Goodbye Vegas, Hello L.A.

Time to say Goodbye. Am Sonntagmorgen fuhr uns ein Freund zu unserem Mietwagen-Verleih. In Las Vegas haben sich sämtliche Anbieter zusammengeschlossen und sitzen in einem Gebäude, was die Suche nach der richtigen Firma enorm erleichtert. Natürlich standen auch hier etliche Spielautomaten, um sich die Wartezeit zu vertreiben, und einige Unermüdliche wagten tatsächlich ein paar letzte Einsätze.

Glücklicherweise mussten wir nicht lange auf unseren Wagen warten, und nachdem wir unser Gepäck eingeladen hatten, waren wir endlich on the road. Wenn man sonntags zu lange wartet, ist der Rückreiseverkehr nach L.A. die Hölle auf Rädern, aber wir waren noch früh genug dran, um gut durchzukommen. Unterwegs machten wir einen kleinen Zwischenstopp in Primm Valley, um auf unsere verspäteten Freunde zu warten – und einen kleinen Blick in die Outlet Mall zu werfen. Es scheint, als gehörte die Glanzzeit dieser Einkaufsmeile bereits der Vergangenheit an, denn es standen eine Menge Läden leer, und andere waren kurz vor der Schließung.

Der perfekte Stopp zwischen Las Vegas und L.A. ist natürlich Peggy Sue’s 50’s Diner, in dem wir seit Jahren wiederkehrende Gäste sind. Die Milkshakes sind hervorragend, und auch die Burger, die wie vor sechzig Jahren serviert werden, schmecken ausgesprochen gut. Das gesamte Restaurant, dessen Kern ein Original-Diner aus dem Jahr 1954 ist, atmet den Geist der Vergangenheit, und man findet dort auch jede Menge Memorabilien aus Hollywood ausgestellt. Die Preise sind moderat, die Kellnerinnen in ihren türkis-rosa Kittelschürzen nett, nur die Küche war diesmal ausgesprochen langsam.

Am Nachmittag kamen wir dann in Los Angeles an. Für hiesige Verhältnisse war es nicht nur sehr heiß, sondern auch schwül, aber in den nächsten Tagen soll es wieder kühler werden. Unternommen haben wir nichts mehr, sondern nur mit unseren Freunden geplaudert und uns eingerichtet. Daher folgt noch mit einigen Tagen Verspätung meine Kritik zu …

Hell or High Water

Tanner (Ben Foster) und sein Bruder Toby (Chris Pine) überfallen Banken einer texanischen Kette. Ihre Beute ist nicht hoch, aber sie brauchen auch nicht so viel Geld, denn ihr Ziel ist es, ihre elterliche Ranch vor der Zwangsvollstreckung durch jene Bank zu bewahren, die sie ausrauben. Denn auf ihrem Grund wurde Öl gefunden, das sie reich machen könnte, sofern sie es schaffen, ihren Besitz zu halten. Die beiden Polizisten Marcus (Jeff Bridges) und Alberto (Gil Birmingham) sind ihnen jedoch dicht auf den Fersen …

Wer schon mal durch Texas gefahren ist, hat sie mit eigenen Augen gesehen: sterbende Kleinstädte, in denen die Industrieanlagen vor sich hin rosten, verfallende Häuser, Ruinen und leere Grundstücke. Es ist ein trostloser Anblick, und man fragt sich, wie und vor allem wovon die Menschen dort leben. Insofern ist der Film von David Mackenzie ein Stück Gesellschaftskritik, das sich vor allem an die Banken richtet, die ihrem Profitstreben alles opfern, allen voran die Menschlichkeit. Kein Wunder, dass viele Zukurzgekommene zynisch und verbittert sind.

Tanner ist einer davon. Er hat in seinem Leben nichts erreicht, ist auf die schiefe Bahn geraten und saß eine Weile wegen Bankraubs im Gefängnis. Es gibt eine treffende Szene, in der er an einem Spieltisch einen indianischen Ureinwohner trifft, der sich als Komantsche zu erkennen gibt und dies als „Feind aller“ übersetzt. Auch Tanner empfindet sich so, als Feind aller, die gegen ihn sind, die ihm seine Freiheit, sein Land nehmen wollen.

Alberto, Marcus‘ Partner, ist indianischer Abstammung und sieht den Niedergang als etwas Karmisches, denn es waren die Vorfahren jener, die jetzt alles zu verlieren drohen, die seinen Vorfahren alles geraubt hat. Nur ist der Feind diesmal eine unsichtbare Macht, die Globalisierung, das internationale Großkapital, niemand, dem man mit einer Waffe in der Hand gegenübertreten könnte. Dabei haben die beiden Gesetzeshüter keinerlei Sympathien mit den Räubern, sie erledigen nur ihren Job. Marcus steht kurz vor dem Ruhestand, was ihn mit Sorge erfüllt, denn er weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll, wenn er aufhört, Verbrecher zu jagen. Einmal Polizist, immer Polizist.

Die Geschichte ist einem langsamen Tempo erzählt und hat in der ersten Hälfte auch die eine oder andere Länge. Der texanische Akzent ist manchmal schwierig zu verstehen, und Jeff Bridges‘ ewiges Nuscheln macht es nicht gerade einfacher. Dennoch entwickelt der Film einen starken Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Hin und wieder überrascht er sogar mit Humor – so ist die beste Szene jene, in der die beiden Polizisten in einem Restaurant ihr Essen bestellen wollen und sich an einer hinreißend lakonischen Kellnerin die Zähne ausbeißen.

Auch sonst tauchen eine Menge skurriler Gestalten auf, von denen die meisten ausgesprochen schießwütig sind. Auch das kann man kritisch sehen: Ein Land, das immer mehr vor die Hunde geht, dessen Bewohner aber wie eine Armee hochgerüstet sind, ist nichts anderes als ein Pulverfass, das jeden Moment explodieren kann.

Insgesamt ein starker, nachdenklich machender und exzellent gespielter Film, der einem noch eine ganze Weile nachhängt.

Note: 2-