Was macht eigentlich …?

Der Mann liebt Comics. Mit Nicolas Cage hat er gemeinsam, dass er sein Kind nach einer Comicfigur benannt hat: Harley Quinn (aus Batman). Bekannt geworden ist er vor genau zwanzig Jahren mit einem Film über Außenseiter, der es zu einem gewissen Kultstatus gebracht hat und im nächsten Jahr sein zweites Sequel erhalten wird, während seine Hauptfiguren immer wieder durch das Oeuvre ihres Schöpfers geistern. Leider war die Bezeichnung Kultregisseur wohl eine zu schwere Hypothek, denn alles, was er nach seinem Spielfilmdebüt gedreht hat, lief eher unter den Erwartungen. Was macht eigentlich …?

Kevin Smith

Die Neunziger brachten eine ganze Reihe Independent-Regisseure hervor, von denen einige den Sprung zum Mainstream schafften, anderen nach wie vor kleine, unabhängige Filme drehen und anderen irgendwie zwischen den Stühlen hängen – so wie Kevin Smith. Bekannt wurde er 1994 mit Clerks, der mit anarchistischem Witz einen Tag im Leben zweier gelangweilter Verkäufer schildert. Es gab einige Filme dieser Art in jenen Tagen, Smoke zum Beispiel oder Slackers, Filme über skurrile Typen und die Absurditäten des Alltags, die einen rotzig-frechen Charme hatten und heute wie von einem anderen Stern wirken.

In Clerks tauchten auch zum ersten Mal der geschwätzige Jay und sein Freund Silent Bob auf. Letzterer wurde von Kevin Smith selbst gespielt, der selbst in seiner dialogfreien Rolle kein überzeugender Schauspieler war, was ihn aber nicht daran hinderte, auch künftig immer wieder aufzutreten. Die beiden Charaktere tauchen in acht Filmen von Kevin Smith auf, darunter in Mall Rats, Chasing Amy und Dogma, die Smith nach Clerks in den Neunzigern drehte. Dogma war der einzige, der mir davon gefallen hat. Danach bekamen Jay und Bob ihre eigenen (Fernseh-)Filme und Auftritte in den Clerks Sequels sowie in Scream 3.

Smiths Produktionsfirma heißt View Askew Productions, und viele seiner Filme nehmen untereinander Bezug oder spielen in seiner Heimat New Jersey. Deshalb geht er soweit, ein ganzes Paralleluniversum namens View Askewniverse zu konstruieren, das alle seine Arbeiten beeinflusst. Dazu zählen nicht nur seine Filme und Serien, sondern auch die Comicbücher, die er verfasst, und irgendwie hat sich auch Wes Craven darin verirrt.

Nach dem herrlich überdrehten Dogma versuchte sich Smith 2004 mit Jersey Girl an seinem wohl kommerziellsten Film, der mir erstaunlicherweise ziemlich gut gefallen hat. Es scheint aber, als hätte Smith zwar seinen Schauplatz und ein paar schräge Charaktere gefunden, an denen er gerne festhält, jedoch mangelt es ihm an den entsprechenden Geschichten. Jay und Silent Bob sind keine so fesselnden Figuren, dass man sich über mehrere Filme hinweg mit ihnen beschäftigen möchte, und auch die Sequels zu Clerks haben mich nicht interessiert. Andererseits – wenn Smith mit Cop Out eine konventionelle Buddy-Cop-Komödie dreht, ist das so seltsam und unerwartet, als würde Maggie Smith die Hauptrolle in einem Splatterfilm übernehmen.

Zack and Miri Make a Porno war das letzte Projekt, das schräg und vielversprechend erschien, ein typischer Kevin Smith also – der aber leider enttäuschte, sowohl inhaltlich als auch kommerziell. Smith befürchtete schon das Ende seiner Karriere und übernahm vermutlich deshalb die Regie von Cop Out, dem ersten Film, für den er nicht das Drehbuch geschrieben hat. Danach scheint er irgendwie aus der Spur geraten zu sein. Red State war eine wilde Gesellschaftskritik im Gewand eines Horrorfilms, die sich mit Religion, Sex und Politik beschäftigte und einen so seltsamen Trailer besaß, dass ich mir den Rest gespart habe. Drei Jahre und zwei Jay und Silent Bob Fernsehfilme später, startet mit Tusk erneut ein Horrorfilm, diesmal mit einer bizarren Geschichte über eine erzwungene Metamorphose. Die ersten Kritiken sind vernichtend.

Aber Smith hat noch zwei weitere Filme in der Pipeline: Clerks III, was nicht wirklich überraschend ist, aber bereits den Hauch von Verzweiflung verströmt, und Helena Handbag, der sich – schon wieder – mit der Apokalypse beschäftigt. Ob er sich damit einen Gefallen tut? Immerhin kann Smith auf eine erfolgreiche Nebenbeschäftigung blicken: Genau wie seine Titelfigur Tusk moderiert er gerne Podcasts.

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...