Sneaky Pete

Heute geht es um eine Fernsehserie, die ich kürzlich gesehen habe: Sneaky Pete. Ähnlich wie in Banshee geht es um einen Identitätsdiebstahl, in diesem Fall gibt der frisch entlassene Ex-Häftling Marius (Giovanni Ribisi) vor, sein immer noch inhaftierter Zellengenosse Pete zu sein, um dessen Familie auszurauben. Praktischerweise hat der echte Pete schon seit über zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr zu seinen Großeltern Audrey (Margo Martindale) und Otto (Peter Gerety), schwärmt aber immer noch von der idyllischen Kindheit auf dem Land außerhalb von New York City.

Der falsche Pete wird mit offenen Armen aufgenommen, und seine Hilfe in dem kleinen Kautionsbüro der Familie wird dankbar angenommen. Dass er es nur auf die hundertfünfzigtausend Dollar, die ein brutaler Krimineller hinterlegt hat, abgesehen hat, ahnt natürlich niemand. Er macht seine Arbeit gut, bringt geschickt Ganoven zur Strecke, die ihren Gerichtstermin versäumt haben, und liegt dabei selbst im Clinch mit seinem Bewährungshelfer.

Doch Pete/Marius hat einen triftigen Grund für seinen Betrug, denn vor Jahren hat er mit seiner kleinen Gang versucht, Vince (Bryan Cranston), den gewieften Ex-Cop und Betreiber einer illegalen Spielhölle, auszurauben. Vince will nun endlich von Pete/Marius eine finanzielle Entschädigung und hält derweil seinen Bruder (Michael Drayer) als Geisel fest. Doch der falsche Pete hat einen Plan, wie er es Vince doch noch heimzahlen kann, ohne das Leben seines Bruders zu gefährden …

Die Idee zur Serie stammt von Bryan Cranston und David Shore, dem Schöpfer von Dr. House und The Good Doctor, und zusammen mit ihrem Team von Autoren haben sie sich eine hübsche, verzwickte Geschichte einfallen lassen. Die einzelnen Komponenten hat man natürlich alle schon mal gesehen, und in gewisser Weise wirkt die Serie wie das männliche Pendant zu Good Behavior, macht aber dennoch viel Spaß. Das liegt zum einen an der tollen Besetzung, Giovanni Ribisi spielt seine Rolle als Trickbetrüger, der ungeheuer schlagfertig und ideenreich ist, ausgesprochen gut, und auch die einzelnen Mitglieder seiner Familie wachsen einem schnell ans Herz. Zum anderen werden dem Helden auch eine Menge Hindernisse in den Weg gelegt, so dass er jedes Mal, wenn er glaubt, am Ziel zu sein, vor einem neuen Problem steht. Ich will an dieser Stelle aber gar nicht mehr über den Inhalt verraten …

Das einzige Manko an der Serie ist das etwas zu gemächliche Erzähltempo, das erst in den letzten drei Episoden mächtig anzieht und dann zu einem spannenden und wendungsreichen Finale führt. Inklusive einem Twist am Ende, der dafür sorgt, dass man unbedingt auch die zweite Staffel anschauen will – die zum Glück schon bald auf Amazon Prime startet.

Wer Gefallen an einer raffinierten Geschichte über Trickbetrüger hat, sollte sich Sneaky Pete nicht entgehen lassen.

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...