Nachdem es gestern um eine Buddy-Komödie im All geht, bleiben hier heute lieber auf der Erde. In den USA war der Film, der im Original I Love You, Man heißt, 2009 mit rund 70 Millionen Dollar Box-Office ein ordentlicher Erfolg, in Deutschland hingegen wurde er von den Zuschauern weitgehend ignoriert, obwohl die Besetzung gar nicht mal schlecht ist. Die Idee, eine RomCom mit zwei Männern zu erzählen, wäre zu dem Zeitpunkt für ein Hollywood-Studio relativ gewagt gewesen, aber wenn man das Ganze hübsch verpackt als platonische Liebesgeschichte über einen Mann, der einen besten Freund und Trauzeugen sucht, und mit Fremdschäm-Humor à la Judd Apatow anreichert, ist man auf der sicheren Seite. Eine BroCom sozusagen.

Trauzeuge gesucht!
Als Peter (Paul Rudd) seiner Freundin Zooey (Rashida Jones) einen Heiratsantrag macht, stellt er bald fest, dass er praktisch keine männlichen Freunde und damit auch keinen Trauzeugen hat. Sein schwuler Bruder (Andy Samberg) weiß Abhilfe und schickt ihn auf eine Reihe von „Dates“ mit diversen Männern, um auf diese Weise einen neuen, besten Freund zu finden, was aber komplett schief geht. Erst als Peter den bestechend ehrlichen und ungemein witzigen Sydney (Jason Segel) kennenlernt, funkt es auf Anhieb. Doch Zooey fühlt sich bald vernachlässigt, und der eingefleischte Junggeselle Sydney weckt in Peter Zweifel, ob sie wirklich seine große Liebe ist.
Seien wir doch mal ehrlich, das Ganze ist eine verkappte schwule Liebesgeschichte, der man ein heterosexuelles Tarnmäntelchen umgehängt hat. Vermutlich in Pink. Die Story ist wahnsinnig konstruiert, und die Idee, dass Peter unbedingt einen männlichen Trauzeugen braucht, zementiert nur die überkommenen Klischeevorstellungen von einer heteronormativen Hochzeit. Wenn Peter nur Freundinnen hat, könnte auch eine von ihnen den Job übernehmen, zumal der Mann als ausgesprochen metrosexuell definiert wird, Der Teufel trägt Prada liebt und sich in der Gegenwart rüpelhafter oder ausgesprochen maskuliner Männer unwohl fühlt. Aber diese Idee wird nicht einmal von ihm selbst angedacht. Stattdessen setzt das Drehbuch ganz auf konventionelle Klischees, und Peter fühlt sich minderwertig, weil er „anders“ ist. Alles klar.
Lässt man aber diese dünne und ziemlich konstruierte Geschichte beiseite und konzentriert sich nur auf das Geschehen, ist der Film ziemlich gelungen. Nicht die beste Komödie aller Zeiten, aber durchweg unterhaltsam und mit einigen überaschenden Momenten. Das ist in erster Linie das Verdienst der beiden großartigen Hauptdarsteller, die nonchalant jeden depperten Drehbucheinfall von Larry Levin überspielen, und mit J.K. Simmons und Jon Favreau sind noch zwei weitere bekannte Gesichter mit von der Partie.
Der Humor ist leider häufig grenzwertig und oft genug auf der falschen Seite dieser Grenze angesiedelt. Warum Fremdschämen irgendwann zu einem probaten Mittel des Humors wurde, gehört zu den großen, ungelösten Rätseln unserer Zeit und ist vermutlich die Schuld von Judd Apatow, der diesmal allerdings nicht seine Finger im Spiel hatte. Wer also alberne Filme wie Jungfrau (40), männlich, sucht … toll fand, wird Trauzeuge gesucht! ebenso mögen. Wer über Hundehaufen oder einen Kotzstrahl im Gesicht eines anderen so gar nicht lachen kann, sollte ihn vielleicht besser meiden.
Zum Glück sind diese peinlichen humoristischen Versuche nicht so breit gestreut, dass sie einem komplett den Spaß verderben, und auch das seltsame Verhalten, das Peter bisweilen an den Tag legt, der glaubt, sich männlich zu verhalten, bedeutet, sich wie ein debiler Teenager aufzuführen, verschwindet in der zweiten Hälfte ebenfalls. Ironischerweise ist Sydney der Mann, der nicht erwachsen werden will, sich dabei aber vernünftiger verhält als sein bester Freund.
Alles in allem ist Trauzeuge gesucht! ein leichter, manchmal etwas überdrehter, aber sympathischer Spaß. Wer einen netten Abend mit Paul Rudd und Jason Segel verbringen will, findet den Film auf Paramount+.
Note: 3