aus einem Atomtest stammen sollte.
Zurück in die Zukunft ist tatsächlich ein nahezu perfekter Film. Das Drehbuch ist großartig, die Geschichte rund und voller liebevoller Details, es besitzt einige Anspielungen auf die Filmgeschichte und Popkultur sowie amüsante Running Gags. Im Gegensatz zu den meisten Filmen macht nicht die Hauptfigur Marty einen charakterlichen Wandel durch, sondern sein Vater George, der es endlich schafft, sich gegen Biff durchzusetzen. Dadurch ergibt sich ein schöner Kontrast zwischen der Welt vor und nach der Zeitreise, den die Macher des Films mit viel Freude ausgestalten. Das alles ist sehr stimmig.
Natürlich sind die vier Jahrzehnte nicht spurlos an dem Film vorbeigegangen. Man sieht es an der Art der Inszenierung, daran, wie übergenau alles erklärt wird, an den rührend unperfekten Effekten und den für damalige Verhältnisse zwar gelungenen, heute aber nicht ganz überzeugenden Altersmasken. Auch das aufdringliche Product-Placement wirkt heute eher störend. Der Film ist eben ein Kind seiner Zeit.
Zurück in die Zukunft ist vor allem aber eine wunderbare Komödie, wie man sie heute leider gar nicht mehr sieht, ein harmloser, eskapistischer Spaß, der einfach nur unterhalten will und dies auf höchstem Niveau tut. Die Ernsthaftigkeit heutiger Filme, die oft hemmend wirkt, die Traumabewältigung, die aus vielen Hollywood-Produktionen verkappte Therapiesitzungen macht, das alles fehlt – zum Glück. Man kann sich in den Sessel zurücklehnen und Spaß haben, ganz so wie damals als Teenager, und das ist eine Zeitreise, die man gerne unternimmt.
Note: 1