Red Oaks

Vor rund einem Jahr bin ich bei Amazon Prime auf eine Serie namens Red Oaks gestoßen. Ich kann nicht sagen, dass mir der Mini-Trailer außerordentlich gut gefallen hätte, noch dazu handelt es sich dabei um eine Komödie – und mit diesem Genre hadere ich bekanntlich, seit der Trend zum Fremdschämen und Fäkalhumor geht. Und doch habe ich mir die erste Folge angesehen, und dann die zweite, die dritte …

Nachdem mir die erste Staffel ganz gut gefallen hat, wollte ich hier darüber schreiben, doch dann kam die zweite heraus, und ich dachte mir, ich warte ab, ob die Serie ihr Niveau halten kann. Meistens kommt es ja im zweiten Jahr leider zu einem mal mehr, mal weniger starken Qualitätsabfall. Tja, und dann gab es immer andere Serien, die interessanter und aktueller waren, und irgendwie geriet mein Beitrag zu Red Oaks ein wenig in Vergessenheit und blieb in der digitalen Schublade liegen. Vielleicht zum Glück, denn inzwischen habe ich auch die dritte und letzte Staffel gesehen.

Die Serie spielt Mitte der Achtzigerjahre in New Jersey und erzählt die Geschichte von David (Craig Roberts), der gerade zwanzig geworden ist, seinem Vater (Richard Kind) zuliebe Rechnungswesen studiert, um später in dessen Steuerkanzlei zu arbeiten, aber eigentlich etwas ganz anderes machen will. Er weiß nur nicht, was, ist aber ein begeisterter Hobbyfilmer. In den Semesterferien arbeitet er daher als Tennislehrer in einem exklusiven Country Club, in dem auch seine Freundin Karen (Gage Golightly) beschäftigt ist. Karen ist ziemlich bodenständig, will Krankenschwester werden und träumt von einem Haus in der Vorstadt – und David fragt sich, ob er diesen Traum wirklich teilt. Dann lernt er Skye kennen (Alexandra Socha), die Tochter des Club-Präsidenten Getty (Paul Reiser), dem er Tennisstunden gibt und der David ein wenig unter seine Fittiche nimmt. Getty ist ein Wall Street-Makler, der ständig intrigiert und mit seiner Gattin (Gina Gershon) das Clubleben bestimmt.

Das alles klingt nicht furchtbar aufregend – und ist es auch nicht. Aber es ist so angenehm und humorvoll erzählt, ohne dabei übermäßig über die Stränge zu schlagen oder die Figuren zu verraten, dass man schnell süchtig danach wird. Die Figuren, sogar die anstrengenden, manchmal sogar leicht nervigen Nebenfiguren, die hart an der Grenze zur Karikatur angesiedelt sind, wirken sympathisch und werden vor allem von den Autoren nicht vorgeführt. Man lacht mit ihnen, nie über sie, und das ist heutzutage sehr selten geworden.

David und Skye ähneln entfernt an Molly Ringwald und Andrew McCarthy, zwei Teenie-Stars der Achtziger, und auch die liebevolle Ausstattung oder die überdimensionierten Frisuren wecken bei den Älteren Erinnerungen an diese Dekade. Die Liebesgeschichte von David und Skye steht im Mittelpunkt, insbesondere in der zweiten Staffel, deren Auftaktfolge sogar in Paris spielt. Zu diesem Zeitpunkt liebäugelt David mit dem Gedanken, Regisseur zu werden, sehr zum Missfallen seines Vaters.

Koproduziert wurde die Serie übrigens von Steven Soderbergh, dem es vielleicht zu verdanken ist, dass einige Regietalente der Neunziger das Kommando übernahmen. Sehr viele Folgen wurden von Hal Hartley in Szene gesetzt, dessen Filme ich damals überaus mochte (keine Ahnung, ob ich sie heute noch so gut finden würde), andere von Amy Heckerling und Gregg Araki.

Darüber hinaus habe ich mich über ein Wiedersehen mit alten Bekannten gefreut: Paul Reiser und Richard Kind mag ich seit der Kult-Sitcom Verrückt nach dir, und Davids Mutter wird von Jennifer Grey gespielt, dem Baby aus Dirty Dancing. Leider erkennt man sie nach diversen kosmetischen Operationen nicht wieder, selbst wenn man weiß, um wen es sich handelt, aber sowohl sie als auch ihr Ehemann machen eine interessante Entwicklung in den drei Staffeln durch, die der Emanzipation von David nicht nachsteht.

Jede Folge ist zudem nur etwas über zwanzig Minuten lang – perfekt also für eine kleine Portion Comedy zwischendurch oder als „Betthupferl“ vom dem Schlafengehen. Die erste Staffel ist erstaunlich kurzweilig, was dazu führte, dass ich sie in nur zwei Tagen angesehen habe, die zweite fällt nach der Paris-Folge leider ab, fängt sich aber zum Ende hin wieder. Und die finale dritte und verkürzte Staffel bringt die Geschichte zu einem gelungenen Abschluss, so dass es einem schließlich Leid tut, die liebgewordenen Figuren in ihr fiktives Leben zu entlassen.

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...