Bodyguard

Nein, es geht heute nicht um den Whitney Houston-Film. Sondern um die neue Serie von Jed Mercurio, der bereits mit Line of Duty eine der besten Krimiserien der letzten Jahrzehnte geschaffen hat und nun mit dem Polit-Thriller Bodyguard an den Start geht. Bei uns via Netflix zu sehen.

Polizist und Afghanistan-Veteran David Budd (Richard Madden) wird auf einer Zugfahrt mit seinen beiden Kindern zufällig Zeuge eines geplanten islamistischen Sprengstoffanschlags. Es gelingt ihm, den Anschlag zu verhindern und die Attentäterin zu überreden aufzugeben. Zum Dank wird er befördert und soll Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) beschützen, die gerade versucht, einen neues Anti-Terror-Gesetz durchs Parlament zu bringen, das von Datenschützern als viel zu weitgehend kritisiert wird.

Viel mehr sollte man über die Serie nicht wissen. Die erste Folge beginnt so unglaublich spannend, dass man auch danach noch für eine ganze Weile elektrisiert ist und unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Mercurio lässt dabei geschickt höchst unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen: Julia wird zunächst als Hardlinerin eingeführt, deren weichere Seiten man erst nach und nach präsentiert bekommt, während der heldenhafte David allmählich Zweifel weckt. Er lehnt die regierenden Politiker so entschieden ab, dass man sich manchmal fragt, ob er nicht nur deshalb Leibwächter geworden ist, um sie selbst aus dem Weg zu räumen.

Auf diese Weise kann man sich der Figuren und ihrer wahren Absichten nie wirklich sicher sein, was umso faszinierender ist, je mehr man über die politischen Hintergründe erfährt. Erpressung, Intrigen und Anschläge stehen auf der Tagesordnung und machen Bodyguard zu einer Serie mit zahlreichen, überraschenden Wendungen. Es ist daher definitiv ratsam, die sechs Folgen zeitnah anzuschauen, um nicht den Überblick über die vielen handelnden Figuren und unterschiedlichen Fraktionen zu verlieren.

Bis zum hochdramatischen Finale kann die Serie die Spannung der ersten Minuten halten, enttäuscht dann aber leider ein wenig in der Auflösung. Wenn am Ende die einzelnen Fäden aufgedröselt und die Täter entlarvt werden, wundert man sich, dass manche von ihnen plötzlich und grundlos mit ihren Taten prahlen und dabei Details verraten, die nicht wirklich logisch erscheinen. Es scheint, als habe die Handlung ein paar Kurven zu viel genommen, um wirklich überzeugend zu sein, was der Spannung zuvor jedoch keinen Deut nimmt. So ist es letzten Endes zwar eine ganz gute, aber eben keine perfekte Thriller-Serie.

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...