Isn’t It Romantic?

Ich beklage ja schon seit langem den Tod der Komödie. Natürlich werden noch immer welche gedreht, aber die meisten davon sind einfach nicht gut, viele frönen dem Prinzip des Fremdschämens, das ich unerträglich finde, und sie alle lassen den scharfsinnigen Humor und vor allem die Intelligenz der großen Genreklassiker vermissen. Mit dem langsamen Dahinscheiden der Komödie verschwand auch ihr romantisches Subgenre und taucht nur noch gelegentlich in Teenie-Romanzen oder schlechten Netflixfilmen wieder auf.

Apropos Netflix: Der Streamingdienst hat die parodistische Romantische Komödie Isn’t It Romantic von Warner Bros. aufgekauft, die den Film außerhalb der USA gar nicht mehr in Kino bringen wollten. Ein Fehler, wie viele finden, denn die Leute wollen lachen und hätten sicherlich dafür eine Eintrittskarte gekauft. Nun ja, am Wochenende habe ich mich davon überzeugt, ob der Film etwas taugt.

Isn’t It Romantic?

Natalie (Rebel Wilson) ist eine übergewichtige Architektin in New York, die den Glauben an romantische Gesten verloren hat und wegen ihrer Gutmütigkeit von anderen regelmäßig ausgenutzt wird. Ihre Waffe ist ein handfester Zynismus, der sie mit einem Schutzmantel umgibt, den nicht einmal der sympathische Josh (Adam Devine) durchbrechen kann, der heimlich in Natalie verknallt ist. Als sie nach einem Überfall das Bewusstsein verliert, erwacht Natalie jedoch in einer Art Parallelwelt, in der jedes Klischee einer Romantischen Komödie, über das sie sich zuvor lustig gemacht hat, Wirklichkeit geworden ist …

Die Grundidee ist schön und perfekt für einen parodistischen Ansatz. Auf diese Weise kann man nicht nur ausgetretene Pfade erkunden, sondern unterwegs auch hemmungslos jedes Klischee mitnehmen, das man in den Vorlagen entdecken kann. Da gibt es den viel zu gut aussehenden, unverschämt reichen Love-interest (Liam Hemsworth), der unter seiner romantischen Schale allerdings einen chauvinistischen Kern verbirgt. Oder den besten schwulen Freund (Brandon Scott Jones), der kein eigenes Leben besitzt, sondern immer dann wie aus dem Nichts auftaucht, wenn Natalie ihn braucht. Das alles ist witzig gemacht.

So sind es auch vor allem die liebevollen Details, die Spaß machen: die Überfülle an Blumen, die selbst an unerwarteten Orten wie einer U-Bahn-Station herumstehen, die Vögel, die in Herzformation fliegen, oder die übertrieben luxuriösen Behausungen, über die man sich in solchen Filmen immer wundert. Natalie erkennt das alles, hat es immer scharf kritisiert und findet es nun als Ausstattung ihrer persönlichen Hölle wieder.

Rebel Wilson spielt diese junge Frau, die nicht nur ihr Herz für die Romantik entdecken, sondern in erster Linie zu sich selbst finden muss, mit einer gesunden Portion Skepsis gegenüber einer Welt, die immer oberflächlicher und aggressiver wird. Jeder nutzt jeden aus und tut dabei so, als wäre er oder sie der beste Freund. Kein Wunder, dass Natalie so zynisch ist. Muss man in New York des frühen 21. Jahrhunderts vermutlich auch, denn hier wird einem nichts geschenkt.

Dass sie dabei das Glück beinahe übersieht, ist ebenso tragisch wie klischeehaft. Man weiß von der ersten Minute an, wie der Film ausgehen wird, und das hat er mit jeder Romantischen Komödie gemeinsam. Es wäre vielleicht wünschenswert gewesen, damit zu brechen und etwas wirklich Neues zu erzählen, andererseits bekommt man am Ende das, was man sich für die Hauptfigur wünscht, und das ist auch was wert. So fällt der Film gewissermaßen auf sich selbst herein und serviert uns, was er zuvor auf den Arm genommen hat, bricht es aber gleichzeitig wieder ironisch. Das hat schon was und befriedigt sowohl den Zyniker als auch den Romantiker in uns.

Stellt sich zuletzt die Frage, warum es kaum noch Romantische Komödien gibt? Liegt es daran, dass sie – wie die Macher des Films nahelegen – zu abgedroschen, klischee- und formelhaft geworden sind? Fällt den Autoren einfach nichts Neues ein als eine Variation des Immergleichen? Liegt es vielleicht daran, dass eine romantische Leading-Lady in Hollywood fehlt, seit Meg Ryan und Julia Roberts in ein gewisses Alter gekommen sind? Oder sind die Zuschauer zu abgestumpft und zynisch geworden und haben ihren Sinn für das Romantische verloren? Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte, und möglicherweise braucht es einfach nur mal wieder eine erfolgreiche RomCom, um dem Genre frischen Wind einzuhauchen?

Wie in allen Filmen dieses Genres ist auch bei Isn’t It Romantic? der Weg das Ziel. Abgesehen von der Vorhersehbarkeit lebt die Geschichte von ihren absurden Situationen, die ihre vielen filmischen Vorbilder mal mehr, mal weniger gekonnt auf den Arm nehmen. Insgesamt hätte das Ganze auch noch eine Spur raffinierter und pointierter sein dürfen, aber viele Details sind dennoch stimmig. Alles in allem ist der Film nicht die Komödie, die man sich erhofft hat, aber besser als vieles, was uns in letzter Zeit auf diesem Gebiet beschert wurde.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...