Alien: Covenant

Zu meinen Vorsätzen fürs neue Jahr gehört mit schöner Regelmäßigkeit auch, wieder häufiger ins Kino zu gehen, was mir in diesem Jahr besonders leicht fällt, da eine Menge interessanter Filme starten. Bereits jetzt habe ich das Gefühl, dass 2017 ein besseres Kinojahr ist. Und viele spannende Projekte starten ja noch …

Das erste Quartal wird in erster Linie von den eher anspruchsvollen Filmen dominiert, aber seit ein paar Wochen sind wieder die Blockbuster dran, und es darf bunt, laut und effektgeladen werden. 2017 ist außerdem ein Traumjahr für die Fans von Science Fiction Filmen, und da ist vergangenes Wochenende ein besonderes Schmankerl gestartet. Die Werke von Ridley Scott sind für Cineasten natürlich ein Must-see, also waren wir am Starttag mit dabei …

Alien: Covenant

Die Covenant ist ein Raumschiff, das über zweitausend Kolonisten zu einem fernen Planeten bringen soll. Weil es unterwegs technische Schwierigkeiten gibt, weckt der Android Walter (Michael Fassbender) die Crew auf. Kaum haben sie das Schiff wieder repariert, erreicht sie jedoch ein Hilferuf von einem fernen Planeten, der sie neugierig macht …

Ein geheimnisvolles Signal, das die Besatzung eines Raumschiffs dazu bringt, einen unbekannten Planeten anzusteuern, auf dem ein Crewmitglied Opfer einer außerirdischen Spezies wird, die sich in seinem Körper ansiedelt – die Ähnlichkeit zum ersten Alien ist frappierend. Lediglich die Art und Weise, wie der Parasit in den Wirtskörper gelangt, unterscheidet sich, und im Laufe des Films erfährt man den Grund dafür und auch, wie das Alien wurde, was es in den Vorgängerfilmen war.

Alien war 1979 ein Meilenstein der Filmgeschichte, ein hochspannender Horrorfilm, der vor allem deshalb so gut war, weil man lange Zeit nicht wusste, was Jagd auf die Besatzung macht und wie es aussieht. Dank der modernen Tricktechnik sind solche Beschränkungen heutzutage nicht mehr nötig, aber manchmal frage ich mich, ob das nicht eher ein Nachteil ist. Man hat das Monster inzwischen so oft gesehen, dass es seinen Schrecken nahezu vollständig verloren hat. Und das ist schade.

Alien: Covenant erzählt nun also die Entstehungsgeschichte des Monsters, seine Schöpfungsgeschichte sozusagen, und diese ist eng mit dem Schicksal des Raumschiffs Prometheus aus dem Vorgänger der Prequel-Trilogie verbunden. Auch David, der ebenfalls von Fassbender gespielte Android des Schiffes, taucht wieder auf, und wieder einmal zeigt sich, dass auch Maschinenmenschen nicht vor dem Wahnsinn gefeit sind. Die Schöpfung bedroht den Schöpfer – es ist ein gängiges Klischee im Science Fiction geworden. Schade, dass Ridley Scott nicht mehr zu dem Thema eingefallen ist.

Die Story knüpft an Prometheus – Dunkle Zeichen an und erzählt, was aus David und der einzigen menschlichen Überlebenden des Schiffs wurde, nachdem sie am Ende den Alien-verseuchten Mond verlassen haben, um sich auf die Suche nach den Schöpfern der Menschheit zu machen. Insofern liefert Alien: Covenant auch die Antwort auf die Frage nach unseren Schöpfern, die auf einer Theorie von Erich von Däniken zu beruhen scheint.

In gewisser Weise ist das Ganze faszinierend geschildert, wenn auch auf eine deprimierende und recht pessimistische Art und Weise, die vermutlich gerade dem Zeitgeist entspricht. Immerhin werden wir ja auch regelmäßig von führenden Wissenschaftlern davor gewarnt, eine Künstliche Intelligenz zu erschaffen, die uns überlegen ist und unseren Untergang heraufbeschwören könnte, und genauso gut sollten wir es uns überlegen, in Kontakt mit Aliens zu treten – weil man ja nie weiß, ob die nicht genauso brutal und unmenschlich sind wie wir selbst.

Das alles ist gut und schön, vielleicht sogar wahr, aber auch absolut nichts Neues. Lässt man diesen metaphysischen Überbau der Geschichte einmal beiseite, bleibt immerhin noch ein solider Horrorfilm übrig, der wie gesagt starke Parallelen zu Alien aufweist. Das soll vermutlich als Reminiszenz gemeint sein, ist aber dennoch wenig originell. Alien: Covenant ist ein grundsolider, spannender Film – aber leider komplett überflüssig. Ohne den geplanten dritten Teil zu kennen, hätte es völlig ausgereicht, ein einziges Prequel zu drehen, um die Theorie von der Entstehung der Menschheit und der Alien-Rasse zu verdeutlichen. Drei sind definitiv zu viel.

Note: 3

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Über Pi Jay

Ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Inzwischen arbeitet er als Drehbuchautor, Lektor und Dozent für Drehbuch und Dramaturgie - und hat bislang fünf Romane veröffentlicht.