Eine verhängnisvolle Affäre

Gleich zu Beginn von Ant-Man, um den es gestern hier an dieser Stelle ging, gibt es eine Szene, die 1989 spielt. Michael Douglas taucht darin auf, mittels CGI-Effekte Jahrzehnte jünger als er ist. Seit die Computertricks immer besser werden, kommen solche „Verjüngungskuren“ immer wieder in Filmen vor. Bei den X-Men wurden schon Magneto und Xavier faltenfreie Gesichter verpasst, und das Ergebnis ist häufig erstaunlich. Natürlich erkennt man den Unterschied, vor allem wenn es sich um Darsteller handelt, die man schon vor Jahrzehnten im Kino gesehen hat. Wie zum Beispiel Michael Douglas in:

Eine verhängnisvolle Affäre

Als Dan (Michael Douglas) ein Wochenende lang Strohwitwer ist, beginnt er eine Affäre mit der faszinierenden Alex (Glenn Close). Für ihn ist nach diesen zwei Tagen alles vorbei, doch Alex hat sich in ihn verliebt und stellt ihm unentwegt nach. Bald gefährdet sie nicht nur Dans Ehe, sondern auch sein Leben…

Als der Film 1987 in die Kinos kam und zu einem großen Erfolg reüssierte, gab es den Begriff des Stalkers noch nicht. Aber genau das ist Alex, eine liebeskranker Stalkerin, die in ihrem Wahn, einzig und allein mit Dan glücklich werden zu können, nichts unversucht lässt, um ihn an sich zu binden. Das brutale und erschreckende Ende des Films wird wohl jedem, der es gesehen hat, im Gedächtnis bleiben.

Für heutige Zuschauer beginnt die Geschichte extrem langsam, und es gibt auch etliche Szenen, die man getrost weglassen oder zumindest stark verkürzen könnte. Doch trotz der geänderten Sehgewohnheiten, besitzt der Film etwas Zeitloses, das auch über die arg moralische Botschaft hinausgeht. Er spielt mit Urängsten und unserem Misstrauen gegenüber unseren Mitmenschen, die wir häufig nur zu kennen glauben, bis sie uns ihre Abgründe offenbaren.

Michael Douglas spielt hier einen etwas hilflosen Helden, der in seiner Männlichkeit bedroht wird, während uns Glenn Close einmal mehr ihre diabolische Seite zeigt. Sieben Jahre später drehte Douglas den Film Enthüllung, in dem er von Demi Moore fälschlicherweise der sexuellen Belästigung beschuldigt wird, und auch hier geht es um den verunsicherten Mann, der seine traditionelle Rolle durch die Emanzipation der Frau gefährdet sieht. Weibliche Sexualität, vor allem selbstbestimmte, frei ausgelebte, entpuppt sich als Bedrohung der tradierten Gesellschaftsordnung und der Familie. Hollywood war und ist eben reichlich konservativ, der Film selbst jedoch nach wie vor spannend.

Note: 3+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...