Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

Manchmal braucht man etwas Magie in seinem Leben. Und da keiner von uns zaubern kann, sehen wir uns entsprechend Filme über magische Wesen an und träumen uns in ihre Welten. So habe ich mir kurz nach Weihnachten das Harry Potter-Finale in Form der letzten beiden Filme noch einmal angesehen, da ich sie damals nur einmal im Kino gesichtet hatte. Was auch schon wieder sieben, acht Jahre her ist. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht!

In diesen Filmen spielte auch Grindelwald eine kleine Rolle, damals natürlich noch nicht von Johnny Depp verkörpert, und auch einige andere Figure wie Dumbledores Bruder tauchten bereits auf. Die eingefleischten Fans haben sicherlich noch weitere interessante Details in den neuen Filmen des beliebten Franchises entdeckt, die von dem großen Ideenreichtum der Bücher J.K. Rowlings künden und bereits in den früheren Filmen zu finden waren. Ich habe es immerhin geschafft, mir das neueste Werk anzuschauen:

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

Grindelwald (Johnny Depp) sitzt sicher verwahrt in New York, doch weil die britischen Behörden darauf bestehen, dass er nach London überführt werden soll, ergibt sich eine Chance für seine Anhänger, den bösesten Zauberer seiner Zeit zu befreien. Newt Scamander (Eddie Redmayne) erfährt durch das Ministerium für Zauberei davon, als er um die Erlaubnis ersucht, ins Ausland zu reisen. Diese wird ihm jedoch nur gewährt, wenn er im Gegenzug für das Ministerium Grindelwald und den tot geglaubten Credence Barebone (Ezra Miller) in Paris aufspürt, was Newt umgehend ablehnt. Auch Albus Dumbledore (Jude Law) bittet Newt, nach den beiden zu suchen, aber erst als sein New Yorker Freund Jacob Kowalski (Dan Fogler) nach Paris muss, um seine Freundin Queenie (Alison Sudol) zu finden, macht sich Newt auf die Reise. Dort trifft er auch Queenies Schwester Tina (Katherine Waterston) wieder …

Obwohl Harry Potter zum Zeitpunkt der Ereignisse des Films noch nicht geboren wurde, bleibt es für mich das Potter-Universum voller Magie und rätselhafter Gestalten. Die Tierwesen, die dem neuen Franchise seinen Namen gegeben haben, kommen natürlich ebenfalls nicht zu kurz, spielen aber eher eine dekorative Rolle. Nur zwei Kreaturen, die Newt stets mit sich führt, sind für die Handlung tatsächlich relevant, und J.K. Rowling, die wieder das Drehbuch schrieb, setzt sie auf charmante Art und Weise ein.

Auch sonst gibt es in diesem Universum viel zu entdecken. Die Schauwerte sind eindeutig das Beste am Film, seien es die opulenten Kostüme, das verspielte Dekor oder die raffinierte Ausstattung – es gibt eine Menge zu sehen. Dass einem dies als erstes in den Sinn kommt, fasst allerdings auch das Problem des Films zusammen: Es passiert einfach nicht viel.

Streng genommen handelt die gesamte Geschichte nur davon, wie Newt nach vielen Verzögerungen endlich nach Paris reist und dort versucht, Grindelwald festzusetzen. Für einen Film mit rund zwei Stunden Laufzeit ist das erschreckend wenig. Immerhin erfährt man ein wenig mehr über Grindelwald und seine finsteren Absichten, das Geheimnis um Credence Barebones Herkunft, das den jungen Mann umtreibt, wird zu guter Letzt ebenfalls gelöst, und darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, die zwangsläufig von jungen (oder jüngeren) Schauspielern verkörpert werden. Ein Glück, dass Zauberer steinalt werden können …

Leider bleiben vor allem die Hauptfiguren auf der Strecke. Newt ist als Detektiv unterfordert und hat als Kryptozoologe so gut wie nichts zu tun. Viel schlimmer jedoch ist, dass die Nebenfiguren, die man im ersten Teil ins Herz geschlossen hatte, sich entweder zum schlechteren verändert haben oder nur unnütz in der Gegend herumstehen. Es scheint, als hätte Rowling mit ihren Figuren nicht viel anzufangen gewusst und sich auch nicht viel zu ihnen ausgedacht. Das ist schade, denn so geht eine Menge Potential verloren.

Wie schon der erste Teil bleibt auch die Fortsetzung weit hinter den Erwartungen zurück. Immerhin kann sich das Finale sehen lassen und mit teuren Spezialeffekten trumpfen, und wer weiß, vielleicht passiert im dritten Teil wieder ein wenig mehr – sonst ist der Zauber schnell vorbei.

Note: 3-

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...