Is‘ was, Doc?

Bei der Auswahl des zweiten Beitrags unseres Neujahr-Filmmarathons dachten wir, dass er eine sichere Bank wäre. Zum einen ist es eine Komödie, zum anderen ein Klassiker, der auch immer noch im Fernsehen gezeigt wird. Das bedeutet natürlich, dass der eine oder andere ihn vielleicht schon mal gesehen hat – andererseits ist es erstaunlich, dass junge Leute fast aus Prinzip schon keine Filme anschauen, die älter sind als sie selbst.

Die Reaktionen waren unterschiedlich. Lustig fanden ihn mit ein, zwei Ausnahmen alle, gleichzeitig kam er ihnen durch die Bank wahnsinnig albern vor. Slapstick und Situationskomik scheinen also tatsächlich weitgehend aus der Mode gekommen zu sein – kein Wunder, wenn man den Fremdschäm- und Pipi-Kacka-Humor der neueren Komödie betrachtet …

Is‘ was, Doc?

Howard Bannister (Ryan O’Neal) reist mit seiner Verlobten Eunice (Madeline Kahn) zu einem Musikologen-Kongress nach San Francisco, um sich dort für ein Stipendium zu bewerben. Im Hotel trifft er Judy (Barbra Streisand), die sich sogleich in den weltfremden, aber gutaussehenden Professor verliebt. In dem Bemühen, seine Gunst zu erwerben, stellt sie sein Leben völlig auf den Kopf. Dass sie beide die gleiche Reisetasche besitzen und ihre Gepäckstücke zudem zwei anderen Exemplaren, eines mit Juwelen, das andere mit geheimen Dokumenten gefüllt, ähneln, sorgt zusätzlich für jede Menge Chaos …

Ein trotteliger Professor, eine selbstbewusste junge Frau und jede Menge Verwechselungen und Verwicklungen – nicht von ungefähr erinnert Is‘ was, Doc? an den Howard Hawks-Klassiker Leoparden küsst man nicht. Es gibt viele Anspielungen und Zitate, die Hauptfigur heißt zudem Howard, und Barbra Streisand spielt, als hätte sie Katherine Hepburn vor Augen. Peter Bogdanovich hat offenkundig ein Faible für die klassische Screwball Comedy und hat sich mit Broadway Therapy vor zwei Jahren noch einmal in diesem Genre versucht.

Die Gagdichte ist selbst für heutige Verhältnisse ungeheuer hoch, manche Slapstickeinlagen und der eher boulevardeske Humor sind jedoch nicht jedermanns Sache und wirken inzwischen leicht altbacken. Aber der Film macht immer noch eine Menge Spaß, und vor allem der Showdown, der eine einzige aberwitzige Verfolgungsjagd quer durch San Francisco ist, gehört zu den unvergesslichsten Szenen der Filmgeschichte.

Note: 2

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...