Vaterfreuden

Heute haben zwei Leute was zum Feiern: John Travolta wird sechzig, und wenn man sich anschaut, was er in den vergangenen Jahren so gemacht hat, könnte man meinen, dass er schon an die Rente denkt. Zuletzt habe ich ihn in Savages gesehen, aber das war nur eine kleine Nebenrolle, in der er noch dazu etwas müde gewirkt hat. Aber der Mann war ja im Laufe seiner Achterbahn-Karriere schon für so manche Überraschung gut, und falls es eine Soundtrack-Funktion für diese Rubrik gäbe, würde im Hintergrund jetzt vermutlich Stayin‘ Alive laufen…

Der zweite, der sich freuen kann, ist Matthias Schweighöfer, über den heute in der Zeitung zu lesen war, dass er erneut Vater geworden ist. Wenn er auch in dieser Hinsicht seinem Vorbild Til Schweiger nacheifern will, hat er allerdings noch ein bisschen aufzuholen…

Bully hat zu seinem letzten Film eine Sitcom produziert, Matthias passend zu seinem jüngsten Hit einen Sohn:

Vaterfreuden

Felix (Matthias Schweighöfer) will eigentlich keine Kinder – bis er eines Tages vom Frettchen seines Bruders (Friedrich Mücke) angegriffen und entmannt wird. Zum Glück hat er vorher einer Samenbank sein Genmaterial gespendet, und als er nun erfährt, dass die bekannte TV-Moderatorin Maren (Isabell Polak) sein Kind erwartet, macht er sich an sie heran, um so doch noch zu seinen „Vaterfreuden“ zu kommen.

Ich muss zugeben, dass ich bislang keinen einzigen Schweighöfer-Film gesehen habe, ohne sie wirklich zu vermissen. Andererseits kenne ich mit Keinohrhase auch nur einen einzigen Film seines Dauerrivalen Til Schweiger. Inszenatorisch kam mir Vaterfreuden ein wenig runder und stilsicherer vor, was aber auch daran liegen kann, dass Torsten Künstler, der in beiden Fällen mit Regie geführt hat, in den letzten Jahren besser geworden ist. Nett war in diesem Zusammenhang auch der kleine Seitenhieb auf Til, der den Helden frech von einer Zeitungsseite aus angrinst.

Die Geschichte ist solide, aber auch recht leidenschaftslos erzählt. Felix’ anfängliche Ablehnung von Kindern schlägt ein bisschen zu schnell in den brennenden Wunsch um, Vater zu werden, als dass seine Bemühungen überzeugend wären, aber da ist man schon längst im sicheren Fahrwasser der RomCom. So ganz glaubwürdig ist das natürlich alles nicht, aber das stört auch nicht weiter, so lange man seinen Spaß hat.

Die Darsteller sind gut aufgelegt, und auch Isabell Polak müht sich redlich, ihrer Figur wenigstens einigermaßen gerecht zu werden. Am besten agiert jedoch Friedrich Mücke als schräger Tunichtgut – weil er so erfrischend anders ist als das übliche Personal dieser Filme. Und genau das ist der große Schwachpunkt: Alles ist so formelhaft und glattgebügelt, dass man schon nicht mehr weiß, ob man sich gerade in einer Schweighöfer- oder Schweiger-Komödie befindet. Die Kameraeinstellungen, die Musik, die Stadtansichten – alles gleicht sich aufs Haar. Nur die Kinder tragen diesmal nicht den Nachnamen Schweiger…

Insgesamt eine annehmbare, völlig unoriginelle, aber stellenweise launige Komödie mit sympathischen Figuren und geradezu unverschämter Schleichwerbung.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...