Ich – Einfach unverbesserlich 3

Die Flut von Animationsfilmen im vergangenen Jahr ist heuer einem Rinnsal gewichen. Eines der Highlights in diesem Sommer ist sicherlich der dritte Teil einer Reihe, die vor allem wegen ihrer bananengelben Sidekicks so ungeheuer beliebt ist. Nachdem ich den zweiten Teil lediglich im Fernsehen gesehen hatte, dachte ich, es wäre vielleicht mal wieder an der Zeit, mir den unverbesserlichen Gru auf der großen Leinwand anzuschauen. Und mit vielen begeisterten Zuschauern in einem vollen Saal macht das natürlich doppelt so viel Spaß.

Ich – Einfach unverbesserlich 3

Gru hat dem Bösen nun schon eine Weile abgeschworen und arbeitet mit seiner Frau Lucy als Verbrecherjäger. Dumm ist nur, dass ihnen der durchgeknallte Superschurke Bratt bei einem Zugriff entkommen kann – und Gru dabei auch noch lächerlich macht. Die beiden verlieren ihren Job, zudem kündigen die Minions ihre Gefolgschaft auf, weil Gru ihnen zu brav und anständig geworden ist. Als Gru plötzlich erfährt, dass er einen Zwillingsbruder namens Dru hat, der sich gerne als Superschurke etablieren möchte, sieht er die einmalige Chance, Bratt zur Strecke zu bringen …

Seien wir doch mal ehrlich: Das Beste an den Filmen sind die Minions. Jeder Auftritt von ihnen ist pure Anarchie und ein großes Vergnügen, sei es diesmal in einer Castingshow mit Gesangseinlage oder im Gefängnis, wohin es sie ebenfalls verschlägt. Sind sie im Bild, bekommt der Film eine Leichtigkeit, die er sonst leider häufig vermissen lässt.

Als gescheiterter Superschurke, der sein Herz an drei Waisenmädchen verliert, war Gru noch eine tolle Figur, als fürsorglicher Familienvater und Geheimagent ist er ein langweiliger Spießer geworden. Deshalb haben sich die Autoren einen Zwillingsbruder für ihn ausgedacht, der ein bisschen so sein soll wie der alte Gru, nur eben noch ein bisschen tollpatschiger. Das ist zwar nicht sonderlich originell, funktioniert aber ganz gut.

Auch ihr Gegenspieler ist eher das Abziehbild eines Comicschurken als ein origineller Charakter: völlig meschugge und darauf aus, die Welt zu zerstören, zumindest ein kleines bisschen. Aus der Figur hätte man etwas mehr herausholen können, wenn man sie ernst genommen hätte, aber dafür sorgt sie für ein amüsantes Achtzigerjahre-Revival. Worst of the Eighties sozusagen …

Die Handlung ist ziemlich dürftig und würde gerade einmal für einen Kurzfilm reichen, aber zum Glück haben sich die Macher wieder eine Menge Gags am Rande einfallen lassen. Nicht alle davon zünden, aber viele sorgen dafür, dass man als Zuschauer auch diesmal voll auf seine Kosten kommt. Selbst die zuckersüßen Botschaften von Familienglück und heiler Welt stoßen einem dabei nicht allzu sauer auf.

Für einen dritten Teil eine solide, launige Sommerkomödie, bei der Groß und Klein eine Menge Spaß haben können.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...