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Morgen startet ein Film, den wir bereits vorab sehen durften. Deshalb gibt es ausnahmsweise mal eine Kritik pünktlich zum Start.

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Amy (Kaitlyn Dever) und Molly (Beanie Feldstein) sind nicht nur beste Freundinnen, sondern auch exzellente Schülerinnen, die sich stets von Partys ferngehalten und nur gelernt haben, um auf die besten Unis gehen zu können. Doch einen Tag vor ihrem Abschluss entdecken sie, dass all die anderen, die nur gefeiert haben und ihren Spaß hatten, ebenfalls Eliteschulen besuchen werden. Im Glauben, etwas Wichtiges verpasst zu haben und dies in einer Nacht nachholen zu können, stürzen sie sich ins wilde Partygetümmel – und geraten schon bald in Schwierigkeiten …

Girls Just Wanna Have Fun, lautet ein Song von Cyndi Lauper aus den Achtzigern, und dies könnte auch das Motto des Spielfilmdebüts der Schauspielerin Olivia Wilde sein. Die Grundidee von zwei Streberinnen, die es kurz vor ihrem Abschluss noch einmal krachen lassen wollen, ist zwar nicht übermäßig originell, aber dass die Helden keine verdrucksten Jungs, sondern zwei junge Frauen sind, macht den Film zu etwas Besonderem. Gleiches Recht für alle.

Das haben sich vermutlich auch die Autoren bei der Auswahl ihrer Figuren gedacht, die so divers sind, dass man meinen könnte, sie hätten eine Checkliste abgearbeitet. Amy ist nämlich auch lesbisch, allerdings schon lange out, weshalb ihre Orientierung kein Problem mehr darstellt, und auch sonst gibt es einige Charaktere, die zumindest genderfluid sind. Das erinnert bisweilen an die Komödien der Achtziger, in denen es auch immer ein oder zwei farbige Nebenfiguren im Freundeskreis gab, wirkt aber zum Glück nicht so angestrengt wie es sich hier vielleicht anhört. Im Gegenteil, dass die Schüler sich mit Respekt und Toleranz begegnen, ist vielleicht etwas zu schönfärberisch, aber eben auch ein Positivbeispiel.

Das schützt jedoch nicht davor, dass manche Figuren Stereotype bleiben und mitunter sogar ein bisschen nerven, etwa die beiden schwulen Theaterliebhaber, die viel zu übertrieben camp wirken. Auch das It-Girl Gigi (toll in der Rolle: Billie Lourd) ist auf den ersten Blick das Abziehbild der reichen Blondine, die nur für Drogen und Partys lebt, überrascht einen aber immer wieder mit unerwarteten Auftritten und Talenten. Den vier Drehbuchautorinnen (Emily Halpern, Sarah Haskins, Susanna Fogel und Katie Silberman) gelingt es überdies immer wieder, Brüche in den jeweilen Figuren aufzuzeigen, die diese menschlich machen.

Herz des Films ist jedoch die Freundschaft zwischen Amy und Molly, die in jener Nacht auf die Probe gestellt wird. Das hätte durchaus noch etwas dramatischer sein können, erzählt aber dennoch genug über das Lebensgefühl junger Frauen in unserer Zeit.

Note: 3+

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...