Box Office FocUS Oktober 2018

_focUSWährend der Herbst in Deutschland noch nicht wirklich Einzug halten möchte und das sonnige Wetter weiterhin massive Probleme bereitet, sehen die Dinge im Mutterland des großen Kinos ganz anders aus. Das ist eben der Vorteil einer flächenmäßig so weitläufigen Nation, das Wetter wird immer nur geringere Teile der Bevölkerung vom möglichen Kinobesuch abhalten. Sonne und Hitze sind für die US-Kinos traditionell sowieso kein Problem, im Gegenteil, der Amerikaner weiß eine gute Klimaanlage einfach zu schätzen. Diese werdet ihr auch nach Lektüre dieses Blogs brauchen, denn es wartet wahrlich ein heißer Kinoherbst.

Wochenende 40 vom 5. Oktober 2018 – 7. Oktober 2018

  • Sony klammert sich seit Jahren mit aller Macht an seine Rechte am „Spiderverse“. Mit Blick auf die zurückliegenden Jahre kann man es ihnen nicht verdenken. Zumindest ging man zuletzt so weit, die Rechte zu verleihen und konnte nun mit Hilfe von Disney die tiefen, finanziellen Wunden zumindest ein wenig heilen. Bevor Sony im Dezember seine eigene Variante des Spinnenmannes auf die Zuschauer loslässt, darf nun erst einmal „Venom“  sein Unwesen treiben, der bereits in „Spider Man 3″ seinen ersten Auftritt hatte. Wenn Tom Hardy angestellt wird, dann kann man davon ausgehen, dass man Großes erreichen möchte und eigentlich sollte es auch für das Drehbuch sprechen, dass dieser seine Zusage gab. Leider kommt es aber oftmals einfach anders, als man denkt, denn kurz vor Filmstart kam nun ans Licht, dass Hardy mit dem Endprodukt wohl nicht ganz so zufrieden war (was er natürlich sehr schnell in der Öffentlichkeit korrigieren „durfte“). Was das bedeutet, können wir uns denken: Der Film ist nicht der Blockbuster, den wir uns gewünscht hätten. Das alles steht im Gegensatz zu den unfassbaren Trailerklicks, die das „Spiderverse“ allerdings schon immer zu produzieren wusste. Ich fand die Trailer eher mittelmäßig und finde es sowieso immer schwierig, einen Antagonisten als Helden zu verkaufen. Mich erinnert das alles sehr an die Comicfilme der frühen 2000er, speziell „Ghost Rider“ kommt mir da in den Sinn. Die Kritiken wurden lange zurückgehalten und fielen dementsprechend leider sehr schlecht aus, deswegen denke ich, dass mit $60m/$135m zwar der Oktoberrekord fällig ist, danach aber nicht viel mehr zu holen sein wird.

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  • Es hat Regisseur und Hauptdarsteller Bradley Cooper einige Mühen gekostet, Studio und Produzenten davon zu überzeugen, dass die hochtalentierte Lady Gaga die richtige Wahl für die weibliche Hauptrolle des Remakes von „A Star is Born“ ist. Glücklicherweise konnte sich der Regisseur mit seiner Vision durchsetzen und beweist so erneut, dass es oftmals das Beste ist, einer solchen Intuition Vertrauen zu schenken. Mit dem ersten Trailer war für mich klar, dass hier etwas großes auf uns zukommt. Je näher der Start rückt, je mehr Musik aus dem Film veröffentlicht wird, je mehr Kritiker den Film preisen und je lauter die Rufe nach einem Oscar für Lady Gaga werden, desto sicherer bin ich mir meiner Sache. Musikfilme und Musicals haben in den USA sowieso gerade einmal wieder Hochkonjunktur, was kein Wunder ist, sind sie doch hervorragend dazu geeignet, die Gefühlswelt mal wieder ein wenig zu stimulieren, die unter all diesem Wahnsinn, der momentan überall zu vernehmen ist, bei vielen Menschen zuletzt doch merklich gelitten hat. Auch wenn das absurde R-Rating so manchen Zuschauer kosten mag, rechne ich mit einer langen Laufzeit, vielleicht sogar bis in die Weihnachtszeit hinein. Neben $50m/$220m verblasst Sonys Anti-Held auf lange Sicht dann doch ein wenig.

