Und noch ein Teenie-Film

Als ich vergangene Woche über Pitch Perfect geschrieben habe, musste ich daran denken, dass er lustvoll aus Der Frühstücksclub zitiert. Der John Hughes-Film aus dem Jahr 1985 scheint also immer noch sehr beliebt zu sein, auch bei den heutigen Heranwachsenden. Warum gibt es dann keine Filme wie diesen mehr, gefühlvolle, aber nicht kitschige Teenie-Dramen?

Zum einen liegt das sicherlich daran, dass John Hughes 2009 viel zu früh verstorben ist, zum anderen hat selbst er zu Lebzeiten seit den Achtzigern keinen solchen Film mehr gemacht. Aber warum gibt es nicht den Versuch, wenigstens etwas in der Art zu machen? Eine mögliche Erklärung ist, dass den heutigen Teens Filme wie dieser tatsächlich völlig am Allerwertesten vorbeigehen. Wenn Der Frühstücksclub zitiert wird, dann von den Autoren, die die Bücher zu Pitch Perfect und anderen neueren Teenie-Filmen verfassen, mit John Hughes großgeworden sind und ihm so ein filmisches Denkmal setzen wollen.

Vielleicht war es nur eine Modeerscheinung, vielleicht hat Hughes in den Achtzigern einfach einen Nerv getroffen, danach dasselbe Erzählmuster einige Male variiert, bevor er schließlich das Interesse verlor und sich anderen Dingen zuwandte. Es war eben ein Trend, wie Aerobic oder neonfarbene Stretchjeans. Tatsache aber ist, dass viele Menschen bei diesen Filmen nostalgische Gefühle entwickeln und an ihre Jugend zurückdenken. Vielleicht wird es Zeit, wenn schon nicht für eine Rückkehr der Stretchjeans (obwohl – gibt es sie nicht längst wieder?), dann aber für neue Hugheske Teeniefilme oder zumindest für ein Remake? Andererseits gab es vor einigen Jahren mit Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht einen Film, der den Geist John Hughes‘ geatmet hat und den doch kaum einer sehen wollte…

Umso entzückter war ich, als letztes Jahr ein Film in die Kinos kam, der wenigstens ansatzweise in diese Richtung ging, ein wunderbar gespieltes und traumschönes Coming of Age-Drama namens:

Vielleicht lieber morgen

Charlie (Logan Lerman) ist neu an der Highschool und seit dem Selbstmord seines besten Freundes ziemlich allein auf der Welt. Irgendwann lernt der Außenseiter Patrick (Ezra Miller) und seine Clique kennen, die ihn unter ihre Fittiche nehmen. Er verliebt sich in Sam (Emma Watson), die aber einen Freund hat, und fängt etwas mit der exzentrischen Mary Elizabeth (Mae Whitman) an.

Coming-of-Age-Filme gibt es zuhauf, aber selten wirken sie so authentisch und wahrhaftig wie der Film von Stephan Chobsky, der hier seinen eigenen Roman umgesetzt hat. In den frühen Neunzigern angesiedelt, besitzt die Geschichte einen gewissen nostalgischen Charme und spricht damit eine ältere Generation an, die auf ihre eigene Jugend zurückblickt, doch die Themen des Films sind so allgemeingültig, dass sich auch heutige Teenager darin wieder finden können.

Damit kommen wir zum einzigen Manko eines ansonsten fast perfekten Films: Er ist inhaltlich etwas überfrachtet, handelt von sexuellem Missbrauch, Selbstmord, Drogensucht und dem ganzen Elend des Erwachsenwerdens inklusiver unglücklicher Beziehungen, ohne dass diese Themen wirklich vertieft werden. Das alles ist fast mit zu leichter Hand erzählt, da die Darsteller jedoch unglaublich gut und überzeugend agieren und die Atmosphäre einfach stimmig ist, fällt das kaum ins Gewicht. Man denkt noch an Charlie und seine Freunde zurück, wenn der Film schon lange vorbei ist, und wünscht sich, man würde erfahren, was aus ihnen geworden ist. Einer der besten Filme des Jahres 2012!

Note: 2+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...