Am grünen Rand der Welt

Voraussichtlich noch in dieser Woche und der letzten schwülen Hitze zum Trotz werden die ersten Lebkuchen in den Geschäften ausliegen.

Auch die erste Herbstdekoration in Form von bunten Blättern und grinsenden Kürbissen habe ich bereits entdeckt, und früher dunkel wird es mittlerweile auch schon. Man muss es positiv sehen: Noch kann man im Garten oder auf dem Balkon sitzen und den lauen Abend genießen, und wenn es dann zu kühl wird, kann man auf die Couch umsiedeln und sich einen Film ansehen.

Auf Sky läuft gerade Am grünen Rand der Welt, den ich im Kino leider verpasst habe. Da ich eine Schwäche für Historiendramen habe und mich mit traumschönen Bildern gerne in eine andere Welt entführen lasse, die perfekte Wahl für eine Spätsommernacht.

Am grünen Rand der Welt

In den 1870er Jahren lebt Bathsheba Everdene (Carrey Mulligan) ein einsames, aber unabhängiges Leben auf dem Land. Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts), ein gut situierter Schäfer macht ihr den Hof, aber sie empfindet bestenfalls Zuneigung für ihn und möchte ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben, weshalb sie seinen Antrag ablehnt. Kurz darauf erbt sie einen großen Hof, während er seine Herde verliert und bei ihr als Schäfer unterkommt. Eine Verbindung ist nun wegen des Standesunterschieds ausgeschlossen. Doch es gibt noch einen vom Leben enttäuschten, älteren Nachbarn (Michael Sheen), der um die schöne Bathsheba wirbt, die sich allerdings lieber von dem schneidigen Sergeant Troy (Tom Sturridge) den Kopf verdrehen lässt und ihn sogar heiratet. Doch Troy taugt nichts als Ehemann und stürzt sie in Schulden. Als er auch noch entdeckt, dass seine ehemalige große Liebe Fanny (Juno Temple) von ihm schwanger ist, kommt es schließlich zur Katastrophe …

Thomas Hardy, auf dessen Roman der Film basiert, ist bekannt für seine schonungslos realistische und unsentimentale Schilderung des Landlebens. Thomas Vinterbergs Inszenierung schwelgt dagegen in satten Farben und Bildern einer traumhaften Landschaft, untermalt von romantischer Musik, dass das Herz jedes Pilcherfans aufseufzen dürfte. Was insofern überraschend ist, da der Regisseur mit seinen bisherigen Arbeiten wenig Hang zu Sentimentalitäten an den Tag gelegt hat. Zum Glück ist wenigstens das Drehbuch von David Nicholls weitgehend gegen Gefühlsduselei gefeit.

Carrey Mulligan spielt wie immer hervorragend und etabliert schon in den ersten Szenen Bathsheba als eine wilde, unabhängige Frau, die mit beiden Beinen auf der Erde steht und sich nicht zu schade ist, wie ein Mann zu malochen. Sie ist energisch und lässt sich nicht unterkriegen, kommt aber auch nicht gegen die Beschränkungen einer patriarchalischen Gesellschaft an, in der eine Frau praktisch das Eigentum ihres Ehemannes wird und ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Erst gegen Ende hin bekommt die Story einen leicht melodramatischen Einschlag, zum Glück ohne in Kitsch abzugleiten. Und am Ende wird natürlich alles gut. Aber zu viel Realismus ist ja auch nicht wünschenswert.

Note: 2

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...