Gesucht: Was zum Lachen

Heute gibt es so etwas wie Resteverwertung.

Mark G. hat mich neulich darauf hingewiesen, dass sich noch ein unveröffentlichter Beitrag im Blog-Archiv befindet, der aus dem Jahr 2015 stammt. Ich dachte eigentlich, dass ich ihn am 4. August des Jahres veröffentlicht hatte, musste mich aber eines Besseren belehren lassen. Nachdem ich mir den Text durchgelesen habe, erinnere ich mich sogar an den Film (beileibe keine Selbstverständlichkeit), und bin überrascht, dass sich meine Einschätzung zu den Komödienbeiträgen bei den Streamingdiensten nur unwesentlich geändert hat …

Auf der Suche nach einem heiteren, optimistischen Film und einer vergnüglichen Abendunterhaltung bin ich das Angebot zweier Streamingdienste durchgegangen – ein Trauerspiel. Entweder sind es alte Komödien, die man bereits kennt, schwache Filme, die man sich nicht unbedingt ansehen muss, oder furchtbare Streifen, deren Trailer schon so abstoßend sind, dass man lieber eine Wurzelbehandlung ertragen möchte, als sich den Film anzusehen. Tammy zum Beispiel gehört in diese Kategorie, dabei habe ich außer dem Teaser-Trailer damals nichts vom fertigen Produkt gesehen. Muss ich auch nicht. Statt dessen bin ich schließlich hierauf gestoßen:

Saint Ralph – Ich will laufen

Ralph Walker (Adam Butcher) macht gerade eine schwierige Zeit durch: Seine Mutter (Shauna MacDonald) ist schwer krank und liegt seit langem im Hospital. In seiner streng katholischen Privatschule glaubt man, dass seine Großeltern sich um ihn kümmern, doch Ralph schlägt sich alleine durch und verhökert dafür den mütterlichen Besitz. Als seine Mutter ins Koma fällt, behauptet Schwester Alice (Jennifer Tilly), dass nur ein Wunder sie retten könne. Gleichzeitig sagt Ralphs Sportlehrer Pater George Hibbert (Campbell Scott), dass es ein Wunder wäre, sollte der Junge den Boston Marathon gewinnen. Für Ralph klingt das so: Gewinnt er den Marathon, wird seine Mutter wieder gesund …

Die Grundidee der Geschichte ist vielleicht ein wenig weit hergeholt, passt aber zum streng religiösen kanadischen Kleinstadtmilieu der Fünfzigerjahre und ergibt insgesamt eine solide Voraussetzung für ein Cheerie-Movie: Ein krasser Außenseiter, der wenig Erfahrung hat, will innerhalb kürzester Zeit ein Ziel erreichen, das eigentlich unmöglich ist. Leider ist die Umsetzung – Buch und Regie: Michael McGowan – etwas halbherzig geraten. Die Leidenschaft fürs Laufen will sich lange Zeit nicht wirklich einstellen, das Ganze wirkt etwas arg konstruiert, und der Humor kommt auch etwas zu kurz.

Der jugendliche Held und die gut aufgelegten Nebendarsteller agieren jedoch hervorragend, und in der letzten halben Stunde nimmt die Geschichte dann auch endlich Tempo auf und kommt ans Laufen. Ganz klassisch und sogar ein wenig berührend.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...