Mein Serienjahr 2025

Wie ich gestern schon ausgeführt habe, plagt mich seit langem eine gewisse Filmmüdigkeit. Ich versuche, jede Woche mindestens drei neue Filme zu sehen, um genug Material für meinen Blog zu haben, und oft genug fühlt es sich an, als müsste ich Hausaufgaben machen. Gleichzeitig werden nahezu jede Woche neue Serien angekündigt, die zumindest auf dem Papier origineller klingen als die meisten Filme, auch wenn sie es in den meisten Fällen dann nicht sind. Darüber hinaus gibt es in schöner Regelmäßigkeit frische Staffeln von Serien, die mir in der Vergangenheit gut gefallen haben. Insgesamt viel zu viel Content und zu wenig Zeit, sich das alles anzuschauen, weshalb meine Watchlist immer länger wird.

Was mir schon seit langem unangenehm auffällt, ist das, was ich den Zwang zur Serie nennen möchte. Hatte früher jemand eine starke, originelle Idee, hat er einen Film daraus gemacht, heute muss es unbedingt eine Serie sein. Die verlorenen Blumen der Alice Hart (Amazon Prime) mit Sigourney Weaver erzählt eine packende Geschichte über häuslichen Missbrauch, schleppt sich aber über viel zu viele Episoden hin und hätte als Film besser funktioniert, und aus Amadeus eine Miniserie zu machen, war ehrlich gesagt eine blöde Idee.

Immerhin habe ich letztes Jahr nur zwei Serien abgebrochen. Die eine war die französische Agentenserie The Bureau, die zweite stammt von Taylor Sheridan, den ich als Autor mal sehr gemocht habe und der anscheinend nur noch Unsinn verzapft. Landman war nicht nur langweilig, sondern auch so sexistisch, dass ich nach nur zwei Folgen aufgegeben habe. Auch das Finale von Yellowstone war ziemlich schwach.

Damit dieser Beitrag nicht noch weiter ausufert, stelle ich nur die Serien vor, die für mich in 2025 neu waren. Nicht alle davon sind auch vergangenes Jahr herausgekommen. Erwähnung finden aber auch die neuen Staffeln von Serien, die ich schon in den Vorjahren gesehen habe, wenn sie mir gefallen haben. Und ich nenne auch Titel, auf die man meiner Meinung nach getrost verzichten könnte. Vielleicht ist das für den einen anderen hilfreich im unübersichtlichen Seriendschungel. Unterteilt habe ich sie diesmal ganz klassisch nach Genres, und am Ende gibt es noch meine Top Ten.

Thriller und Krimi:

Red Eye (Wow, Magenta) war tatsächlich ein spannender Thriller über einen Mordverdächtigen, der seine Unschuld beweisen muss, während er in einem Flugzeug nach China abgeschoben wird.

Eine Überraschung war Dexter: Wiedererwachen (Paramount+), was ein bisschen als neue Serie verkauft wurde, aber die direkte Fortsetzung von Dexter: New Blood ist. Wer die Originalserie mochte, wird seine Freude daran haben.

Eine lobende Erwähnung gibt es noch für die Serienkiller-Satire Sweetpea (Magenta) sowie Happy Face (Paramount+) und Dead Still (Wow), die sich ebenfalls mit Serienkillern beschäftigen.

Immer noch sehr stark sind Slow Horses (Apple) und Gangs of London (Wow). Letztere scheint als Blaupause für Guy Ritchies MobLand (Paramount+) gedient zu haben, die ganz okay ist, aber kein Must-See. Auch Reacher ist leider ein wenig die Puste ausgegangen. Was ich immer noch ganz gerne schaue, ist The Rookie (Wow) und HIP: Ermittlerin mit Mords-IQ (NDR).

Enttäuscht war ich von The Residence (Netflix), A Murder at the End of the World (Disney+), The Day of the Jackal (Wow), Task (Wow), A Shop For Killers (Disney+) und Prime Finder (Apple). Und von der zweiten Staffel von The Night Agent (Netflix) kann man nur dringend abraten.

