Rettung vor der Kaufsucht

Ein Vorteil, eine Filmhochschule zu besuchen, besteht darin, dass man hin und wieder interessante und einflussreiche Leute aus der Branche kennenlernt. So erinnere ich mich noch gerne an die Begegnung mit Istvan Szabo zurück, den ich anlässlich eines gemeinsamen Projekts (das letztendlich nicht zustande gekommen ist) in Wien aufgesucht habe. Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag in einem Kaffeehaus und plauderten über Gott und die Welt. Ein anderes Treffen fand in größerem Rahmen statt: Werner Herzog erzählte uns nette Anekdoten über seine Dreharbeiten im Allgemeinen und seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski im Besonderen. Wobei das manchmal eher ein Gegen- als ein Miteinander war.

An diesen Nachmittag musste ich denken, als ich die heutige Kritik ausgewählt habe:

Rescue Dawn

Der deutschstämmige Marineflieger Dieter Dengler (Christian Bale) stürzt während des Vietnamkrieges über feindlichem Gebiet ab und gerät in Gefangenschaft. Zusammen mit anderen Gefangenen versucht er zu fliehen.

Werner Herzogs Filme sind für meinen Geschmack immer eine Spur zu spröde und langatmig. Doch mit Rescue Dawn hat er es geschafft, einen unterhaltsamen, wenn auch nicht sonderlich originellen Mainstreamfilm zu drehen, der zwar einige Längen aufweist, aber stellenweise recht spannend inszeniert ist. Die beste schauspielerische Leistung liefert eindeutig Steve Zahn in der Rolle des Duane ab, mit der er beweist, dass er mehr kann als nur albern zu sein.

Note: 3-

Über den nächsten Film kann ich nichts Persönliches berichten. Schade, dass P. J. Hogan kaum noch Filme macht oder eher machen darf. Dabei hatte ich nach Muriels Hochzeit große Hoffnungen, dass sich hier ein wunderbarer Komödienregisseur etabliert. Und Unconditional Love ist ein kleiner Geheimtipp, ein eigentlich schlechter Film, der aber so absurd ist, dass er riesigen Spaß macht. Julie Andrews‘ Gastauftritt ist absolut großartig und witzig, und die Parodie auf Wenn die Gondeln Trauer tragen geradezu unvergesslich. Falls diese Musical-Thriller-Komödie unter dem deutschen Titel Wer tötete Victor Fox? mal irgendwo im Programm auftauchen sollte: Anschauen!

Shopaholic – die Schnäppchenjägerin

Rebecca (Isla Fisher) ist kaufsüchtig, ständig pleite und auf der Flucht vor dem Chef eines Inkassobüros. Als sie ihren Job verliert, bewirbt sie sich mit einem geschönten Lebenslauf bei einem Wirtschaftsmagazin, wo sie mit ihren originellen Ideen gehörig für Wirbel sorgt. Und dann gibt es da noch ihren gut aussehenden, sympathischen Boss (Hugh Dancy)…

P.J. Hogan hat mal richtig gute Filme gemacht, steckt aber seit Jahren im Karrieretief, aus dem ihn auch diese brave RomCom nicht befreien konnte. Die Story ist arg dünn und unglaubwürdig, behandelt zwar ein ernstes Suchtproblem, kratzt aber kaum an der zuckersüßen Glasur. Ein paar Ideen immerhin sind recht gut gelungen (etwa die animierten und animierenden Schaufensterpuppen), und das erfrischende Spiel Isla Fishers sorgt für angenehme Unterhaltung, so dass man insgesamt auf seine Kosten kommt.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...