Mockingjay 2

Alles geht irgendwann zu Ende. Der letzte Harry Potter-Film liegt schon eine ganze Weile zurück, die Hobbits haben ihre finale Schlacht geschlagen, und auch der Spottölpel kommt endlich zur Ruhe. Ein Franchise, das im Jahrestakt einen neuen Teil in die Kinos bringt, wird schnell zu einer Institution. In diesem Jahr wird Star Wars vermutlich eine neue begründen und uns über eine lange Zeit begleiten.

Das ist einerseits schön, andererseits gibt es mittlerweile so viele Kino-Serien, dass man allmählich den Überblick verliert. Besonders das Marvel-Universum, das nahezu im Monatstakt einen neuen Helden oder eine neue Heldin an den Start schickt, wird immer unübersichtlicher. Und es werden immer mehr Event-Filme produziert, immer neue Franchises gestartet. Da stellt sich unweigerlich die Frage, wann es zu einer Übersättigung des Marktes kommt. Wann das neue Abenteuer von Captain America oder Spiderman die Leute einfach nicht mehr in dem Maße interessiert wie vor zehn Jahren. Und DC steht quasi immer noch in den Startlöcher und brennt darauf, mit ihren Produkten zum ewigen Konkurrenten aufzuschließen.

Bei all den Mega-Produktionen bleiben die kleineren Filme schnell auf der Strecke. Romantische Komödien werden immer seltener, Dramen wie es sie früher häufig zu sehen gab laufen nur noch in der Oscar-Saison oder kurz danach. Es gibt sie noch, diese feinen, kleinen Alternativen zum Spektakel, und es gibt auch nicht gerade wenige Filme, aber es wird schwieriger – für das Publikum immer schwieriger, sie zu entdecken, und für die Produzenten, unter all den Spektakeln wahrgenommen zu werden. Wenn zwei Blockbuster wochenlang einen Gutteil der Kinosäle für sich beanspruchen und gleichzeitig alle acht Tage drei, vier neue Filme starten, kann sich eine kleine Produktion nicht mehr durchsetzen. Da hilft auch die beste Mundpropaganda nicht.

Aber zurück zum Ende eines Franchises …

Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 2

Den Rebellen gelingt es, den im Kapitol gefangen gehaltenen Peeta (Josh Hutcherson) zu befreien, doch Präsident Snow (Donald Sutherland) hat ihn mittels Gehirnwäsche gegen Katniss (Jennifer Lawrence) aufgebracht, so dass er ihr nach dem Leben trachtet. Gale (Liam Hemsworth), sein Rivale um die Gunst des Spotttölpels, macht derweil Karriere in der Armee und denkt sich beinahe ebenso perfide Kampftechniken aus wie die Spielmacher der Gegenseite. Beim Sturm auf das Kapitol will Katniss unbedingt dabei sein, doch ihre Rolle ist wie immer nur die eines besseren Maskottchens. Die junge Frau will sich aber nicht länger einspannen lassen, auch nicht von Präsidentin Coin (Julianne Moore).

Auch der längste Kampf kommt irgendwann zu einem Ende. Das dritte und mit Abstand schwächste Buch der Romantrilogie von Suzanne Collins bringt die Hungerspiele in die Straßen der Hauptstadt. Wieder gibt es tödliche Fallen und unerbittliche Gegner, werden Katniss und Peeta, die Gallionsfiguren und Aushängeschilder der Rebellion, in erster Linie als Markenbotschafter des Widerstands benötigt und weniger als Kämpfer. Politik, so lernt die Jugend hier, ist ein gemeines und schmutziges Geschäft.

Gemessen an der Vorlage, ist der Film präziser in der Aussage, konzentrierter auf das Wesentliche, und er zeichnet auch ein sympathischeres Bild der Heldin. Katniss wirkt nicht nur aktiver, ihre emotionale Zerrissenheit wird überdies auch genauer herausgearbeitet. Leider gibt es in der Mitte einige Längen, was wohl der Zweiteilung der Geschichte geschuldet ist, und auch das Ende widerspricht der gängigen Dramaturgie, da der erwartete finale Kampf völlig ausbleibt. Aber dieser Fehler geht ebenfalls auf das Konto des Romans.

Was ist Wahrheit, was Lüge? Diese Frage beherrscht den vierten Teil, und sie ist nicht immer leicht zu beantworten. So wie Peetas Erinnerungen manipuliert und ins Gegenteil verkehrt werden, wird auch die Wahrheit über die Verbrechen des Krieges verschleiert. Selbst jene, die sich für die gerechte Sache einsetzen, erliegen den Verlockungen der Macht, und das Individuum kann dieses Spiel der Täuschungen entweder mitmachen oder sich zurückziehen ins Private. Falls das für jemanden wie Katniss überhaupt möglich ist. So wird die Berühmtheit zu Falle und zu einem schweren Erbe. Hollywoodstars können ein Lied davon singen.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...