Good Luck. Have Fun. Don’t Die

Mark G. war ganz heiß auf den Film, ich weniger. Der Trailer sah zwar interessant aus, ein bisschen gaga, tech-kritisch und spaßig, enthielt aber so viele unterschiedliche Elemente, dass es schwer war, sich vorzustellen, wie alles zusammenpasst. Und worum geht es überhaupt? Abgesehen natürlich von der Rettung der Welt, wie gleich zu Beginn konstatiert wird. Da der Film bereits in den USA verhalten angelaufen war, sind wir gleich am Starttag ins Kino gegangen.

Good Luck. Have Fun. Don’t Die

Er ist dreckig und sieht seltsam aus in seinem schmuddeligen Regenmantel und mit dem Kinderrucksack auf dem Rücken, zu dem zahlreiche Schläuche und Kabel führen. Der Mann (Sam Rockwell), der an diesem Abend das Diner in Los Angeles betritt, behauptet, er stamme aus einer düsteren, apokalyptischen Zukunft, und in diesem Raum, unter all den versammelten Gästen, befände sich genau jene Gruppe von Menschen, die dazu fähig seien, die Welt zu retten. Susan (Juno Temple), die gerade ihren Sohn in einem Schulmassaker verloren hat, schließt sich ihm an, und auch die beiden Lehrer Mark (Michael Peña) und Janet (Zazie Beetz) sowie Ingrid (Hayley Lu Richardson) folgen ihm schließlich auf einer Mission, deren Ziel es ist, die Entstehung einer gefährlichen KI zu verhindern.

Es ist schwierig, ausführlich über diesen Film zu schreiben, ohne zu viel von seinem Inhalt zu verraten. Auch der Trailer war bemerkenswert zurückhaltend, wenn es um die Story ging, machte aber mit dem Zeitreisenaspekt neugierig. Stammt der namenlose Mann wirklich aus der Zukunft, oder ist er ein durchgeknallter Spinner mit einer akuten Psychose? Auch diese Frage sorgt anfangs für eine gewisse Spannung, ist aber nur der Auftakt zu einer wilden, aberwitzigen Geschichte.

Drehbuchautor Matthew Robinson und Regisseur Gore Verbinski scheinen hier eine Hommage an Terry Gilliam im Sinn gehabt zu haben. Die Parallelen zu 12 Monkeys sind offenkundig, es finden sich aber auch Anleihen an Brazil, der über einen ähnlichen bissigen Humor verfügt und aus dem einige Bildelemente zitiert werden.

Die Story des Zeitreisenden und seiner Mitstreiter bildet aber nur die Rahmenhandlung. Ausführliche Rückblenden erzählen mehr über die Figuren, so werden Mark und Janet vorgestellt, aber auch Susan und Ingrid, während der Rest der Gruppe nur Kanonenfutter abgibt und froh sein darf, einen Namen zu bekommen. In diesen Episoden lernt der Zuschauer die Welt, in der der Film spielt, besser kennen, und diese ist überaus gruselig.

Man sollte nicht zu viel verraten, diese Episoden erinnern aber stark an die Serie Black Mirror, die sich seit nunmehr fünfzehn Jahren mit den Auswirkungen von Sozialen Medien und moderner Technik auf unser Leben und unsere Gesellschaft beschäftigt und dabei ebenfalls oft satirische Töne anschlägt. Verbinski und Robinson gelingen hier einige wunderbare Momente, die herrlich absurd unsere tech-hörige Welt aufs Korn nehmen und gleichzeitig kritische Töne anschlagen. Der Wahnsinn dieser Gesellschaft ist von unserem nicht allzu weit entfernt. Dadurch entsteht eine beklemmende Atmosphäre, die aber im Verlauf des Films zunehmend absurder wird, dann wieder düster, bevor sie im Klamauk endet. Das Finale ist zumindest teilweise spannend, nur passen einige Elemente nicht zusammen, die überraschenden Twists kann man schon meilenweit vorausahnen, es gibt Logikfehler und mehr offene Fragen als Antworten. Auch die Auflösung ist nur mittelprächtig und nicht gerade ermutigend. Vermutlich so wie unsere Zukunft.

Dennoch macht der Film über weite Strecken irre Spaß. Im Grunde ist Good Luck. Have Fun. Don’t Die eine Kompilation aus Black Mirror mit einer Rahmenhandlung, die stark an 12 Monkeys erinnert. Keine schlechte Kombination, aber auch nicht übermäßig originell, und wer diese Geschichten mochte, wird auch hier seine Freude daran finden.

Note: 3

Dieser Eintrag wurde von Pi Jay unter Pi Jays Corner veröffentlicht und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.