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Wochenende 41 vom 12. Oktober 2018 – 14. Oktober 2018

  • Ohne Verschnaufpause geht es direkt weiter mit Qualitätskino für Erwachsene. Nach zwei musikalischen Beiträgen versucht sich einer der größten Hoffnungsträger des zukünftigen Originalfilmes, Damien Chazelle, nun erstmals in einem etwas anderen Metier. Seine Neil Armstrong-Biografie „Aufbruch zum Mond“ versucht vor allem diejenigen anzusprechen, die vor fast 50 Jahren gebannt vor dem Fernseher saßen und mit flauem Gefühl in der Magengrube dem finalen Wettlauf zum Mond beigewohnt haben. Doch auch deren Kinder und Enkel sind in einer Welt aufgewachsen, in der dieses gewonnene Rennen noch heute als großer Sieg über den einstigen Erzfeind Russland wahrgenommen wird. Und so kommt es auch nicht überraschend, dass empörte Stimmen laut wurden, die den Film boykottieren möchten, weil man nicht explizit zu Gesicht bekommt, wie Armstrong die US-Flagge in den staubigen Boden des Mondes rammt. Nunja, wie wir wissen, hat heutzutage jeder an allem etwas auszusetzen und in diesem Fall wird der Aufschrei wohl ausnahmsweise wenig Einfluss auf das Einspiel haben. Ryan Gosling macht in seiner Rolle des ersten Mannes auf dem Mond wie immer eine außerordentlich gute Figur. Des weiteren verspricht der Film atemberaubende Bilder im IMAX-Format, die man einfach gesehen haben muss. An „Apollo 13″ wird der Film wohl, anders als ursprünglich geplant, nicht ganz heranreichen, doch wenn am Ende $28m/$125m auf dem Konto von Universal eingehen, können alle Beteiligten bei einem Budget von $60m nach Steuererleichterungen durchaus zufrieden sein.

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  • Auch Familien sollen im Oktober natürlich auf ihre Kosten kommen, deswegen ist Sony auch zwei Wochen in Folge aktiv und bringt passend zum kommenden Halloween-Fest, das Sequel „Gänsehaut 2 – Gruseliges Halloween“ auf den Markt. Der Vorgänger war für den Verleih ein netter Erfolg, vor allem im Heimatland von Kultautor R.L. Stine konnte der Film mit Jack Black punkten. Obwohl dieser nun wohl doch im Sequel dabei sein soll, ist er im Marketing praktisch nicht existent. Ob das an seiner Hauptrolle im gerade erst gestarteten „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ liegt, der thematisch verdächtig nahe liegt? Vermutlich. Ich denke, dass das Sequel ein Jahr zu spät kommt und die Trailer richtig billig wirken. Dazu verwenden sie viele Clips aus dem ersten Teil. Wer weiß, wie die Monster in Teil 2 aussehen. Kein Wunder, dass diese noch nicht fertig animiert waren, wurde der Film doch erst ab März gedreht. Immerhin konnte man so das Budget auf nur noch $35m zusammenkürzen.  Zumindest sollte man sich bis Halloween passabel halten können und so vielleicht über die Laufzeit noch punkten. Ob der Verleih mit $15m/$50m zufrieden sein kann, muss er später intern entscheiden.

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  • Eine kleine Wildcard des Monats ist Drew Goddards Tarrantino-Hommage „Bad Times at the El Royale“. Besonders als Drehbuchautor konnte sich der Mann auf dem Regiestuhl bereits einen Namen machen, doch auch seine erste Regiearbeit „The Cabin in the Woods“ hat zumindest mir persönlich sehr viel Spaß gemacht. Beim Fantastic Fest konnten sich die ersten Kritiker schon einmal von der Qualität der Produktion überzeugen und haben sie auch größtenteils wohlwollend aufgenommen. Vor allem die Besetzung kann sich natürlich sehen lassen, wenngleich man sagen muss, dass es für Chris Hemsworth in einer tragenden Rolle abseits des Marvel Universums bisher noch keine allzu großen Erfolge zu feiern gab. Das wird vermutlich auch dieser Film an den Kinokassen nicht ändern, doch wer weiß, vielleicht reicht es ja im Laufe der Zeit tatsächlich zum Kultfilm. Darüber muss letztendlich das zahlende Publikum entscheiden. Trotz der wirklich erfreulichen Trailerklicks, rechne ich aktuell nur mit $13m/$40m.

