Normalerweise erscheinen Jahresrückblicke Ende Dezember oder vielleicht noch im Januar, aber Mitte Februar hat man mit dem Vorjahr im Prinzip abgeschlossen. Tatsächlich war es anders geplant, aber die Pläne von Nagetieren und Bloggern verlaufen bekanntlich nicht immer reibungslos, und hier sind wir nun.
Als ich für diesen Beitrag über das vergangene Kinojahr nachgedacht und es ein wenig Revue habe passieren lassen, war mein erster Eindruck, dass es zwar kein wirklich schlechtes Jahr gewesen ist, aber insgesamt eher unbefriedigend. Nach einem Blick auf meine Liste mit den gesichteten Filmen wurde ich allerdings unsicher, hatte ich doch einem Dutzend Produktionen die Note Gut gegeben. So schlecht kann das Jahr also nicht gewesen sein. Doch woher rührt dann meine Unzufriedenheit?
Ich glaube, dass es eine ganze Reihe von Gründen dafür gibt. Erstens: Ich bemerke an mir seit Jahren eine gewisse Filmmüdigkeit. Tatsächlich schaue ich momentan lieber Serien und finde immer weniger Filme, die mich wirklich interessieren. Zweitens: Ich habe zwar viele gute Noten verteilt, aber auch etliche schlechte (sechsmal eine Vier und sogar einmal eine Fünf), obwohl ich mir große Mühe gebe, jene Titel zu ignorieren, von denen ich glaube, dass sie mir nicht gefallen werden. Das heißt, ich bin häufiger als sonst enttäuscht worden. Drittens: Ein neuer Film, der mich begeistert hätte, war im vergangenen Jahr leider wieder nicht dabei, und auch keiner, der es auf meine All-Time-Bestenliste geschafft hätte. Tatsächlich haben mir am meisten die Wiederaufführungen von Klassikern wie Zurück in die Zukunft oder Der Herr der Ringe gefallen. Was mich zu Viertens führt: Filme wie Lilo & Stitch oder Drachenzähmen leicht gemacht haben von mir zwar richtig gute Noten bekommen, aber sie sind eben auch „nur“ Kopien ihrer Originale. Insgesamt gab und gibt es im Kino zu viele Franchises, zu viele Remakes und Reboots. Ja, viele davon sind gut, aber eben nichts Neues, und auch wenn ich mit einem positiven Eindruck aus dem Kino komme, bleibt ein latentes Gefühl der Unzufriedenheit zurück. Fünftens konnten die wenigen Originalstoffe größtenteils meinen Erwartungen nicht gerecht werden.
Das alles hinterlässt bei mir ein Gefühl der Ratlosigkeit. Liegt es nur an den Filmen? An den Studios, die vor allem auf Franchises setzen oder alte Stoffe wieder aufwärmen? Oder an mir? Bin ich inzwischen zu alt, um das aktuelle Kino zu verstehen oder goutieren zu können? Zu verbohrt und unflexibel? Um einmal ein paar Beispiele zu nennen: Blood & Sinners war visuell und musikalisch großartig, aber der Genrewechsel ging mir dermaßen gegen den Strich, dass ich verärgert aus dem Kino gekommen bin. Und andere Oscar-Filme wie The Brutalist oder Die Nickel Boys fand ich sogar misslungen. Vielleicht ist mein Geschmack einfach nicht mehr zeitgemäß. Oder es liegt tatsächlich an den Filmen, zumindest denke ich das, wenn ich ein Meisterwerk wie Sieben oder Das Schweigen der Lämmer noch einmal auf der großen Leinwand erlebe und an all die wundervollen Filme denke, die heute nicht mehr gemacht werden würden.
Immerhin: Wenn ich mich nicht verzählt oder einen Film übersehen habe, war ich im letzten Jahr 57 Mal im Kino, was ein neuer Rekord seit der Pandemie ist. Darunter waren allein sieben Wiederaufführungen (dank der Herr der Ringe-Trilogie), und hätten wir nicht erst vor relativ kurzer Zeit Der weiße Hai im Kino (sogar in Imax) gesehen, wären es sogar acht geworden.
