Pi Jays MüFiWo 2017 Teil 4

Der vierte und letzte Tag der Münchner Filmwoche gehörte wie immer Universal, die zunächst mit einem großartigen Show Reel aufwarteten, bevor sie den Saal mit einem Zusammenschnitt von Szenen aus Sing, unterlegt mit einer neuen, von den Universal-Mitarbeitern eingesprochenen Synchro zum Lachen brachten. Anschließend wurden die neuen Produktionen vorgestellt. Bildmaterial gab es von:

Fast & Furious 8: das Franchise ist ja ein bisschen im Superlativ gefangen, aber die Macher schaffen es tatsächlich immer wieder, die aberwitzigen Ideen vom letzten Mal noch zu toppen. Diesmal gibt es zusätzlich noch eine feindschaftliche Rivalität innerhalb der Gruppe – das wird wieder große Action-Oper.

Victoria & Abdul: bildgewaltiges Historienepos von Stephen Frears über Königin Victoria (Judi Dench) und ihren indischen Diener Abdul. Die gezeigten Ausschnitte haben mich voll und ganz überzeugt – darauf freue ich mich sehr!

Pitch Perfect 3: leider kein neues Material, aber das Wiedersehen mit den alten Bekannten machte Lust auf mehr.

Jo Nesbø: Der Schneemann: elegante Verfilmung eines Krimis des skandinavischen Bestsellerautors mit Michael Fassbender als Kommissar

American Made: Tom Cruise als gerissener Pilot, der für die CIA in den schmutzigen Drogenkriegen der Siebziger und Achtziger Waffen und Drogen schmuggelt

Hanni & Nanni: Mehr als nur Freunde: das erfolgreiche Franchise erlebt ein Reboot von den alten Produzenten mit neuen Zwillingen

Die Mumie: ein weiteres Reboot, diesmal mit Tom Cruise als Helden, der gegen eine ägyptische Prinzessin kämpft; ein kleines Making of lässt großartige Kulissen und tolle Spezialeffekte erwarten

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe: die Damen können den Filmstart kaum erwarten

Ich einfach unverbesserlich 3: nach den gezeigten superlustigen Ausschnitten zu urteilen, dürfte der dritte Teil noch viel besser werden als der zweite – und wahrscheinlich auch mehr Umsatz machen.

Damit endete die Filmwoche auch schon. Als Geschenk gab es noch ein Film-Quartett, um sich längere Zugfahrten zu vertreiben und sein Fachwissen unter Beweis zu stellen. Zum Abschiedsessen ging es wie immer ins Lenbach Palais, wo man gemeinsam noch einmal die Highlights Revue passieren lassen konnte.

Es gab auch ein Goodie Bag von allen Verleihern mit: Spielzeug von Lego Batman und Bob, der Baumeister, einer Tasse oder einem Handtuch sowie einige Postkarten von Wonder Woman, ein xXx-Tattoo, ein Türhängerschild von Mein Leben als Zucchini, eine Star Wars-Filmdose mit Vaiana-Magnet, Infomaterial und Verleihstaffeln, ein Valerian-Comic, Popocorn, Nachos mit Guacamole, Hustenbonbons sowie Studentenfutter und natürlich auch einige DVDs bzw. Blue Rays (Southpaw, Street Dance New York, Mechanic Resurrection, Captain Fantastic, Ice Age 5 und Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand)

Fazit:

Meine 16. Münchener Filmwoche war eindeutig diejenige, die am schnellsten vorüber war. Wieder gab es eine Menge Trailer und Ausschnitte zu sehen, aber insgesamt weniger als in den Vorjahren, was ein Vorteil ist, denn es ist ohnehin schwer, den Überblick zu behalten. 2016 kamen angeblich 770 Filme in die deutschen Kinos, da kann man nicht jeden davon vorstellen.

Im Zeitalter des Internets kann man sich die Trailer bequem zu Hause ansehen und wird auf sie auch meist schon kurz nach dem Release aufmerksam. Da macht es auf jeden Fall Sinn, wenn Verleiher eine Vorauswahl treffen, ihre Highlights wenn möglich mit exklusiven Ausschnitten präsentieren, vielleicht noch einige Hintergrundinformationen liefern und dann die Qualität für sich sprechen lassen. Dass die Präsentationen auf der Filmwoche in diese Richtung gehen, ist also absolut begrüßenswert.

Große Überraschungen sind in diesem Jahr leider nicht zu vermerken, aber ein paar Filme wie zum Beispiel Pirates of the Caribbean – Salazars Rache, Power Rangers und Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf sahen besser aus als erwartet (oder befürchtet). Und das ist auch erfreulich.

Welche Trends gibt es also in 2017? Wenn man die Genres betrachtet, gibt es aus Amerika gerade wenig zum Lachen – und das hat vermutlich eher keine politischen Gründe. Reinrassige Komödien waren in diesem Jahr mit der Lupe zu suchen, genau genommen wurden sogar nur zwei vorgestellt: Zu guter Letzt und Rock That Body, wobei letzterer hervorragend ankam und auch das Publikum begeistern dürfte. Man darf hoffen, dass später im Jahr noch ein paar Komödien kommen werden. Ansonsten ist dies die große Chance für heimische Produkte, aber gerade auch für unsere lieben Nachbarn im Westen – kein Verleih kommt heuer ohne mindestens eine französische Komödie aus …

Ansonsten wird 2017 das große Science Fiction-Jahr. Dafür sprechen nicht nur die aufwändigen und bekannten Produktionen wie Valerian oder die Sequels zu Star Wars, Guardians of the Galaxy, Blade Runner oder Alien, sondern auch kleinere oder ungewöhnliche Stoffe wie Life, Sum1, Attraction oder Ghost in the Shell. Manche Trends dagegen scheinen dagegen vorüber zu sein oder gerade abzuflauen: Heuer wird die Erde weit weniger oft zerstört als in den vergangenen Jahren.

Ein Trend sind außerdem noch Fortsetzungen nach langer Zeit: T2 Trainspotting, Lommbock, Jumanji und Blade Runner 2049 sind allesamt Sequels, deren Vorgänger schon ein bisschen länger zurückliegen.

Persönlich freut mich, dass Historienfilme ein Comeback erleben (obwohl sie natürlich nie wirklich weg waren): Silence, Dunkirk, Live by Night, Tulpenfieber, Der Stern von Indien oder Victoria und Abdul – da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Interessant ist, dass es gleich zwei neue Bio Pics über Winston Churchill gibt, von denen eines freilich erst 2018 starten wird. Nimmt man noch vergangene Projekte und die Serie The Crown dazu, ist er wohl die am häufigsten verkörperte historische Gestalt der letzten Jahre.

Im Laufe des Jahres werden natürlich noch viele weitere, spannende Filme zu entdecken sein, und manches, das aufgrund mangelnder Informationen jetzt noch unscheinbar wirkt, kann sich als wahres Filmjuwel entpuppen. Man darf also weiterhin gespannt sein, was uns 2017 noch so alles bringen wird. Wir sehen uns im Kino!

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...