Can A Song Save Your Life?

Nachdem ich vor einiger Zeit Sing Street gesehen habe, dachte ich, dass ich diesen Film von John Carney ebenfalls noch nachholen sollte. Der Film wird bei Prime Video gezeigt.

Can A Song Save Your Life?

Dan (Mark Ruffalo) war vor Jahrzehnten einer der angesagtesten Musikproduzenten in New York, hat aber seit der Trennung von seiner Frau (Catherine Keener) ein Alkoholproblem und lässt sich gehen. Deshalb verliert er zuletzt auch seinen Job in der Firma, die er einst mitgegründet hat. Gretta (Keira Knightley) ist eine Sängerin und Songwriterin, die zusammen mit ihrem Freund Dave (Adam Levine) nach New York kommt, weil er gerade eine internationale Karriere als Sänger startet. Nachdem er sie jedoch bei der ersten Gelegenheit betrügt, trennt sie sich von ihm. Ihr Freund Steve (James Corden) überredet sie, bei einem seiner Gigs aufzutreten, und im Publikum sitzt Dan, der von ihrer Musik begeistert ist …

Vielleicht habe ich mit der Inhaltsangabe schon zu viel über den Film verraten. Im Grunde ist das aber nur der Anfang der Geschichte, da Autor und Regisseur John Carney jedoch beide Lebensgeschichten nacheinander Revue passieren lässt, dauert es eine Weile, bis Dan und Gretta sich endlich kennenlernen. Bemerkenswert ist dabei vor allem Grettas Bühnenauftritt inszeniert, den man einmal aus ihrer Perspektive erlebt und der recht unspektakulär ausfällt, den man etwas später aber so sieht, wie Dan ihn erlebt und sich den Song vorstellt: wie nach und nach ein Klavier, ein Schlagzeug und schließlich ein Cello einstimmen und den ganz netten Song zu etwas Besonderem machen. Die Macht der Musik.

Der Rest ist ein bisschen wie ein cheerie movie, in dem Dan mit Gretta Musik macht und versucht, sie groß rauszubringen. Die beiden diskutieren viel über tolle Songs und etwas peinliche Stücke auf ihren Playlists, über Streamingdienste und Marketing und das moderne Musikbusiness. Dan hat die Idee, ein Album auf den Straßen New Yorks aufzunehmen, und so sieht man eine lange Reihe von Szenen, die jeweils fast wie ein Musikvideo wirken.

Ein bisschen um das Privatleben der beiden Figuren geht es natürlich auch. Dan hat eine Teenager-Tochter (Hailee Steinfeld), von der er sich entfremdet hat, und natürlich muss er auch seine Beziehung zu seiner Ehefrau in Ordnung bringen sowie sein Leben auf die Reihe kriegen. Das passiert aber eher nebenbei. Ebenso muss Gretta sich ein wenig mit Dave auseinandersetzen und lässt dazu ihre Beziehung Revue passieren. Das alles ist solide erzählt, aber erstaunlich unsentimental und undramatisch.

Man weiß nicht so recht, was Carney, von dem die schönen Filme Once und Sing Street stammen, mit diesem Film eigentlich erzählen will. Es ist keine richtige Liebesgeschichte, kein wirkliches Comeback-Drama oder eine Abrechnung mit der Musikindustrie, die weniger das erste, dafür viel mehr das zweite geworden ist. Man mag die beiden Hauptfiguren, kommt ihnen aber nicht so nahe, dass einen ihr Schicksal wirklich fesseln würde.

Alles in allem ist Carney trotzdem ein schöner, runder Film mit toller Musik gelungen, der leider etwas unter den – vielleicht zu hohen – Erwartungen bleibt.

Note: 3+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...