Trumbo

Als Drehbuchautor, der sich zwar nicht in Hollywood, aber dafür in den kafkaesken Labyrinthen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender und den hysterischen Niederungen des deutschen Kinos herumschlägt, ist dieser Film ein Must-See. Leider habe ich immer noch nicht seinen meisterlichen Anti-Kriegs-Roman Johnny zieht in den Krieg gelesen, aber dafür gehört Ein Herz und eine Krone, dessen Drehbuch ebenfalls aus seiner Feder stammt, zu meinen Lieblingsfilmen aus den Fünfzigern.

Trumbo

Ende der Vierziger ist Dalton Trumbo (Bryan Cranston) der bestbezahlteste Drehbuchautor in Hollywood – und Mitglied der kommunistischen Partei. Dann beginnt der Kalte Krieg, und plötzlich geraten Linke wie er unter Verdacht. Als er sich weigert, vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe auszusagen, wird er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und danach mit einem Berufsverbot belegt. Doch Trumbo ist erfinderisch und schreibt heimlich weiter, neben Billigproduktionen für Frank King (John Goodman) auch oscarprämierte Meisterwerke wie Ein Herz und eine Krone unter mehreren Pseudonymen.

Die Kommunistenhatz in Hollywood und allgemein in den USA gehört inzwischen schon fast zu den Mythen des Zwanzigsten Jahrhunderts. Unschuldige Männer und Frauen, deren einziges Verbrechen eine unpopuläre politische Meinung war, wurden hartnäckig erfolgt und bestraft – gegen die Verfassung und Recht und Gesetz. Zu Unrecht verfolgte Helden sind immer besonders sympathisch, und wenn sie dazu noch so ausgefuchst sind wie Dalton Trumbo und das System mit Eloquenz und Raffinesse auszuspielen wissen, umso besser.

Leider ist die erste Hälfte der Geschichte nicht ganz so flott und humorvoll erzählt wie die wesentlich amüsantere zweite. Bryan Cranston beweist jedoch einmal mehr, was für ein herausragender Schauspieler er ist, er verkörpert einen Trumbo, der verbissen und aufrichtig zugleich ist, gütig, aber auch so ehrgeizig, dass er um ein Haar seine Familie opfert – ein schillernder Charakter in einer schwierigen Zeit.

Die meisten anderen Schauspieler bleiben dagegen eher blass. Diane Lane als duldsame Ehefrau hat allerdings auch einen schweren Stand und dient mehr als Stichwortgeberin, immerhin darf Helen Mirren in ihren wenigen Szenen als Klatschreporterin Hedda Hopper starke Akzente setzen und alberne Hüte tragen. John Goodman poltert wunderbar und hat einen glänzenden Auftritt, in dem seine Figur schonungslose, geradezu brutale Ehrlichkeit an den Tag legt, und Christian Berkel überrascht als Otto Preminger mit charmanter Abgründigkeit und einem Wortschatz, der nur unwesentlich über den eines Groot hinausgeht.

Note: 3+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...