aller guten Dinge

Aller guten Dinge sind drei, weiß der Volksmund, und so nähert sich diese Woche der Weltuntergang zum dritten Mal. Diesmal geht es um eine Comicverfilmung und um den Superhelden, der zum Paradebeispiel seiner Zunft geworden ist: Superman.

Der Gute hat inzwischen auch schon das Rentenalter erreicht, feiert aber fröhlich eine Wiedergeburt nach der anderen. An dieser Stelle sollte ich zugeben, dass ich mit Comics noch nie etwas am Hut hatte, nicht einmal als Kind. Abgesehen von ein paar Micky Maus-Heften habe ich fast nichts aus diesem Bereich gelesen, und die darf man ja eigentlich nicht zählen. Für mich zählen also nur die Filme und das, was sie vermitteln, ohne jegliches Hintergrundwissen.

Superman fand ich immer langweilig. Das sage ich jetzt ganz unabhängig von der Qualität der jeweiligen Verfilmung, mir geht es allein um die Figur, die allen anderen so überlegen ist, dass man um ihn niemals Angst haben muss, da es kaum einen angemessenen Gegner gibt. Und die Idee, dass er sich nur eine Brille aufsetzen muss, um von niemandem erkannt zu werden, kann man höchstens einem Blinden verkaufen…

Man of Steel

Auf Krypton herrscht Bürgerkrieg: General Zods (Michael Shannon) Revolte wird jedoch niedergeschlagen, er selbst mit seinen Getreuen verbannt. Den Untergang des Planeten kann jedoch auch der regimetreue Jor-El (Russell Crowe) nicht verhindern, allerdings gelingt es ihm, seinen neugeborenen Sohn Kal-El auf die Erde zu schicken. Dort wächst er als Clark Kent (gespielt von Henry Cavell) heran, der seine Identität und seine übermenschlichen Kräfte jedoch geheim hält. Sein Geheimnis kommt erst ans Licht, als General Zod plötzlich auftaucht und seine Auslieferung verlangt. Clark ergibt sich, ahnt er doch, dass Zod böse Absichten verfolgt…

Der Mann aus Stahl ist der erste und bekannteste aller Superhelden, und weil der Superman Returns sowohl künstlerisch als auch finanziell eher enttäuschte, hat Hollywood ein Reboot auf den Weg gebracht. Alles auf Anfang also, und weil das bei Batman begins so gut geklappt hat, wurde Christopher Nolan als Produzent engagiert. Zum großen Teil hat sich die Mühe wirklich gelohnt, die Action ist erstklassig, die Schauwerte grandios, und die Effekte können sich sehen lassen. Visuell ist der Film auf der Höhe der Zeit, ein prächtiges, beeindruckendes und bildgewaltiges Werk, das schon in der Exposition mehr Spannung und Dramatik liefert als mancher Film in Gänze.

Leider hat man über all diese Effekte eines vergessen: die Emotionen. Keine einzige Figur – nicht einmal Henry Cavill mit seinem charmanten Lächeln – schafft es, das Herz der Zuschauer zu gewinnen, was vor allem an der abgehackten Erzählweise liegt, die Clarks Kindheit und Jugend weitgehend ausspart und in kurzen Rückblenden nachliefert. So schaut man zwar fasziniert dem Wüten der Supermänner zu, erwärmen kann man sich für sie jedoch nicht. Stahl ist eben ein kaltes Metall.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...