Baymax

Der Valentinstag liegt hinter uns – ein „Feiertag“, den zu begehen ich mich konsequent weigere, schließlich feiere ich auch nicht Halloween, Hanukkah oder das Opferfest – und man fragt sich, wie viele Menschen sich getraut haben, ihrem Partner eine Peitsche zu den Eintrittskarten von 50 Shades of Grey zu schenken. Dass in den Baumärkten aus demselben Grund Kabelbinder und Klebeband Mangelware sind, habe ich ja zuerst für einen Scherz gehalten …

Aber mal ehrlich – ist 50SoG tatsächlich das perfekte Date-Movie? Und was sagt das über die Menschen in diesem Land aus? Vielleicht sind es ja alles Valentinstag-Boykotteure.

Immerhin auf dem dritten Platz an diesem Wochenende lag dieser Film:

Baymax – Riesiges Robowabohu

Der dreizehnjährige Hiro ist ein Wunderkind, das bereits die Schule abgeschlossen hat, nun aber nicht so recht weiß, was es mit seinem Leben anfangen soll. Seine Freizeit verbringt er mit illegalen Roboterkämpfen, und erst seinem Bruder Tadashi gelingt es, ihn für die technische Universität von San Fransokyo zu begeistern, an der er auch studiert und an der die coolsten Erfindungen gemacht werden. Mit seinen spektakulären Microbots schafft es Hiro tatsächlich, die Aufnahmeprüfung zu bestehen, doch dann bricht ein Feuer aus, bei dem Tadashi ums Leben kommt und seine Erfindung vernichtet wird. Wochen später findet Hiro jedoch heraus, dass seine Microbots immer noch existieren …

Wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, dass es sich bei dem Film um eine Marvel-Comicverfilmung handelt, wäre ich mit anderen Erwartungen ins Kino gegangen. Der Trailer versprach rasante, witzige Unterhaltung für große und kleine Jungs, und über weite Strecken hinweg hat der Film dieses Versprechen auch eingehalten. Es dauert allerdings ein wenig, bis die Story an Fahrt gewinnt, der ein wenig zu lang geratene Anfang erzählt die typische Superhelden-Geschichte mit persönlichen Verlusten, einem großen Talent und der Herausforderung durch einen schier übermächtigen Gegner. Sobald dieser auftaucht, kann die Transformation zum Helden beginnen. Und natürlich ist Hiro nicht allein in seinem Kampf, sondern bekommt Unterstützung von einer ebenso schlagkräftigen wie schrägen Truppe.

Das alles ist nett und gefällig umgesetzt. Der Look ist toll, die Bilder stark, nur die Emotionen bleiben weitgehend auf der Strecke. Alles ist ein bisschen zu glatt, zu vorhersehbar. Der Film beginnt eigentlich nur dann zu leben, wenn Baymax auftritt, dieser wunderbare, naive, aber herzensgute Maschinenmann, der als Medizin-Roboter konzipiert wurde und nun zum mechanischen Superhelden wird.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...