The Salvation

Ich bin erst spät zum Western-Fan geworden. Als Kind habe ich zwar viele davon gesehen und mich zu Karneval auch ein- oder zweimal als Cowboy verkleidet, und natürlich habe ich auch die Winnetou-Filme geliebt, aber die große Begeisterung für das Genre blieb aus. Diese kam erst Anfang der Neunziger mit Der mit dem Wolf tanzt, weil dieser Film ein differenzierteres und realistischeres Bild des Wilden Westens zeichnete und mit einigen Klischees aufräumte. Das haben zwar auch andere Filme davor getan, aber nie mit demselben Erfolg.

Inzwischen mag ich auch den klassischen Western, in dem die Rollen der Guten und der Bösen klar verteilt sind. Wie zum Beispiel:

The Salvation

Sieben Jahren lang haben sich Jon (Mads Mikkelsen) und sein Bruder Peter (Mikael Persbrandt) im amerikanischen Westen durchgeschlagen und eine kleine Farm aufgebaut. Jetzt kann Jon endlich Frau und Sohn nachholen. Doch schon auf der Fahrt nach Hause schlägt das Schicksal zu: Zwei mitreisende Kriminelle werfen Jon aus der Kutsche und töten seine Familie. Zwar gelingt es ihm, sich dafür zu rächen, damit zieht er aber die Rache des lokalen Tyrannen Henry Delarue (Jeffrey Dean Morgan) auf sich …

Man könnte meinen, die Dänen werden übermütig. Kaum haben sie der Welt bewiesen, dass sie gute Filme drehen können, die auch international für Aufsehen sorgen, fordern sie Hollywood auf ureigenem Territorium heraus: mit einem Western. Regisseur Kristian Levring zeigt dabei, dass er die Bildsprache perfekt beherrscht. Die Landschaftsaufnahmen (aus Südafrika) sind großartig, die Helden aufrichtig, die Schurken herrlich böse. Alles in allem ein sehr klassischer Western wie er heutzutage kaum noch produziert wird, mit einer einfachen Geschichte über den ewigen Kampf Gut gegen Böse. Der Film kommt dabei mit wenigen Dialogen aus und funktioniert hervorragend über seine Bildsprache.

Mads Mikkelsen macht seine Rolle gut, sein Ex-Soldat, der sein Schwert zur Pflugschar umgewandelt hat, ist wie ein stoischer Held aus einer antiken Tragödie, der gegen seine innere Überzeugung zur Waffe greifen muss, weil es sonst niemanden gibt, der das an ihm begangene Unrecht sühnt. Sein Rachefeldzug ist kaltblütig und wohlkalkuliert und ohne große Überraschungen.

Auch Jeffrey Dean Morgan ist ein solider Bösewicht und wie sein Gegenspieler ein Mann weniger Emotionen. Das Drehbuch will, dass er ein irrationales Element ins Spiel bringt, eine Unberechenbarkeit, die ihn gefährlich macht, dabei aber durchaus planvoll eingesetzt wird. Seine Hintermänner, die eine wichtige Rolle spielen, tauchen jedoch nur kurz auf, ihre finsteren Absichten prägen jedoch die gesamte Geschichte, die zum Ende hin sogar einen Anflug von Kapitalismuskritik erhält.

Eva Green spielt auch mit, wie immer gut und wie immer ein bisschen undurchsichtig, woran die Drehbuchautoren nicht ganz unschuldig sind. Leider bleibt ihre Figur ein wenig auf der Strecke, auch wenn man sie am ehesten in Erinnerung behält.

Der Film ist mit etwas über achtzig Minuten sehr kurz, und man hat das Gefühl, als wäre das eine oder andere dem Schnitt zum Opfer gefallen. Gegen Ende hin erscheint es sogar so, als würde ein größeres Stück der Handlung fehlen, wenn der Schauplatz sich zum Showdown wieder in die Stadt verlagert und von dieser plötzlich nur noch menschenleere, qualmende Ruinen stehen. Des Rätsels Lösung: Kurz vor Ende der Dreharbeiten hat ein Feuer die Kulissen zerstört, was offensichtlich nicht in die Handlung integriert, sondern einfach ignoriert wurde. Kein Grund also, sich davon irritieren zu lassen …

Alles in allem ein solider Rache-Western.

Note: 3

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.