The Housemaid – Wenn sie wüsste

In den vergangenen Jahren habe ich hin und wieder beklagt, dass es zu wenige Thriller im Kino gibt – nun wurde ich anscheinend von den Zelluloid-Göttern erhört, denn in diesem Jahr gibt es jede Menge davon. Einer, der sehr erfolgreich an den Kassen war, ist The Housemaid – Wenn sie wüsste, der auf einem auch bei uns wohl recht beliebten Bestseller beruht. Der Trailer erinnerte mich an die Filme, die Ashely Judd früher fast im Monatstakt gedreht hat, die Story an populäre Formate aus früheren Jahrzehnten, etwa an die Romane von Joy Fielding. Sie alle handeln von klugen, gutaussehenden Frauen, in deren Bilderbuchleben Abgründe lauern. Ich glaube, ich habe irgendwann mal einen davon gelesen, um mir ein Bild davon zu machen, warum sie so erfolgreich sind.

The Housemaid – Wenn sie wüsste erzählt also bei weitem nichts Neues, aber da es so lange nicht im Kino war und anscheinend immer noch einen Nerv trifft, war der Film sehr erfolgreich. Aber ist er auch gut? Wir haben uns ein Bild gemacht.

The Housemaid – Wenn sie wüsste

Millie (Sydney Sweeney) lebt in ihrem Auto, ist auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden, wo sie eine Haftstrafe wegen Totschlags verbüßt hat, und sucht dringend einen Job. Als sie sich bei Nina (Amanda Seyfried) um die Position der Haushälterin bewirbt, glaubt sie nicht, dass sie den Job bekommt. Doch sie wird eingestellt und kümmert sich fortan um das Haus und die Bedürfnisse der Familie. Schon bald verhält Nina sich ihr gegenüber jedoch feindselig und irrational, sie beschuldigt sie des Diebstahls und scheint psychische Probleme zu haben. Ihr Mann Andrew (Brendon Sklenar) deutet an, dass Nina eine problematische Vergangenheit hat, und nimmt Millie in Schutz, und mit der Zeit entwickeln sich romantische Gefühle zwischen den beiden.

Der Anfang der Geschichte ist vielversprechend. Als Zuschauer mag man Millie von der ersten Minute an, man weiß, dass sie es nicht leicht im Leben hatte, aber im Grunde eine nette Person ist, und man gönnt ihr den Erfolg von Herzen. Das Haus, in dem sie zu arbeiten beginnt, ist zudem die perfekte Traumkulisse, und auch die Familie sieht aus, als wäre sie einem Lifestyle-Magazin entsprungen. Aber man spürt auch, dass hinter der schönen Fassade Abgründe lauern. Das Drehbuch von Rebecca Sonnenshine ergeht sich jedoch nur in Andeutungen und Geraune. Man erfährt, dass Millie zehn Jahre abgesessen hat, aber nicht, wofür sie verurteilt wurde. Nina verhält sich bereits an Millies erstem Tag wie eine Irre, aber man weiß nicht so recht, ob sie tatsächlich psychische Probleme hat oder nur sehr temperamentvoll ist. Ihre Freunde, deren Angestellte und sogar Andrew lästern hinter Ninas Rücken über sie, deuten an, dass sie gewalttätig ist, vielleicht sogar eine Mörderin, da ihre Eltern unter ungeklärten Umständen ums Leben kamen.

Das alles sind veritable Zutaten für einen Thriller. Nur kommt leider keine Spannung auf. So überhaupt gar keine. Für viel zu lange Zeit. Regisseur Paul Feig führt uns immerhin eine Weile in die Irre, weil er die Story streng aus Millies Sicht erzählt, die von Nina wirklich gemein behandelt wird, und er weckt dadurch Erwartungen, dass hier die Geschichte einer verfolgten Unschuld erzählt wird. Doch in der zweiten, deutlich besseren Hälfte des Films, gibt es einen Twist und einen Perspektivwechsel, der erklärt, was es mit Ninas irrationalem Verhalten wirklich auf sich hat und welche Pläne sie damit verfolgt. Der aufmerksame Zuschauer hat das zu diesem Zeitpunkt jedoch schon lange durchschaut, denn da es so viel Leerlauf gibt, fällt jener eine Hinweis, den die Autorin uns gibt, besonders auf. Ungefähr nach zwanzig Minuten ahnt man, wer der Böse in der Geschichte ist und wie sie vermutlich enden wird.

Das ist schade, man hätte sich durchaus mehr Raffinesse und Spannung gewünscht, aber man bekommt immerhin einen akzeptablen und wenigstens im Finale packenden Thriller. Man darf bei der Auflösung nur nicht genau über die Details nachdenken, sonst fällt das Ganze zusammen wie ein Kartenhaus. Nur ein Beispiel: Ninas aufbrausendes, aggressives Verhalten würde im Licht der späteren Enthüllungen niemals ohne Konsequenzen bleiben. Und nicht alle Details werden erklärt, es bleiben hier und da Fragen offen.

Die Figuren wirken, zumindest wenn man das Gesamtbild kennt, ebenfalls recht konstruiert und papieren. Aus den meisten hätte man viel mehr herausholen können, und man fragt sich, warum das so ist, wenn die Vorlage ein Roman ist, der so viel mehr Zeit auf eine tiefere Figurenanalyse verwenden kann. Alles in allem ist der Film okay, er bleibt zwar unter den Erwartungen, punktet aber mit einer guten Cast und soliden Regie, ist aber vermutlich schnell wieder vergessen.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.