Logan

Um die Jahrtausendwende herum kamen die ersten Superheldenfilme der neueren Generation in die Kinos, und zu den Pionieren zählten neben Spider-Man auch die X-Men. Was damals neu und dank innovativer CGI-Effekte aufregend war, ist für viele Kinogänger heute eine Selbstverständlichkeit. Die Generation der Fünfzehn- bis Zwanzigjährigen, immerhin die Hauptzielgruppe dieser Produktionen, ist praktisch mit diesen Filmen aufgewachsen.

Im Laufe der Zeit alterten jedoch die Helden und wurden ersetzt. Spider-Man schwingt sich bereits in seiner dritten Inkarnation durch die Häuserschluchten, und auch bei den X-Men wurde nach drei Filmen eine neue Generation etabliert. Nur Wolverine war immer der Alte, manchmal vielleicht digital etwas verjüngert wie die gleichfalls wiederkehrenden Figuren Magneto und Charles Xavier, aber immer noch von Hugh Jackman dargestellt, eine menschliche Konstante, zumal die Figur (im Gegensatz zum Schauspieler) nie alterte und stets unverwundbar blieb.

Wolverine bekam sogar zwei eigene, leider nicht sonderlich gelungene Filme, denen nun ein dritter folgte. Es ist der letzte, das Schlusskapitel, das wieder einmal beweist, dass die Drei die magische Zahl Hollywoods ist. Verträge werden fast immer über drei Filme abgeschlossen, was dazu führt, dass spätestens dann die Schauspielerriege ausgewechselt werden muss, weil sonst die Gagen zu sehr steigen.

Bei einer Trilogie böte sich den Studios immerhin der Vorteil, von Anfang an eine übergreifende Geschichte zu etablieren, einen roten Faden, der sich durch alle drei Episoden zieht und dann zu einem befriedigenden Ende gebracht wird. Leider wird das nur selten gemacht, vielleicht weil nur von Film zu Film gedacht wird und man nie weiß, ob das Produkt von den Zuschauern angenommen wird und es überhaupt zu einer Fortsetzung kommt. So kann man auch beim letzten Wolverine-Film nicht davon sprechen, dass hier eine epische Geschichte ihren Abschluss findet, aber immerhin ist den Machern etwas gelungen, was selten ist: Der Film besitzt tatsächlich etwas Originelles.

Logan – The Wolverine

2029 gibt es kaum noch Mutanten, und die X-Men sind längst Geschichte. Wolverine (Hugh Jackman) schlägt sich als Limousinenfahrer durch und versucht, sich vor der Regierung zu verstecken. Das Adamantium in seinem Körper sorgt zudem dafür, dass langsam vergiftet wird – er altert und wird daran sterben. Nebenbei kümmert er sich um Charles Xavier (Patrick Stewart), der an einer Form von Demenz leidet, wodurch sein Gehirn zu einer Gefahr für seine Umwelt wird. Eines Tages taucht eine junge Mutantin (Dafne Keen) bei ihnen auf, die auf der Flucht vor einem sinisteren Wissenschaftler (Richard E. Grant) ist und dieselben Eigenschaften besitzt wie Wolverine …

Die Zeit hat Wolverine nicht gnädiger gestimmt. Der raue, widerborstige Einzelgänger ist immer noch kein Teamplayer und will am liebsten einfach nur in Ruhe gelassen werden. Dass er inzwischen altert und seine Verletzungen nicht mehr umgehend heilen, ist ein genialer Schachzug der Autoren bzw. der Comicschreiber der Reihe Old Man Logan, denn so kann man als Zuschauer endlich mit Wolverine mitfiebern und um ihn zittern.

Das Setting des Films erinnert stark an einen Western, die Geschichte spielt größtenteils im staubigen Südwesten und in Mexiko und zitiert nicht zufällig aus Mein großer Freund Shane. Auch in diesem Genreklassiker geht es um einen geheimnisvollen Fremden, der zum Retter in der Not wird, nur mit dem Unterschied, dass Logan diese Rolle nur sehr widerwillig annimmt.

Wie Wolverine zu Beginn in die wilde Jagd auf die junge Mutantin Laura hingezogen wird, die so wunderbar rau und wortkarg verkörpert wird, dass man sie unweigerlich für Logans Tochter hält, ist großartig geschildert und ungemein spannend in Szene gesetzt. Von Anfang an durchzieht eine elegische Stimmung die Story, die vom Altern und Abschiednehmen handelt, ein wehmütiger Abgesang auf einstmals große Helden, die nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Doch die Konflikte von damals sind nach wie vor präsent, denn die Jagd auf Mutanten geht weiter, nur in einem anderen, wesentlich perfideren Kontext.

Es passiert nicht sehr viel im Film, der im Grunde nur eine lange Verfolgungsjagd ist, die auf einen blutigen Höhepunkt zusteuert. Ein paar Schlenker sind dabei unnötig und sorgen für die eine oder andere Länge, und Patrick Stewart hätte auch ein paar würdigere Szenen verdient gehabt, aber im Großen und Ganzen kann man mit dem Abschluss der Wolverine-Reihe zufrieden sein.

Note: 2-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...