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Wochenende 42 vom 19. Oktober 2018 – 21. Oktober 2018

  • Wenn ich euch jetzt sage, dass Michael Myers erstmals vor genau 40 Jahren sein Unwesen auf der Kinoleinwand trieb, werden nicht wenige panisch zum Spiegel rennen und sich fragen, wo die Zeit geblieben ist. Ich selbst bin eher einer aus der H20-Generation, die sich nun auch so langsam Sorgen um die ersten grauen Haare machen darf. Graue Haare hat mittlerweile auch Jamie Lee Curtis, die hier zum (wer’s glaubt wird selig) finalen Showdown mit ihrem ziemlich gestörten Bruder antreten wird. Alles was war, macht „Halloween“ vergessen. All die Sequels, Rob Zombies Remakes, ausgelöscht. Hier wartet das ultimative Finale, auf das viele schon lange gewartet haben und das in dieser Intensität tatsächlich nur die Zeit möglich gemacht hat. Die Story braucht  endlich einen Abschluss, das spürt man einfach. Ähnlich wie beim letztjährigen „Es“ lieferte der Verleih sehr effektive Trailer und bekam vorab schon hervorragende Kritiken. Die Trailerklicks sind hervorragend und auch wenn es hier wohl nicht für den Wahnsinn reichen wird, den „Es“ produziert hat, wären $70m/$175m direkt der nächste Startrekord im Oktober und natürlich eine absolute Sensation.

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  • Nach einem limitierten Auftakt am ersten Oktoberwochenende, startet die Adaption des etwas anderen Young Adult-Romans „The Hate You Give“ nun auch landesweit. Gänzlich ohne Fantasy, Science Fiction oder Dystopie kommt die Geschichte mit einem sehr aktuellen und besorgniserregenden Problem daher: Polizeigewalt und damit einhergehender Rassismus. Wobei nicht ganz richtig ist, dass es ein aktuelles Problem ist. Es war schon immer eines, wie so vieles, nur wird endlich auch einmal darüber geredet. So auch in dieser Verfilmung des 2017 erschienenen Bestsellers, der seit über einem Jahr die Hitlisten anführt und deren Trailer unter die Haut geht. Ähnlich wie „Love, Simon“ geht auch „The Hate You Give“ ein Thema an, das man in dieser Form noch nicht im Kino gesehen hat und dürfte sogar noch eine breitere Zielgruppe ansprechen. Wenn sich hinter all dem Regierungschaos, keifenden Bundesrichtern und verlogenen Politikern irgendwann mal wieder ein Fenster öffnet, dass tatsächliche Probleme angeht, dann hat der Film ganz bestimmt eine eine Chance, in den Fokus zu geraten. Ich würde mir wünschen, dass er einen Einfluss auf die Gesellschaft hat, dass er privilegierten Menschen zeigt, welche absurde Parallelwelt nur weniger Meter vom eigenen Heim entfernt besteht und sie dadurch zum Nachdenken zwingt. $16m/$55m wären zumindest ein Zeichen, dass etwas bei den Menschen angekommen ist.

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Wochenende 43 vom 26. Oktober 2018 – 28. Oktober 2018