Drama:

Pachinko (Apple) ist ein packendes Familiendrama über koreanische Einwanderer im Japan der Dreißiger- bis Achtzigerjahre.

Drops of God (Apple) entführt den Zuschauer in die Welt des Weins – und ebenfalls nach Japan.

Unschuldig – Mr. Bates gegen die Post ist eine packende David-gegen-Goliath-Geschichte, die auf Arte zu sehen war.

The Woman in the Wall (Paramount+) über den kirchlichen Missbrauchs von jungen Müttern in Irland wird nach einem zähen Anfang richtig stark.

Waco und Waco: The Aftermath (Paramount+) erzählen die bekannte Geschichte der Belagerung einer Sekte in Texas nach und überraschen mit neuen Blickwinkeln.

Dopesick (Disney+) behandelt sehr spannend die Opioid-Krise in den USA.

The Newsreader (Netflix) beleuchtet eine Nachrichtenredaktion im Australien der Achtzigerjahre.

American Primevil (Netflix) ist ein Rache-Western, der nicht ganz meine Erwartungen erfüllen konnte, aber starke Momente und tolle Bilder hatte. Das hätte ich mir auch im Kino angesehen.

Adolescence (Netflix) hat für Furore gesorgt, mir aber nur bedingt gefallen, wie ich bereits erwähnt habe. Dass Boots (Netflix) vermutlich abgesetzt wurde, um der Trump-Regierung einen Gefallen zu tun, gehört zu den großen Aufregern des letzten Jahres. Zum Glück war die Geschichte nach der ersten Staffel auserzählt. Ebenfalls okay waren Your Friends and Neighbors (Apple), Last days of the Space Age (Disney+), Ramy und In my Skin (beide Arte).

Eine Enttäuschung waren für mich Disclaimer (Apple) von Alfonso Cuaron, der einfach kein glückliches Händchen mehr zu haben scheint, und die Weltkriegsserie The narrow Road to the Deep North (Wow).

Komödie:

Stick (Apple) erzählt eine wunderbare Cheerie-Comedy über einen abgehalfterten ehemaligen Golf-Profi, der ein Wunderkind unter seine Fittiche nimmt. Ein Must-See.

The Flatshare (Paramount+) stand lange auf meiner Watchlist und gehört zu den schönsten RomComs der letzten Jahre.

Nobody Wants This (Netflix) ist ebenfalls eine amüsante RomCom, deren zweite Staffel bereits erschienen ist, die ich aber noch nicht gesehen habe.

Rivals (Disney+) firmiert zwar überall als Drama, ist meiner Meinung nach aber eine Satire über das britische Fernsehen der Achtzigerjahre.

Chad Powers (Disney+) ist nicht wirklich gut, aber auch nicht schlecht.

Gut gefallen haben mir noch die neuen Staffeln von Hacks (RTL+), Shrinking (Apple), Ghosts (Wow), Only Murders in the Building (Disney+), Weihnachten zu Hause (Netflix) und Frasier (Paramount+). Überkompensation (Netflix) war zwar etwas albern, hat aber Spaß gemacht. Das gilt auch für The Four Seasons (Netflix).

Filme und Serien über die Produktion von Filme und Serien sind meistens nur für Leute aus der Branche interessant, aber mich haben weder The Franchise noch The Studio überzeugen können. Und die zweite Staffel von English Teacher (Disney+) hatte nur eine gute Folge, die dafür aber spitze war.

Fantasy:

Stranger Things (Netflix) zählt zu den besten Serien aller Zeiten, und die finale Staffel hat bewiesen, warum das so ist.

School Spirits (Paramount+) beginnt wie eine herkömmliche Geistergeschichte, schafft es aber, einen am Ende der ersten Staffel mit einem der kühnsten Plot-Twists der letzten Jahre zu überraschen, und die zweite Staffel kann das Niveau sogar noch steigern. Gerade läuft Staffel 3.