Zum Glück sind Wiederaufführungen von den Top Ten ausgeschlossen, sonst wären die ersten sechs Plätze mit Titeln belegt, die schon vor Jahrzehnten das Licht der Leinwand erblickt haben. Die beiden neuen Filme, die mir am besten gefallen haben, sind überraschenderweise politischer Natur, und Platz drei belegt das Finale einer Serie. Eine etwas seltsame Top Drei. Darüber hinaus gibt es einige wenige Originalstoffe, aber leider zu viele Fortsetzungen und Remakes. Ich wünschte, es wäre anders, aber das sind eben die Noten, die ich vergeben habe. Zwei Filme haben es nicht in die Top Ten geschafft, aber die Note 2- erhalten: Predator: Badlands und The Accountant 2.
Meine Top Ten 2025:
- 1) Der Pinguin meines Lebens 2
- 2) The Change 2
- 3) Downton Abbey: Das große Finale 2
- 4) Drachenzähmen leicht gemacht 2
- 5) 28 Years Later 2
- 6) The Fantastic Four: First Steps 2
- 7) Weapons 2-
- 8) Lilo & Stitch 2-
- 9) Thunderbolts* / *The New Avengers 2-
- 10) Companion – Die perfekte Begleitung 2-
Meine Flop Five umfasst, wie schon gesagt, weniger die schlechtesten Filme des Jahres, sondern jene Titel, die meine Erwartungen nicht erfüllen konnten. Mit einer Ausnahme: Anaconda. Bei dem Film wusste ich vorher genau, dass er schlecht sein und mir nicht gefallen würde, warum ich ihn dennoch gesehen habe, noch dazu an Weihnachten, werde ich am Freitag verraten. Dass mein schlechtester Film des Jahres eine Oscarnominierung für den Besten Film erhalten hat, ist ein klein wenig überraschend, dass gleich zwei Superheldenfilme eine schlechte Note von mir bekommen haben, dagegen nicht. Superman (Note 4) und Eternity (Note 4+) haben es nur knapp nicht auf die Liste geschafft.
Meine Flop Five 2025:
- 1) Die Nickel Boys 5+
- 2) Anaconda 4-
- 3) Captain America: Brave New World 4-
- 4) The Amateur 4
- 5) Heretic 4
Meine Heiß-auf-Listen bestehen schon seit Jahren aus lauter Verlegenheitslösungen und nur wenigen Nennungen, die tatsächlich in diese Kategorie gehören. Immerhin habe ich fast alle Filme auf meiner letztjährigen Liste angeschaut, nur Kung Fu in Rome lief leider in keinem Kino in meiner Nähe und hatte zudem auch schlechte Kritiken. Und noch wichtiger: Bis auf Parthenope habe ich alle auf der großen Leinwand gesehen. Meine Liste für dieses Jahr besteht im Grunde nur aus einem Titel, aber wie immer habe ich mir noch neun weitere überlegt, die mich halbwegs neugierig gemacht haben (und in Klammern steht, warum):
Heiß auf in 2026:
- Der Astronaut (der Trailer hat mich restlos überzeugt)
- Disclosure Day (hat Spielberg schon mal einen schlechten Science-Fiction gemacht?)
- They Will Kill You (sieht spaßig aus, und manchmal will man einfach nur Leute leiden sehen)
- Good Luck. Have Fun. Don’t Die. (s. They Will Kill You)
- The History of Sound (Paul Mescal und Josh O’Connor in einer bittersüßen Lovestory)
- Dune 3 (hat Villeneuve schon mal einen schlechten Science-Fiction gemacht?)
- Kill Bill (da weiß man, was man hat)
- Glennkill (weil es auch in diesem Jahr zu wenig zu lachen gibt)
- Spider-Man 4 (weil ich hoffe, dass er wenigstens Spaß macht)
- The Miracle Club (weil es Maggie Smiths letzter Film ist)
Viele glauben ja, dass 2026 das beste Kinojahr des Jahrzehnts werden könnte, zumindest was die Besucherzahlen in Deutschland angeht, und das ist durchaus möglich. Sicher ist, dass es ein starkes Jahr für Science-Fiction-Fans wird, alles andere steht in den Sternen.