Pride

Noch zwei Monate und das Jahr neigt sich schon wieder seinem Ende entgegen. Für eine Bilanz ist es noch zu früh, aber bereits jetzt lässt sich sagen, dass 2014 besser war, als es auf dem Papier zunächst aussah. Als ich im Januar meine Heiß-auf-Liste erstellt habe, hatte ich Mühe, meine Top Five zusammen zu bekommen, aber wenn ich jetzt zurückblicke, habe ich in den vergangenen Monaten einige Produktionen gesehen, die ich problemlos zu den besten des Jahres zählen kann. Und die sogar in einem richtig guten Jahr in meiner Top Ten zu finden gewesen wären. Eine davon startet morgen …

Pride

1984: Der Streik der britischen Minenarbeiter dauert nun schon seit vielen Monaten an, das Geld wird knapp, die Menschen müssen hungern. In London kommt eine Gruppe junger LGBT-Aktivisten auf die Idee, sich mit den Arbeitern zu solidarisieren und Geld für sie zu sammeln. Da die Gewerkschaft ihre Unterstützung nicht annehmen will, wenden sie sich schließlich direkt an ein walisisches Bergarbeiterdorf …

So sehr der Bergarbeiterstreik das England der Achtzigerjahre und die Thatcher-Ära geprägt hat, außerhalb der Insel erinnern sich heutzutage vermutlich nur noch die Älteren daran. Pride erzählt allerdings eine Randgeschichte dieses Ereignisses, die ihrerseits allerdings eine gewisse Bedeutung erlangt hat, da sie auch die gesellschaftliche Gleichstellung der Schwulen und Lesben im Königreich vorangetrieben hat.

Ein sozialpolitisches und historisches Thema mit leichter Hand und extrem unterhaltsam zu erzählen, ohne den erhobenen Zeigefinger zu bemühen oder langweilig zu wirken, können wohl nur die Briten. Viele kleine Geschichten werden hier zu einer großen verwoben, anhand vieler Einzelschicksale wird eine ganze Epoche aufbereitet und kongenial auf den Punkt gebracht, so dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein.

Die Figuren wachsen einem so schnell ans Herz, dass der Film ruhig noch eine Stunde oder zwei länger dauern könnte. Die Darsteller agieren allesamt hervorragend, ganz besonders Imelda Staunton, Bill Nighy und Dominic West, dessen Energie und Wandlungsfähigkeit einen schier umhaut.

Der Film ist umwerfend komisch, herzerwärmend, anrührend, traurig, Mut machend und alles in allem einfach verdammt gute Unterhaltung – ein cheerie movie in der Tradition von Ganz oder gar nicht und Billy Eliott.

Note: 2+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...