Ant-Man

Manche Buddhisten haben es ja schon immer gewusst: Was man denkt, kann Wirklichkeit werden. Wer ständig negativ denkt, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm Negatives widerfährt. Was jetzt nicht heißen soll, dass man einen Lottogewinn herbeiführen kann, indem man fest daran glaubt, dass die eigenen Zahlen gezogen werden. So einfach ist es dann doch nicht. Obwohl – Wissenschaftler wollen ja herausgefunden haben, dass schon die Vorstellung eines Sixpacks dazu führt, dass die Bauchmuskeln wachsen, und alle, die immer noch eine Wampe haben, sind selbst schuld, weil sie vermutlich an ein Sixpack Bier gedacht und dieses auch getrunken haben.

Vor ein paar Jahren wurde diese esoterische Theorie unter dem Titel „Wünsche ans Universum richten“ verkauft. Nur hat das Universum meist seine eigenen Pläne und pfeift auf unsere Wünsche. Außerdem heißt es auch: Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst, denn es könnte in Erfüllung gehen. Wer sich zum Beispiel vorstellt, die nächsten Tage mal auszuruhen und im Bett zu bleiben, bekommt dann vielleicht eine Grippe …

Ebenso wie Wünsche können auch Filme unser Bewusstsein und die Wirklichkeit formen und beeinflussen. So gibt es die Theorie, dass Barack Obama auch deshalb gewählt wurde, weil Hollywood uns seit vielen Jahren afroamerikanische Präsidenten präsentiert hat, und ein Schwarzer im Oval Office uns bereits vertraut war, bevor der Senator aus Illinois überhaupt an eine Kandidatur gedacht hat.

Deshalb warte ich seit ungefähr einem Jahr darauf, dass maskierte Superhelden unsere Straßen bevölkern, und suche den Himmel nach Superman ab. In London wurde der erste ja bereits gesichtet. Ein Mann, der sich The Shadow als Vorbild genommen hat, mischt seit Monaten die Unterwelt auf, bringt Schurken zur Strecke und beschützt deren Opfer. Blöd ist nur, dass die Presse ihn „Bromley Batman“ getauft hat, was er offenbar nicht leiden kann. Vermutlich weil er kein Milliardär ist.

Vielleicht haben wir ja auch bald ein Phantom von Paderborn oder der Spiderman von Spandau sorgt für Ordnung in Berlin. Solange dies nicht geschieht, müssen wir eben weiter Marvel-Filme schauen und unsere Gedanken fokussieren …

Ant-Man

Scott Lang (Paul Rudd) kommt aus dem Gefängnis frei und will ein ehrliches Leben führen, aber niemand stellt einen vorbestraften Dieb ein. Notgedrungen macht er mit seinen alten Kumpel Luis (Michael Pena) gemeinsame Sache und bricht in das Haus von Dr. Pym (Michael Douglas) ein. Der entpuppt sich als genialer Erfinder, der einen Anzug entwickelt hat, der seinen Träger auf Ameisengröße schrumpfen lässt und ihm übermenschliche Kraft verleiht. Scott testet unwissentlich den Anzug und erlebt einen Schock, noch größer ist seine Überraschung, als er erfährt, dass Pym all dies geplant hat. Denn Pyms Nachfolger Cross (Corey Stoll) hat die Arbeit seines ehemaligen Mentors kopiert und plant nun, den Anzug an Hydra zu verkaufen. Der Doktor will dies verhindern, aber dafür braucht er einen Dieb …

Marvel ist allgegenwärtig, mit Filmen und seit gut einem Jahr auch mit Serien. Diese Tage startet mit Jessica Jones eine neue Heldin bei Netflix durch, und auch Ant-Man wird in Serie gehen, zumindest im Kino. Entsprechend wurden hier schon mal die Weichen gestellt, um ihn im neuen Captain America unterzubringen.

So ist dieser Film gewissermaßen die überlange Einführung eines neuen Superhelden im Marvel-Universum, ein Testlauf, um seine Qualitäten zu testen. Und Paul Rudd alias Ant-Man macht seine Sache richtig gut. Sicher, es gibt die üblichen Klischees und Stereotype, den genialen Erfinder, der natürlich ein problematisches Verhältnis zu seiner Tochter (Evangeline Lilly) hat, noch dazu eine verschwundene Ehefrau, die ebenfalls zu den Superheldinnen gerechnet werden kann – schließlich soll Evangeline Lilly als runderneute Wasp in der geplanten Fortsetzung von Ant-Man reüssieren. Selbstredend hat auch Scott seine Probleme in Form einer Ex-Frau mit neuem Mann (ein Cop, was sonst?) und einer Tochter, die er zu selten sehen darf.

Das alles ist wenig originell, ebenso wenig wie der Bösewicht, der nur an seinen Profit denkt und aus der Erfindung seines Mentors eine Waffe macht. Es geht, wie immer in Comics, um Gut gegen Böse, ganz klassisch. Entscheidend ist jedoch, dass dies alles mit viel Sinn für Ironie und Witz erzählt wird. Da geht es um große Helden, die auf Ameisengröße schrumpfen, um epische Schlachten zwischen den beiden Kontrahenten, die dann in der Miniaturlandschaft einer Spielzeugeisenbahn stattfinden. Die große Welt im Kleinen. Avengers für die Hosentasche – aber ein großer Spaß.

Note: 3+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...