Das Feld der Träume

Wahrscheinlich veranstaltet jeder von uns von Zeit zu Zeit Filmeabende, an denen er mit Freunden zusammen kocht oder grillt und anschließend einen oder zwei Filme anschaut. Sehr beliebt sind solche Veranstaltungen, wenn demnächst ein Sequel startet und man sich den oder die Vorgänger noch einmal ansehen möchte. Mark G. geht in dieser Hinsicht noch einen Schritt weiter und lädt seine inzwischen erwachsenen Nichten und Neffen und manchmal auch ein paar Freude ein, um filmhistorische Schmankerl zu präsentieren. In diesem Rahmen wurde vor einiger Zeit Das Feld der Träume aufgeführt, in einer hübsch restaurierten DVD-Fassung – denn auch die Filme aus den Neunzigern kommen langsam in die Jahre. Der Abend endete dann mit einer großen Überraschung…

Das Feld der Träume

„Wenn du es baust, wird er kommen“, sagt eine körperlose Stimme eines Tages zu Ray (Kevin Costner), einem Farmer aus Iowa. Zuerst zweifelt er an seinem Verstand, aber dann hat er die Vision eines Baseballfelds, das sich inmitten seines Maisfeldes befindet, und er tut etwas völlig Verrücktes: Er baut es. Eine ganze Weile lang passiert gar nichts, doch eines Tages erscheint auf dem Spielfeld der Geist der Baseballlegende Shoeless Joe Jackson (Ray Liotta)…

Wer keine Märchen liebt und Fantasie für nutzlos hält, sollte einen weiten Bogen um diesen Film machen. 1990 war er für drei Oscars nominiert, unter anderem als Bester Film, und gilt seither als kleines Meisterwerk und vielzitierter Kultfilm. Bei uns ist er wegen der Baseballthematik leider nie besonders erfolgreich gewesen und hatte damals nur etwas über zwanzigtausend Besucher.

Dabei es gibt keinen schöneren oder poetischeren Film über die Macht des Träumens. Es geht um die Aussöhnung mit der Vergangenheit, um vertane Chancen und ungelebte Leben, um das, was nie sein konnte, Dinge, die wir verloren haben und denen wir nachtrauern, um Hoffnung und Liebe, Mut und den Glauben an das Wunderbare. Es ist eine beglückende, zu Herzen gehende, bisweilen auch ein wenig kitschige Geschichte, die einen immer wieder zu Tränen rührt.

Note: 1

Für mich ist es nach wie vor einer der schönsten Filme aller Zeiten. Nicht unbedingt einer der handwerklich besten oder filmhistorisch wertvollsten, aber seine Geschichte berührt einen auf so vielfältige Weise, dass man sie immer wieder sehen möchte. Über die Story will ich nicht zu viel verraten, damit jene, die ihn noch nicht kennen, die Chance haben, ihn neu zu entdecken und unbefangen zu erleben.

Nachdem ich ihn sicherlich mehr als zehn Jahre nicht gesehen hatte, war es angenehm, ihn als wenig gealtert und immer noch zeitgemäß zu erleben. Umso erstaunlicher die Reaktion der Twentysomethings: Sie haben ihn gehasst. Die Gründe dafür haben sich mir nicht so recht erschlossen, die Story war ihnen einerseits zu kitschig, andererseits zu unrealistisch. Was man einem Märchen natürlich durchaus vorwerfen kann, genauso wie sämtlichen Superheldenfilmen. Wie es scheint, kann die jüngere Generation (falls man die fünf Leute als exemplarisch ansehen will) mit gefühlvollen, poetischen Filmen nicht mehr viel anfangen. Über den Vorwurf, dass zu oft der Zufall die Geschichte voranbringt, wurde auch lange diskutiert, wobei der Zufall in diesem Fall eher das Schicksal war, was aber genauso heftig abgelehnt wurde. Dass niemand den Zauber, die zarte Poesie und die zutiefst menschliche Botschaft der Geschichte zu würdigen gewusst hat, hat mich trauriger gestimmt als es der Film vermocht hatte.

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...