Grease

Neulich habe ich versucht, eine ziemlich schlechte Pulp Fiction-Kopie anzuschauen, von der ich irrtümlich annahm, dass sie ganz unterhaltsam sein könnte. Den Machern war schon beim Schreiben des Drehbuchs klar, welchen Film sie hier kopieren, weshalb sie das Problem in einer Szene, in der zwei Auftragskiller eine Gruppe Gangster überfallen (kommt einem bekannt vor, nicht wahr?) direkt ansprechen. Einer der Killer fühlt sich nämlich an einen Film erinnert, in dem „der weiße Typ, der gut tanzen kann“ mitspielt. Kevin Bacon, schlägt sein Kumpel daraufhin vor, aber gemeint ist der andere – John Travolta. Auf den Filmtitel kommen sie dennoch nicht, und an dieser Stelle habe ich ausgeschaltet.

1977 kam Travolta mit Saturday Night Fever ganz groß raus, erhielt dafür sogar eine Oscarnominierung und machte Disco zu einem weltweiten Phänomen. An den Kassen war es einer der erfolgreichsten Filme dieses Jahrzehnts, den Grease, der nur wenige Monate später startete, sogar noch toppen konnte. Tatsächlich ist es immer noch Travoltas erfolgreichster Film und prägend für seine frühe Karriere.

Weil ich Saturday Night Fever vor vielen Jahren nicht zu Ende gesehen habe, habe ich Grease ebenfalls immer links liegengelassen. Bis jetzt. Natürlich kannte ich bereits einige der Songs, die durch das Musical und den Film zu Weltruhm gelangt sind – und sogar Du, die Wanne ist voll, die Parodie auf You’re the One That I Want, von Dieter Hallervorden und Helga Feddersen. Es geht doch nichts über ein fundiertes Allgemeinwissen.

Grease

Die Australierin Sandy (Olivia Newton-John) verliebt sich 1959 im Strandurlaub in den USA in den attraktiven Danny (John Travolta). Einige Zeit später zieht ihre Familie nach Amerika, und Sandy trifft Danny an ihrer neuen High School wieder, an der er als vorlauter Halbstarker zu einer Clique gehört, die sich die T-Birds nennt und Autos für illegale Straßenrennen aufmotzt. Danny ist zu cool für die brave, angepasste Sandy und will sich zunächst nicht mit ihr abgeben, um sein machohaftes Image nicht zu gefährden, doch seine Gefühle für sie sind stärker.

Da der Film in den späten Fünfzigerjahren spielt, dürfen Petticoats und Pomade natürlich nicht fehlen. Letztere hat sogar für den Titel Pate gestanden, und wenn man ein Trinkspiel abhalten würde, das einen Shot zu trinken erfordert, sobald sich einer der Herren mit dem Kamm durchs pomadisierte Haar fährt, man wäre schon nach zehn Minuten sternhagelvoll. So richtig authentisch ist die Darstellung dieses Jahrzehnts jedoch nicht, es ist eher die Vorstellung der späten Siebzigerjahre, wie diese Dekade hätte aussehen können, wenn sie so cool wäre wie sie selbst. Was aus heutiger Sicht eher drollig aussieht.

Die Jugendlichen wirken nicht so, wie man sie aus Filmen jener Zeit kennt, sondern so, als hätten sie die sexuelle Revolution der Sechzigerjahre bereits vorweggenommen. So cool und abgeklärt, so selbstbewusst und sexpositiv waren die meisten in der prüden Eisenhower-Ära nun einmal nicht. Aber da das Musical schließlich für die Siebziger geschrieben wurde, darf man hier wohl nicht allzu streng sein. Immerhin entspricht Sandy anfangs noch ganz gut dem angepassten Teenager, mausert sich aber im Verlauf der Handlung zur Femme fatale, während Danny sich aus Liebe zu ihr ebenfalls zu verändern beginnt und ernsthafter und weniger großmäulig wird. Das macht Grease zu einer klassischen Love-Story, in der das Paar nach einigen Turbulenzen und Zwischenfällen zueinander findet und dabei einiges über sich und das Leben lernt, auch wenn diese Veränderungen eher oberflächlicher Natur sind und vor allem über Kleidung und Frisuren definiert werden.

Wie in vielen High-School-Filmen spielen das Image und die Selbstdarstellung eine große Rolle. Die Jungs wollen große Macker sein, die Schlag bei den Frauen haben, sich nichts gefallen lassen und die Lacher stets auf ihrer Seite haben. Die Frauen geben sich nicht minder rebellisch, vor allem Sandys neue Freundinnen, die Pink Ladies, wissen genau, was sie wollen und lassen sich von den Kerlen nichts gefallen. Die Emanzipation der Siebziger lässt grüßen, und es werden sogar kritische Töne angeschlagen, als eine Figur glaubt, schwanger zu sein.

Die Story ist ziemlich dürftig. Natürlich weiß man, dass Danny und Sandy zusammengehören, auch wenn es einige Hürden zu überwinden gilt. Es gibt Eifersucht, romantische Stelldicheins, Besuche in poppigen Diners und kultigen Autokinos und damit jede Menge Nostalgie. Man kann sich vorstellen, dass der Film auch deshalb ein so großer Erfolg war, weil er nicht nur die Jüngeren mit seiner mitreißenden Musik angesprochen und mit seinem Humor abgeholt hat, sondern auch die Generation ihrer Eltern begeistert hat, die sich an ihre eigene Jugend erinnert gefühlt haben. Im Grund war Grease das Dirty Dancing der Siebziger.

Aus heutiger Sicht wirkt der Film wie alle Produktionen seiner Zeit ein wenig zu langsam und zu albern, aber das macht, zusammen mit seinen großartigen Songs und der poppigen Ausstattung, natürlich auch eine Menge seines Charmes aus. Die Darsteller sind jung und charismatisch (auch wenn alle so aussehen, als hätte sie die High School bereits vor Jahren oder sogar Jahrzehnten abgeschlossen), und zum Finale kommt bei einem Autorennen sogar noch ein wenig Spannung auf. Dass der Film noch heute gut unterhält, liegt in erster Linie aber an seiner Musik, und das ist völlig in Ordnung.

Note: 3

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.