Percy Jackson, der Zweite

Vor einigen Jahren ging mir im Urlaub der Lesestoff aus, und ich sah mich in einer großen, amerikanischen Buchhandlung nach neuer Lektüre um. Heute dürfte mir das schwerer fallen, da nicht nur eine der beiden großen Buchhandelsketten bankrott ist, sondern es mittlerweile sogar Millionenstädte in den USA ohne eine einzige Buchhandlung gibt. Da ich nichts zu Anspruchsvolles und am Ende schwer Verständliches lesen wollte, warf ich auch einen Blick in die Kinder- und Jugendbuchabteilung und hatte die Percy Jackson-Romane in der Hand. Am Ende habe ich mich dann doch dagegen entschieden, weil sie mir zu sehr auf ein kindliches Publikum zugeschnitten vorkamen.

Aber was man als Buch verpasst, kann man ja manchmal als Film nachholen. Der erste Teil, Percy Jackson: Diebe im Olymp, war auch recht amüsant, konnte aber dem Vergleich mit Harry Potter nicht standhalten. Immerhin machte der Film Spaß, und so war ich neugierig auf die Fortsetzung:

Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen

Ein Angriff auf das Halbgott-Camp zerstört den magischen Schutzschild und bringt alle Bewohner in große Gefahr. Percy (Logan Lerman) findet heraus, dass sein alter Widersacher Luke (Jake Abel) dahintersteckt, der den Titan Kronos wieder zum Leben erwecken will, um den Olymp und die Erde zu zerstören. Dummerweise wird nicht Percy auf eine Rettungsmission geschickt, sondern seine ewige Kontrahentin Clarisse (Leven Rambin). Doch Percy macht sich heimlich mit seinen Freunden Grover (Brandon T. Jackson) und Annabeth (Alexandra Daddario) ebenfalls auf den Weg, um das goldene Vlies zu finden, das ihre einzige Rettung ist.

Der Original-Titel lautet Sea of Monsters, was passender ist, da der größte Teil der Geschichte genau dort spielt, uns Sterblichen eher als Bermuda-Dreieck bekannt. Der titelgebende Zyklop bezieht sich auf Polyphem (Ron Perlman), der das goldene Vlies bewacht und in einem Vergnügungspark haust. Es kommt aber auch ein zweiter Zyklop vor: Percys Halbbruder Tyson (Douglas Smith), an den er sich erst noch gewöhnen muss. Die griechische Mythologie wurde hier munter geplündert, verdreht und den Bedürfnissen der Story angepasst, so dass sich eine eigenwillige, aber nicht uninteressante Mischung ergibt.

Wie im ersten Teil ist die Story eine Schnitzeljagd mit vielen, kleineren Abenteuern, die schließlich im finalen Kampf gegen Kronos münden. Den Figuren fehlt es leider an notwendigen Konturen, der Handlung an Spannung, Witz oder Überraschungen. Auch der Charme, den der erste Teil noch stellenweise hatte, ist leider verflogen, obwohl der Film an sich nicht langweilig ist – er wirkt nur leider wie ein – solides – Retortenprodukt.

Note: 4

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...