The Equalizer

Es gibt Schauspieler, die einem sympathisch sind, so dass man sich ihre Filme auch dann anschaut, wenn diese eigentlich nichts sein sollen. Denzel Washington gehört in diese Kategorie, und zum Glück dreht er auch häufig Filme, deren Geschichten einen interessieren. Vergangenes Jahr wurde der Mann bereits sechzig und kommt mithin in ein Alter, in dem es immer schwieriger wird, Actionrollen zu übernehmen. Andererseits dreht Liam Neeson in diesem Alter gerade erst so richtig auf, und auch Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger beweisen, dass Actionabenteuer und ein Rentenausweis sich manchmal aufs Trefflichste ergänzen. Dieses und nächstes Jahr scheint es jedoch ruhig um Denzel Washington zu sein, aber 2017 will er es dann wieder wissen, unter anderem mit dem Sequel zu folgendem Film:

The Equalizer

Ex-Agent Robert McCall (Denzel Washington) arbeitet in einem Baumarkt und führt ein unaufgeregtes, ja, langweiliges Leben. Weil er an Schlaflosigkeit leidet, verbringt er viele Nächte lesend in einem Diner, wo er die russische Prostituierte Alina (Chloë Grace Moretz) kennenlernt, die von ihrem Zuhälter brutal misshandelt wird. McCalls Versuch, sie freizukaufen, scheitert an der Arroganz und Gier der Russen, die ihn angreifen und dafür mit dem Leben bezahlen. Damit legt er sich gleich mit der ganzen Mafia an …

Robert McCall war der Held einer TV-Serie in den Achtzigern, der als reisender Engel Menschen in Not half, ein beliebtes Sujet in der seriellen Unterhaltung jener Zeit. Inzwischen wirkt der Plot jedoch ein bisschen in die Jahre gekommen, zumal es in den vergangenen Jahren im Kino häufiger ehemalige Agenten gab, die gegen ihren Willen noch einmal in ein mörderisches Abenteuer verstrickt werden.

Die Geschichte funktioniert dennoch wunderbar, die Actionszenen sind solide inszeniert, und die paar Zufälle, die die Handlung vorantreiben, fallen nicht weiter ins Gewicht. Der Anfang ist ein wenig zu langsam geraten und wird unnötig in die Länge gezogen, aber wenn die Story einmal an Fahrt aufgenommen hat, läuft sie wie ein Uhrwerk. Und das ist das eigentliche Problem: Alles läuft ein bisschen zu glatt für den Helden; man könnte meinen, er beseitigt im Alleingang nicht nur die Russen-Mafia, sondern im Anschluss daran noch den IS und hat danach noch genügend Kraft für eine Runde Golf.

Solides, aber austauschbares und letztlich schnell wieder vergessenes Action-Spektakel.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...