Mein Filmjahr 2016

Alle Jahre wieder nach der Münchner Filmwoche wird es Zeit für den Jahresrückblick und die Vorschau auf die kommenden zwölf Monate. Man kann wohl ohne Frage sagen, dass 2016 ein furchtbares Jahr war, das uns viel Verdruss bereitet hat. Es sind mehr Stars gestorben als in den meisten anderen Jahren, Donald Trump wurde zum Präsidenten gewählt, und überhaupt war die weltpolitische Lage katastrophal. Und jüngst wurden auch noch die Zeiger der Weltuntergangsuhr auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht gestellt …

Immerhin sind wir auf die Apokalypse bestens vorbereitet, denn in den letzten Jahren ist unser Planet im Kino so häufig zerstört worden, dass wir jedes Schreckensszenario mindestens schon einmal gedanklich durchgespielt haben. Damit sind wir mit diesem Thema also weitgehend durch, was kommt als nächstes? Die Zukunft, so kann man als Motto für 2017 sagen, steht in den Sternen – schon lange nicht mehr standen so viele Science Fiction auf den Startplänen der Verleiher wie in diesem Jahr.

Wenn ich an mein Filmjahr 2016 zurückdenke, verspüre ich als erstes tatsächlich so etwas wie Zufriedenheit. Qualitativ gesehen war es ein recht ordentliches Jahr, besser als viele seiner Vorgänger. Bei einem genaueren Blick muss ich jedoch feststellen, dass dieses Gefühl mit einer ernüchternden Feststellung einhergeht: Letztes Jahr bin ich so selten ins Kino gegangen wie seit meiner Jugend nicht mehr, nur mit dem Unterschied, dass damals sehr viel weniger Filme gestartet wurden. Hinzu kommt, dass ich mehrere Filme, die bei uns erst 2017 starten, bereits vorab in den USA anschauen konnte, weshalb mein persönlicher Favorit des Jahres – La La Land – nicht in meinen Top Ten auftaucht.

Über viele Jahre hinweg bin ich mindestens einmal pro Woche ins Kino gegangen oder habe mir einen aktuellen Film auf DVD angesehen. Diese Zahl nimmt seit Jahren kontinuierlich ab, und 2016 komme ich nur noch auf 39 Filme, plus zwei – Hello, my name is Doris und El Jeremías – in den USA, die nicht bei uns zu sehen waren. Das ist wenig. Andererseits sind darunter nur sechs Filme mit einer Note 4 oder schlechter. Ich denke, mein Verhalten ist in dieser Hinsicht mehr oder weniger exemplarisch: Die Leute suchen sich die Filme, die sie sehen wollen, einfach genauer aus.

Ausgelassen habe ich interessanterweise die meisten Animationsfilme – es gab einfach so viele davon, dass ich ein wenig genremüde war. Vermutlich werde ich den einen oder anderen noch nachholen, sobald er im TV zu sehen ist, aber ganz allgemein gesprochen kann ich nicht behaupten, dass es noch einen Film aus 2016 gibt, den ich unbedingt sehen wollte und dann verpasst habe. Auch das ist eine neue Erfahrung.

Interessanterweise ist mein Lieblingsfilm hierzulande nur auf DVD erschienen, während es der vierte Platz nicht einmal so weit geschafft hat. Sechs weitere Produktionen haben ebenfalls eine gute Note (2-) erhalten, aber da ich keine Mehrfachnennungen für meine Ranglisten will, habe ich alle Filme mit dergleichen Note nach meinen Vorlieben sortiert. Hier ist also meine Top Ten des Jahres 2016:

  1. Eye in the Sky
  2. The Nice Guys
  3. Spotlight
  4. Hello, my Name is Doris
  5. Zoomania
  6. The Accountant
  7. Florence Foster Jenkins
  8. Doctor Strange
  9. Arrival
  10. The Revenant

Und wie immer sind die Filme, die mir am wenigsten gefallen haben und in meiner Flop Five auftauchen, nicht zwangsläufig schlechte Filme, sondern einfach nur diejenigen, die mich am meisten enttäuscht oder die eine schlechtere Note bekommen haben. Ein klügerer Mann hätte sich die Filme aufgrund ihrer verhaltenen Kritiken vielleicht gar nicht erst angeschaut, aber manchmal ist man einfach nur neugierig und will sich selbst davon überzeugen, dass eine Produktion nicht viel taugt …

Flop Five 2016:

  1. Independence Day – Die Wiederkehr
  2. Inferno
  3. Die 5. Welle
  4. Batman v Superman: Dawn of Justice
  5. Suicide Squad

Und wer sich dafür interessiert, welche Note ich welchem Film gegeben habe, hier noch einmal die vollständige Liste:

  • Eye in the Sky (2+)
  • The Nice Guys (2)
  • Spotlight (2)
  • Hello, my Name is Doris (2)
  • Zoomania (2)
  • The Accountant (2)
  • Florence Foster Jenkins (2)
  • Doctor Strange (2-)
  • Arrival (2-)
  • The Revenant (2-)
  • The Big Short (2-)
  • Conjuring 2 (2-)
  • Don’t breathe (2-)
  • Star Wars: Rogue One (2-)
  • Star Trek: Beyond (2-)
  • Bridget Jones’ Baby (2-)
  • Snowden (3+)
  • Trumbo (3+)
  • Die Insel der besonderen Kinder (3+)
  • Eddie the Eagle (3+)
  • X-Men: Apocalypse (3+)
  • The First Avenger: Civil War (3+)
  • 10 Cloverfield Lane (3+)
  • Die glorreichen Sieben (3+)
  • Love & Friendship (3)
  • Jason Bourne (3)
  • Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (3)
  • El Jeremías (3)
  • Midnight Special (3)
  • Ouija: Ursprung des Bösen (3)
  • Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück (3)
  • Girl on the Train (3-)
  • Jack Reacher: Kein Weg zurück (3-)
  • Hail, Caesar! (3-)
  • Lolo – Drei sind einer zu viel (3-)
  • Bad Moms (4+)
  • Suicide Squad (4+)
  • Batman v Superman: Dawn of Justice (4+)
  • Die 5. Welle (4)
  • Inferno (4-)
  • Independence Day – Die Wiederkehr (5+)
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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...