  • Nach einem solchen Hit-Gewitter ist klar, dass es so nicht ewig weitergehen kann, deswegen steuern wir, bevor es im November wieder richtig losgeht, auf ein ruhigeres Wochenende zu. Der Trailer zur Romanverfilmung „Hunter Killer“ katapultiert uns zurück in die tiefsten 90er, als U-Boot-Thriller noch angesagt waren und das Verhältnis zwischen den USA und Russland so entspannt war, dass man deren Präsidenten durchaus auch einmal als „Good Guy“ darstellen konnte. Im aktuellen politischen Klima, in dem Präsident Trump zumindest offiziell, dabei aber persönlich wenig überzeugend, die alte Fehde zwischen den Nationen aufrecht erhält, wirkt der Film allerdings wie eine kleine Kuriosität. Vielleicht haben die Macher ja auf genau dieses kleine Zeitfenster gewartet, schließlich ist der Film nunmehr seit 7 Jahren in der Entwicklung und seit 2016 abgedreht. Nach seinem Oscar wird sich Gary Oldman wohl gewünscht haben, dass dieses U-Boot zusammen mit Relativity untergehen möge. Doch unterschätze niemals die Macht eines Gerard Butlers, dem Spezialisten für die Filme, die sonst keiner machen möchte und die wundersamerweise immer erfolgreich genug enden, um stets einen weiteren in Auftrag geben zu können. Ich bin wirklich gespannt, welchen Trumpf der Verleih da noch aus dem Hut zaubern möchte, damit der Film mehr als $12m/$35m einspielen wird.

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  • Und damit heiße ich einmal mehr herzlich Willkommen zu einer neuen Runde Pure Flix-Bingo. Nachdem die Verleiher der glaubensbasierten Filme im September wohl kurzzeitig vom Glauben abgekommen sind und Hits an den Kinokassen ausblieben, starten die Spezialisten des christlichen Filmes nun einen erneuten Angriff auf die Tränendrüsen der Zuschauer. Diesmal bin ich allerdings ein wenig optimistischer, was einen möglichen Erfolg angeht. Die Zahlen bei Facebook sehen nämlich sehr vielversprechend aus, oftmals ein Indikator bei Filmen dieser Art. Außerdem spricht das Veteranen-Drama „Indivisible“ sicher auch außerhalb der Kirchengemeinden einige Zuschauer an, die sich mit der Thematik identifizieren können und nach einem guten Ausgang der eigenen Geschichte suchen. Auch wenn einige der Kriegsszenen leider reichlich billig daherkommen, glaube ich, dass für Pure Flix das Warten auf einen kleinen Erfolg ein Ende haben wird. Mit $8m/$30m können die Macher sicher sehr zufrieden sein.

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  • Zu guter Letzt hat Universal noch die Agenten-Persiflage „Johnny English – Man lebt nur Dreimal“ im Angebot. Erfreut sich Mr. Bean-Kultdarsteller Rowan Atkinson vor allem in Europa noch immer großer Beliebtheit, steht es in den USA mit seinem sehr britischen Humor traditionell nicht ganz so gut. Spielte Teil Eins der Reihe noch vernünftige Zahlen ein, brach das Sequel auf weniger als $10m Gesamteinspiel ein. Eine kleine Katastrophe für den Verleih. Deswegen wird es interessant, wie man diesmal an die Sache herangehen wird. Die Ergebnisse aus den bereits gestarteten Märkten sind solide, nicht mehr. Da wird vor allem der britische Heimatmarkt den Löwenanteil stemmen müssen. Beim wirklich überschaubaren Angebot an Familienfilmen, könnte es in Nordamerika zumindest zu einer geringen Steigerung reichen, sodass mit $6m/$17m immerhin ein kleiner Beitrag dazu geleistet wird, das Budget wieder einzuspielen.

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  • Wie immer lohnt es sich im Oktober, einen ersten Blick auf die zukünftigen Oscar-Kandidaten zu werfen. Filme wie „Beautiful Boy“ (der allerdings aufgrund der Kritiken bereits aus dem Rennen ist) oder „Can you ever Forgive me“? werden einen limitierten Start erhalten, bevor sie dann, je nach Erfolg, langsam breiter gestartet werden. So zumindest die Hoffnung der Verleiher. Auf diese Filme gehe ich dann allerdings genauer ein, sollten sie einen landesweiten Start erleben.

Habe ich zu viel versprochen? Ich glaube nicht. So viel Spaß hatte ich lange nicht mehr beim Verfassen des Blogs Kaum Ware für das Abstellgleis, viel Qualität und großes Potential an den Kinokassen. So könnte doch jeder Monat laufen. Doch dies soll nur der Aufgalopp für ein hoffentlich großes Kinofinale eines ereignisreichen Jahres 2018 sein. Freut euch schon jetzt auf die nächste Ausgabe von Box Office FocUS, denn am Horizont sehe ich schon die nächsten Hits auf uns warten.