Der Untergang des Untergangs

Am vierten Tag meines Weltuntergang-Marathons sind mir doch prompt die Apokalypsen ausgegangen. Leider habe ich schon über World War Z geschrieben und es nicht mehr geschafft, mir Das ist das Ende anzuschauen, weshalb es heute und morgen weniger um Untergangs-Szenarien geht, dafür aber immer noch um die diesjährige Blockbuster-Saison.

In Iron Man 3 ist vielleicht nicht die Erde oder das Schicksal der Menschheit bedroht, dafür aber die Welt von Tony Stark. Ich habe den Film zusammen mit einigen Freunden gesehen, von denen einer ein eingefleischter Comic-Fan ist. Während des Abspanns kam aus seiner Ecke ständig ein „Oh, mein Gott!“, woraus ich schloss, dass er wohl gerade den besten Film seines Lebens gesehen hat. Doch das Gegenteil war der Fall: Er fand den Film grottenschlecht und hat die ganze Zeit über erklärt, warum alles, was wir zuvor gesehen haben, nicht mit dem Iron Man-Universum in Übereinstimmung gebracht werden kann, welche Fehler die Drehbuchautoren gemacht haben und wie furchtbar das alles umgesetzt wurde. Als Nicht-Comic-Fan kann ich nur sagen: Mir hat der Film recht gut gefallen…

Iron Man 3

Seit seinen Abenteuern mit den Avengers und der unkonventionellen Bombenentsorgung leidet Tony Stark (Robert Downey jr.) unter Panikattacken und Selbstzweifeln. Er kann nicht schlafen, arbeitet zwanghaft an einer Verbesserung seines Schutzanzuges und legt sich, als sein ehemaliger Leibwächter Happy (Jon Favreau) bei einem Terroranschlag verletzt wird, mit dem Top-Terroristen Mandarin (Ben Kingsley) an. Dieser nimmt die Herausforderung an und zerbombt Tonys Heim. Der angeschlagene Held zieht sich zurück und plant, die Terrororganisation des Mandarin zu vernichten.

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall, und ein dermaßen arroganter, selbstverliebter Mensch wie Tony Stark kann entsprechend tief fallen. Sympathischer macht ihn das auch im dritten Teil leider nicht. So gut Robert Downey jr.s Darstellung auch ist, sowohl sein Sherlock als auch sein Iron Man sind für mich die reinsten Nervensägen, die gar nicht genug Prügel beziehen können.

Immerhin ist bei der dritten Comicverfilmung Shane Black nicht nur Regisseur, sondern auch einer der Drehbuchautoren, und er lässt wieder jede Menge kalauernde Dialoge einfließen. Dieser Humor hebt den Film wohltuend von seinen allzu martialischen Vorgängen ab. Gelungen ist auch die ironische Brechung mancher Szenen, wenn sie zu sehr ins Pathos abzudriften drohen, nur leider wird dieses Stilmittel ein paar Mal zu oft angewandt, und auch die Kalauer zerstören am Ende jegliche Emotionalität.

Weniger wäre vielleicht mehr gewesen, aber in Hollywood-Blockbustern wird bekanntlich geklotzt und nicht gekleckert. So bietet das Finale wirklich sehenswerte Action, wobei allerdings die Logik wie so oft auf der Strecke bleibt. Und am Ende schafft Iron Man sich sogar ab, was viele Comic-Fans erbost haben dürfte, im vierten Teil (oder im zweiten Avengers-Abenteuer) aber vermutlich wieder obsolet sein wird, zurück bleibt nur Tony Stark, demütiger und bescheidener als zuvor. Wer’s glaubt…

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...