Alles eine Frage der Zeit

Richard Curtis gilt als einer der Großmeister der Komödie, insbesondere der romantischen Komödie. Der erste Film, der auf seinem Drehbuch basierte und den ich gesehen habe, war 1988 Das lange Elend. Viel ist mir nicht in Erinnerung geblieben – bis auf die wohl schrägste Sex-Szene der Filmgeschichte, in der Jeff Goldblum und Emma Thompson beim Beischlaf eine Wohnung zerlegen.

Auf sein Konto gingen aber auch Meisterwerke wie Vier Hochzeiten und ein Todesfall oder Notting Hill, die vielleicht romantischste aller RomComs. Bridget Jones war noch ganz nett, Tatsächlich… Liebe hat mir allerdings nur bedingt gefallen. Radio Rock Revolution hingegen hat mich nie so interessiert, dass ich ihn mir angesehen hätte, aber sein neuester Film, bei dem er auch Regie geführt hat, klang vielversprechender:

Alles eine Frage der Zeit

An seinem 21. Geburtstag erfährt Tim (Domhnall Gleeson) von seinem Vater (Bill Nighy), dass alle Männer der Familie die Fähigkeit besitzen, durch die Zeit zu reisen. Allerdings können sie nur zu bestimmte Zeiten in ihrem eigenen Leben gelangen, wo sie dann jedoch die Chance haben, Dinge zu verändern – was mitunter erst recht Schwierigkeiten verursacht…

In Butterfly Effect hat schon einmal ein junger Mann versucht, die Vergangenheit zu verändern, allerdings mit tragischem Ergebnis. Dies ist die witzige und romantische Antwort auf diesen Film, in dem der Held versucht, das Herz einer jungen Frau zu erobern. Tim stellt sich dabei so ungeschickt an, dass man sich einerseits fremdschämt, andererseits darüber schief lachen kann. Curtis kreiert wunderbare Dialoge (die ihren Charme vermutlich in der Synchronisation einbüßen) und absurde Situationen. Typisch britisch und herrlich schräg.

Nach gut einer Stunde ändert sich jedoch der Ton des Films, und aus der romantischen Komödie wird eine anrührende Vater-Sohn-Geschichte mit einem bittersüßen Ende. Das sollte man wissen, um sich von dem temporeichen und amüsanten Beginn nicht zu viel zu versprechen. Zwar schleichen sich nun ein paar kleinere Längen ein und ein, zwei nebensächliche Handlungsstränge nehmen auch zu viel Raum ein, um die Story wirklich wie aus einem Guss wirken zu lassen, aber dafür verzaubert uns Curtis mit einem zärtlich-poetischen Schluss.

Mit Alles eine Frage der Zeit knüpft Richard Curtis zwar nicht an seine Glanzzeit an, unterhält aber auf heitere und besinnliche Weise.

Note: 2-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...