A Quiet Place

Auch der schönste (und längste) Urlaub geht einmal zu Ende. Inzwischen hat uns der Alltag wieder eingeholt und die Strände Kaliforniens oder Floridas sind nur noch eine angenehme Erinnerung, von der wir zehren können, wenn es wieder einmal hektisch wird.

Sehr oft waren wir ja nicht im Kino, aber ein paar Filme sind schon in den letzten Wochen zusammengekommen, über die ich noch nicht berichtet habe. Eine der letzten Produktionen, die ich vor dem Urlaub gesehen habe, war:

A Quiet Place

Einige Monate nach einer nicht bekannten Katastrophe: Amerika ist ein verwaistes, nahezu menschenleeres Land. Evelyn und Lee (Emily Blunt und John Krasinski) leben mit ihren Kindern auf einer abgelegenen Farm, die sie mit dem Notwendigsten zum Leben versorgt. Doch jedes laute Geräusch ist verboten und buchstäblich ein Todesurteil, denn in den Wäldern außerhalb der Farm lauern Monster, die sich auf alles stürzen, was Lärm macht …

Diesen Film in einem vollbesetzten Kino zu sehen, ist ein besonderes Erlebnis, denn die stille, beklemmende Atmosphäre, die von Anfang an auf der Leinwand herrscht, greift schon nach kurzer Zeit auf den Saal über, in dem jeder Zuschauer gebannt im Sessel hockt und sich nicht mehr traut, mit der Popcorntüte zu rascheln. So viel Aufmerksamkeit hat wohl schon lange kein Film mehr erfahren.

Was zu sehen ist, ist hochspannend und von John Krasinski, der zusammen mit Bryan Woods und Scott Beck auch am Drehbuch mitarbeitete, wie ein nervenzerfetzender Thriller in Szene gesetzt. Als Zuschauer beginnt man unweigerlich darüber nachzudenken, mit wie vielen Geräuschen unsere Welt angefüllt ist, vom elektronischen Fiepen unserer Handys angefangen, hin zu Musik oder Fernsehen, ganz zu schweigen von zwischenmenschlicher Kommunikation – und was das Verschwinden dieser Form der Interaktion für Auswirkungen hat.

Gleich zu Beginn passiert etwas Furchtbares: Auf einer Erkundungstour in eine verlassene Stadt, um Lebensmittel und Medikamente zu besorgen, stirbt der jüngste Sohn bei einem Angriff der Monster. Die Familie ist seither gebrochen. Sowohl die Mutter, von Emily Blunt hervorragend gespielt, als auch ihre hörgeschädigte Tochter (Millicent Simmonds) machen sich Vorwürfe, während der Vater vor allem daran arbeitet, das Hörgerät seines Kindes zu verbessern und alle unbeschadet durch diese schwere Zeit zu bringen. Doch es droht ein neues Problem, als Evelyn erneut schwanger wird, denn eines sind Neugeborene sicherlich nicht – leise …

A Quiet Place ist nahezu ein perfekter Thriller. Man bangt von Anfang an mit den Figuren mit, fragt sich aber auch, woher die Monster stammen und was mit der Welt passiert ist, dass diese die Macht übernehmen konnten. Leider werden nur sehr wenige Fragen beantwortet, denn der Film verlässt nach der Eröffnungssequenz nicht mehr die Farm der Familie. Dadurch entsteht zwar eine klaustrophobische und kammerspielartige Atmosphäre, doch einiges erscheint einem auch nicht gerade schlüssig oder logisch. Das tut der enormen Spannung jedoch keinen Abbruch, auch wenn das viel zu abrupte und etwas unausgegorene Ende ein wenig enttäuscht.

Note: 2-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...