Annabelle 2

Woran liegt es, dass Puppen so gruselig sind? Eigentlich gemacht, um kleine Mädchen zu erfreuen und ihre Fantasie anzuregen, wirken manche von ihnen einfach nur grauenerregend. Ich denke dabei an die Mörderpuppe Chuckie oder die Bauchrednerpuppe aus Emmerichs Joey und vermutlich gibt es noch andere Beispiele, die mir gerade nicht einfallen. Sicherlich liegt es an ihrer Menschenähnlichkeit, sie wirken lebendig und lebensecht, sind aber gleichzeitig leblos und totengleich und starren einen aus ihren unergründlichen Augen an. Kein Wunder, dass sie im Voodoo als magische Objekte fungieren – oder in diesem Fall zur Wohnstatt von Geistern und Dämonen werden …

Annabelle 2

Der Puppenmacher Samuel (Anthony LaPaglia) und seine Frau Esther (Miranda Otto) müssen den jähen Unfalltod ihrer Tochter Annabelle (Samara Lee) verkraften. Einige Jahre später nehmen sie eine Nonne (Stephanie Sigman) und sechs Waisenmädchen in ihrem Haus auf. Sehr schnell stellen die Kinder fest, dass hier etwas nicht stimmt …

Das Conjuring-Universum ist in den letzten Jahren ein sehr fruchtbares Horror-Franchise geworden, das bereits vier Filme umfasst und dem weitere Spin-Offs und Fortsetzungen folgen werden. Zwischen allen Filmen gibt es Querverbindungen und Gemeinsamkeiten, die es zu entdecken gilt, und Gastauftritte der übernatürlichen Art …

Interessant ist, dass alle Teile in der Vergangenheit spielen, was damit zu tun hat, dass sie auf den angeblich wahren Erlebnissen der Warrens beruhen, die als Geisterjäger und Dämonenaustreiber jede Menge unheimliche Sachen erlebt haben wollen. Die Filme bekommen dadurch – und durch ihre Referenzen an die Klassiker des Genres – einen angenehmen Retro-Charme, der sehr gut zur Geschichte passt.

Annabelle 2 erzählt nun also die Entstehungsgeschichte jener gruseligen Puppe, der wir das erste Mal 2013 in Conjuring – Die Heimsuchung begegnet sind, und ist gewissermaßen das Prequel zum Spin Off-Prequel. Oder so. Wie die anderen Filme dieser Reihe zieht auch dieser Teil gekonnt alle Register des Genres. Nichts davon ist wirklich neu, aber es ist gut gemacht, die Effekte können sich sehen lassen, und auch die Darsteller sind sympathisch. Sicher, man fragt sich häufig, warum sie sich so dumm anstellen und trotz unheimlicher Geräusche ein Zimmer betreten, aber man mag sie und ängstigt sich um sie. Leider nimmt sich das Drehbuch, das großen Wert auf intensive Schreckmomente legt, nicht besonders viel Zeit, dem Zuschauer die Sorgen und Nöte der Figuren nahe zu bringen oder ihnen Tiefe zu verleihen. Aber das ist in diesem Genre ohnehin sehr selten.

Alles in allem ein solider Horrorfilm, in dem bereits einige Hinweise auf das nächste Spin-Off verborgen sind …

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...