Der Distelfink

Der aufmerksame Leser hat es wahrscheinlich schon erkannt: In dieser Woche dreht sich alles um Literaturverfilmungen. Nach zwei Klassiker-Verfilmungen habe ich mir noch die Adaption eines Werkes aus der Feder einer zeitgenössischen Autorin angesehen. Die US-amerikanische Schriftstellerin Donna Tartt, die aus dem Dunstkreis des Skandalautors Bret Easton Ellis stammt, wurde Anfang der Neunzigerjahre durch einen PR-Coup bekannt: Der Hype um ihren ersten, unveröffentlichten Roman war so groß, dass ein Bieterkrieg entbrannte. Wie viele andere las ich das Buch sofort nach seiner Veröffentlichung – und war enttäuscht, denn die Geschichte über mordende Collegestudenten wurde den geschürten Erwartungen einfach nicht gerecht. Ein Besteller war es dennoch.

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Die Besessenen

Es kommt immer wieder vor, dass ein literarischer Stoff von zwei unabhängigen Produzenten nahezu gleichzeitig realisiert wird. In diesem Fall geht es um Henry James’ Novelle The Turn of the Screw, die unter verschiedenen deutschen Titeln (Das Durchdrehen der Schraube, Die Drehung der Schraube u.a.) erschienen ist. In der Literaturwissenschaft wird seit rund hundert Jahren eifrig über den Text diskutiert, und es gibt eine Vielzahl interessanter Deutungen, auf die ich aber nicht weiter eingehen will.

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Emma.

Wahrscheinlich ist Colin Firth schuld an der Flut von Jane Austen-Verfilmungen, die in schöner Regelmäßigkeit über uns hereinbrechen. Genauer gesagt, schuld ist sein Auftritt als Mr. Darcy im BBC-Mehrteiler Stolz und Vorurteil und vor allem seine berühmte Badeszene, die nicht nur den weiblichen Zuschauern den Kopf verdreht und Helen Fielding zu Bridget Jones inspiriert sowie zahlreiche weitere Filme und Serien beeinflusst hat, sondern der inzwischen sogar ein Denkmal gesetzt wurde. Gab es in den fünfundfünfzig Jahren davor „nur“ 18 Austen-Verfilmungen, sind in dem Vierteljahrhundert danach bislang bereits über dreißig (!) weitere hinzugekommen, die sich mit Leben und/oder Werk der Autorin beschäftigten.

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Die seltsame Liebe der Martha Ivers

Wenn man ein bisschen sucht, findet man selbst auf Netflix oder – wie in diesem Fall – auf Prime Video einige alte Filme. Mit alt meine ich nicht die Der Herr der Ringe-Trilogie, die für heutige Teenager bereits antiquiert wirkt, sondern Filme, die vor 1950 produziert wurden. Leider laufen diese nicht mehr so häufig im Fernsehen wie noch vor einigen Jahrzehnten, auf DVD sind auch nur die bekanntesten erschienen, und die Streamingdienste … Ein Trauerspiel.

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Capernaum – Stadt der Hoffnung

In letzter Zeit habe ich hier vermehrt über eher leichte Kost geschrieben, widmen wir uns nun mal etwas Ernsthafterem. Zugleich geht es heute um einen Film aus der Rubrik „ansehen, bevor er verschwindet“, denn obwohl sich der Film rund zwei Jahre lang auf meiner Watchlist befand, habe ich ihn erst wenige Tage vor seinem Verschwinden aus dem Prime Video-Angebot gesehen. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass viele dieser Filme relativ häufig entweder ins Programm zurückkehren oder stattdessen bei Netflix auftauchen. Vielleicht ist er also bald wieder da.

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Jede Menge Ärger

Es gibt unvergessliche Filme und solche, bei denen man selbst, wenn man sie zum zweiten Mal anschaut, beim besten Willen nicht sagen kann, ob man sie nicht bereits kennt. Jede Menge Ärger ist so ein Film. Der Inhalt kommt mir sehr bekannt vor, und ich glaube, dass ich ihn damals auf DVD oder im Pay-TV gesehen habe, bin mir aber nicht sicher. Selbst eine wiederholte (?) Sichtung auf Disney+ brachte keine neuen Erkenntnisse, auch wenn mir das eine oder andere durchaus bekannt vorkam. Und insgeheim hege ich die Befürchtung, dass es mir das nächste Mal wieder so ergehen wird …

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Dumplin‘

Bei manchen Streamingfilmen kann ich nicht mehr sagen, wie ich auf sie aufmerksam wurde. Vielleicht habe ich den Trailer gesehen, der mir gefallen hat, oder ich habe etwas über den Film, seine Besetzung oder sein Thema gelesen, und manchmal wurden sie mir auch von Freunden oder Kollegen empfohlen. Dumplin’ ist so ein Fall. Der Film kam vergangenes Jahr im Mai zu Netflix, schaffte es zwar nicht auf meine Watchliste, wurde mir aber immer wieder vorgeschlagen. Jetzt habe ich – am Ende eines langen, wenig erfreulichen Tages, als ich, sagen wir mal … mit der Gesamtsituation wenig zufrieden war – einen Blick riskiert.

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Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht

In dieser Woche dreht sich alles um Teenie-Filme. Sie erinnern Erwachsene an ihre eigene Jugendzeit und versichern Teenagern, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind auf dieser Welt. In diesem Genre geht es stärker als in allen anderen um die Selbstfindung, um prägende Einflüsse und Erfahrungen, die uns zu der Person machen, die wir sind. Außerdem erleben die jugendlichen Protagonisten vieles zum ersten Mal und dank ihres außer Kontrolle geratenen Hormonhaushalts gerät manches dabei zum großen Drama …

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Palmer

Shoplifters konnte mich nicht gänzlich überzeugen, aber kürzlich sah ich den Trailer zu einer neuen Apple TV+-Produktion, die gewisse Ähnlichkeiten zu dem japanischen Film hat: In beiden Filmen geht es um ein vernachlässigtes Kind, und wo der eine Film beiläufig erzählt und viel Wert auf beobachtende Distanz legt, ist der andere ein klassisches Drama …

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