Der Rest war leider eher mittelmäßig oder schlechter. Ganz ordentlich waren noch The Talamasca und die zweite Staffel von Mayfair Witches (beide Magenta), die aus der Feder von Anne Rice stammen. Auch The Bondsman (Amazon Prime) und Agatha all along (Disney+) hatten Momente, blieben aber insgesamt hinter den Erwartungen zurück. Misslungen fand ich die Comicverfilmungen The Penguin (Wow), Daredevil (Disney+) sowie die zweite Staffel von The Sandman (Netflix). Und wer unter Schlafstörungen leidet, sollte Yellowjackets (Paramount+) anschauen.

Science-Fiction:

Paradise (Disney+) ist wohl der stärkste Neuzugang.

Murderbot (Apple) hat eine tolle Grundidee, aus der aber leider nicht so viel gemacht wurde.

Dune: Prophecy (Wow) ist okay, hat aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Teacup (Magenta) ist nicht schlecht für den x-ten Alien-Invasion-Stoff und erinnert an From.

Starke neue Staffeln hatten Silo, Foundation und Infiltration (alle Apple) sowie The Last of Us (Wow).

Ganz okay fand ich Schöne neue Welt (RTL+) und Eternauta (Amazon Prime).

Enttäuschend waren vor allem die Star Trek-Serien Discovery, die ich nach jahrelanger Pause noch zu Ende gesehen habe, und Strange New Worlds (beide Paramount+). Auch das Star Wars-Franchise hat sich in meinen Augen nicht mit Ruhm bekleckert. Andor hatte sehr viele Längen, dagegen fand ich Skeleton Crew (beide Disney+) sogar einigermaßen unterhaltsam. Alien Earth (Disney+) konnte nur mit neuen Monstern punkten, und Severence (Apple) war größtenteils zum Einschlafen.

Historienstoffe:

In diesem Genre konnte mich vergangenes Jahr gar nichts begeistern, obwohl ich einiges gesehen habe. The Artful Dodger (Disney+) war noch der interessanteste Neuzugang, und Miss Austen (lief bei Arte) war auch ganz okay.

Meine Highlights waren die neuen Staffeln von Call The Midwife (AXN White, BBC Player), The Gilded Age (Wow), Outlander (Netflix) und Der Doktor und das liebe Vieh (Magenta). Auch das Outlander-Spin-Off Blood of my Blood (Magenta) war nicht schlecht.

Nicht so gut wie die Romane war die Verfilmung von Shardlake (Disney+), ganz okay waren noch The White Queen und die Fortsetzung The White Princess (beide Magenta), Ein Gentleman in Moskau sowie Queen Woo (beide Paramount+). Von Amadeus (Wow), Die Löwen von Sizilien (Disney+) und The Great (Netflix) war ich eher enttäuscht.

Meine Serien-Top Ten 2025:

  • 1) Stranger Things
  • 2) Slow Horses
  • 3) School Spirits
  • 4) Gangs of London
  • 5) Stick
  • 6) The Flatshare
  • 7) Unschuldig – Mr. Bates gegen die Post
  • 8) Paradise
  • 9) Silo
  • 10) Foundation

Worauf ich mich in diesem Jahr freue, kann ich nicht genau sagen, da neue Serien meist erst kurz vor dem Start vorgestellt werden. Aber neben den üblichen Verdächtigen wie Slow Horses und For All Mankind, die ganz oben auf dieser Liste stehen würden, gehören dazu noch die unverhofften neuen Staffeln von Trying und Ted Lasso, von denen ich glaubte, sie seien beendet.

Wer mich jetzt für einen Serienjunkie hält, könnte damit vielleicht sogar Recht haben. Neben vielen (vermutlich zu vielen) aktuellen und älteren Titeln auf meiner Watchlist gibt es noch etliche neue Staffeln von Serien, die ich bislang noch nicht gesehen habe, weil mir entweder die Zeit fehlte oder mein Interesse stark nachgelassen hat. Dazu zählen The Bear, The Witcher, Wednesday, Squid Game, GenV, Fallout, The Lincoln Lawyer, The Night Manager, Good Omens, Bad Sisters und Industry.

Das war jetzt ein sehr lange Beitrag, aber dafür geht es an dieser Stelle für den Rest des Jahres wieder vornehmlich um (Kino-)Filme. Und das ist auch gut so.

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.