Ein Tag am Meer

Der gestrige Tag verlief vollkommen ereignislos: keine Erdbeben, keine aufregenden Ausflüge, nicht einmal ein kleiner Polizeieinsatz. Am späten Vormittag fuhren wir nach Redondo Beach, das sind von hier aus keine zwanzig Minuten, und machten uns dann zu Fuß auf den Weg zur Cheesecake Factory. Es war sehr heiß und immer noch schwül – die Hurricane-Ausläufer  bestimmen nach wie vor das Wetter in La-La-Land.

Am Strand war nicht viel los, die Ferien sind schließlich vorbei, aber den einen oder anderen Schulschwänzer findet man eigentlich immer beim Surfen. Wie im vergangenen Jahr wird immer noch viel gebaut, selbst direkt am Strand wurden alte Häuser abgerissen und neue an ihrer Stelle errichtet. Neu sind auch die Signallampen, die den Radfahrern an den Strandzugängen bedeuten, abzusteigen und zu schieben, woran sich aber kaum einer hält. Außer deutsche Touristen vielleicht …

Auf dem Weg zum Restaurant sind uns weitere Neuheiten aufgefallen: Ein zweispuriger Radweg verläuft nun neben der Straße und beweist einmal mehr, dass die Amerikaner es, wenn sie etwas machen, großzügig meinen. Andererseits haben sie auch mehr Platz als wir in Europa, da kann man leicht weiträumig planen. Auch in diesem Viertel wurde neu gebaut, ein Laden für Surferbedarf hat kürzlich geöffnet (wo, wenn nicht hier), und direkt neben dem Lokal entsteht ein Hotel oder Appartementkomplex mit Seeblick.

Einige unserer amerikanischen Freunde sind immer überrascht, wenn wir erzählen, dass wir an unserem ersten Tag in L.A. zur Cheesecake Factory gehen, weil sie glauben, dass diese Kette weder überragend ist noch für die typisch amerikanische Küche steht. Darüber kann man vermutlich streiten. Wir gehen deshalb gerne dorthin, weil das Restaurant an einer Marina liegt und man beim Essen auf die Boote schauen – und weil sie einen sehr leckeren Salat machen. Na ja, und die Käsekuchen sind auch ganz vorzüglich. Heuer sind sie nicht nur mit den Preisen raufgegangen, sondern haben überdies die Portionen verkleinert, was nicht so schlecht ist, denn nun schaffe ich es wenigstens, alles aufzuessen.

Über den Strand ging es nach dem Essen zurück zum Auto. Der Anblick des Pazifiks schafft es immer wieder, in mir Urlaubsgefühle zu wecken, die genau in dem Moment einen kräftigen Dämpfer bekommen, wenn ich in Teer trete. Zum Glück kann man die Flecken mit Mayonnaise gut wieder entfernen, aber wer nimmt die schon mit zum Strand? In der Nähe unseres Parkhauses hatte ein kleiner Bauernmarkt geöffnet, und obwohl wir satt waren, konnten wir bei den köstlichen Erdbeeren und Feigen nicht widerstehen. Aber ein bisschen Obst geht ja irgendwie immer und bis zum Abendessen ist es noch eine Weile hin …

Nach so viel gutem Essen und Sonnenschein waren wir reif für einen vertrödelten Nachmittag auf der Terrasse. Nicht spektakulär, aber wirklich gemütlich. Nächste Woche wird es wieder aufregender. Versprochen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Mark G. & Pi Jay in La-La-Land 2016 und verschlagwortet mit , von Pi Jay. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...