Hallo, ich bin Wu Feng (64)

Das Wetter in Los Angeles hat sich in den Tagen seit unserer Rückkehr wie ein trotziger Teenager verhalten. Statt wie üblich warm und sonnig, war es eher bewölkt und ein bisschen zu kalt für diese Jahreszeit, auf jeden Fall kälter als in Deutschland. Da hätten wir auch in Texas bleiben können.

Aber seit Freitag strahlt die Sonne wieder vom stahlblauen Himmel als wäre nichts gewesen. Leider ist es ein bisschen zu windig, um einen Ausflug ans Meer zu machen, aber es soll jetzt jeden Tag etwas wärmer werden, so dass dem bald nichts mehr im Weg stehen dürfte.

Viel zu berichten gibt es leider auch nicht: Am Freitag waren wir wieder im Kino und haben uns Solo – A Star Wars Story angesehen. Weil der Andrang am ersten Wochenende groß zu werden versprach und wir ihn im Luxuskino mit den bequemen Liegesitzen sehen wollten, mussten wir auf die Matinee ausweichen und saßen bereits vor dem Frühstück im dunklen Saal.

Weil wir nach dem Film großen Hunger hatten, fuhren wir zu einem relativ neuen Restaurant namens „The Pan“, das den ganzen Tag über Frühstück anbietet. Eine unserer Freundinnen hier in Los Angeles versorgt uns regelmäßig mit den neuesten Tipps zum Essengehen, sie kennt all die aktuellen Food-Trends, die gerade angesagten Restaurants und Geheimtipps. Eine Spezialität von „The Pan“ sind Waffles & Chicken, eine eher ungewöhnliche Kombination aus gegrillter Hähnchenbrust und Buttermilchwaffeln, serviert mit Brombeerbutter und Puderzucker.

Nachdem wir auf einer Party in Las Vegas schon einmal in den Genuss von Hähnchen und Waffeln gekommen waren und dem nicht allzu viel abgewinnen konnten, haben wir uns lieber für etwas Traditionelleres entschieden: mexikanische Pommes mit Carne Asada, Guacamole und überbackenem Käse, gefolgt von einer Cheeseburger-Pizza für Mark G. sowie einem kubanischen Sandwich mit Chili Fries für mich. Das Essen war vorzüglich, aber so mächtig, dass ich die Hälfte einpacken ließ und für den restlichen Tag nicht mehr viel gegessen habe. Außerdem ist es nicht gerade das gesündeste Essen, und ich wundere mich, dass man zur Mahlzeit nicht gleich ein paar blutdrucksenkende Mittel serviert bekommt …

Kaum ist man ein paar Tage in einem fremden Land, verändern sich auch die Werbeanzeigen auf den Webseiten. Es wird ja gerade viel über personenbezogene, individuell zugeschnittene Reklame gesprochen, aber ich frage mich, ob das wirklich funktioniert, weil mir grundsätzlich Sachen angeboten werden, die mich in keinster Weise interessieren. Und im Ausland wird es dann erst recht bizarr. Im Moment habe ich das Gefühl, das Internet hält mich für einen Chinesen Anfang sechzig, denn der Großteil der Reklame, die ich zu sehen bekomme, ist in Chinesisch verfasst, und der Rest beginnt mit der Frage: „Turning 65?“

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Mark G. & Pi Jay in La-La-Land 2018 und verschlagwortet mit von Pi Jay. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...