Das Geheimnis von Marrowbone

Auf der Suche nach einem spannenden Film, möglichst einem Horrorfilm, bin ich neulich bei Amazon Prime über Das Geheimnis von Marrowbone gestolpert. Der Titel sagte mir überhaupt nichts, aber die Inhaltsangabe klang ganz interessant. Als ich mir den Film dann ansah, kamen mir einige der Hauptdarsteller recht bekannt vor: Charlie Heaton aus Stranger Things, George McKay aus 1917, und Anya Taylor-Joy ist die neue Emma

Das Geheimnis von Marrowbone

Jack (George McKay) und seine Geschwister Billy (Charlie Heaton), Jane (Mia Goth) und Sam (Matthew Stagg) ziehen im Sommer 1969 zusammen mit ihrer Mutter (Nicola Harrison) von England nach Amerika. Sie leben in dem weitläufigen, aber heruntergekommenen Haus, das die Mutter von ihrer Familie geerbt hat und in dem der kleine Sam einen Geist vermutet. Kurz darauf stirbt die Mutter, und weil sie Angst hat, dass die Kinder vom Jugendamt getrennt werden könnten, nimmt sie ihnen das Versprechen ab, ihren Tod so lange geheim zu halten, bis Jack volljährig ist. Doch die Geschwister haben nicht mit der Hartnäckigkeit eines Anwalts (Kyle Soller) gerechnet, der mit den Erbschaftsangelegenheiten der Mutter betraut ist und überdies ein Auge auf Jacks Freundin Allie (Anya Taylor-Joy) geworfen hat. Und dann gibt es noch die unheimlichen Geräusche im Haus, die die Kinder in Angst versetzen …

Von Anfang an versucht der Film, eine unheimliche Atmosphäre zu etablieren und das ländliche Anwesen als Spukhaus zu inszenieren. Das gelingt stellenweise ganz gut, doch Das Geheimnis von Marrowbone ist dennoch kein klassischer Horrorfilm. In erster Linie sollte man die Geschichte vielmehr als tragisches Familiendrama betrachten, in dem es von Geheimnissen nur so wimmelt.

Man muss dabei unterscheiden zwischen dem Geheimnis, das die Geschwister vor der Außenwelt zu verbergen versuchen, nämlich den Tod der Mutter, und jenen, die erst nach und nach enthüllt werden. Ersteres sorgt zumindest in der ersten Hälfte für einige Spannung, wenn der Anwalt auftaucht und eine Unterschrift der Mutter benötigt, damit sie endgültig in den Besitz des Hauses gelangt. Die Kinder lassen sich einige Tricks einfallen, um ihn zu täuschen, und das ist schön erzählt. Danach flaut die Handlung jedoch leider ab, und es schleichen sich einige Längen ein.

Das liegt vor allem daran, dass es lange dauert, bis die übrigen, aus der Vergangenheit der Familie stammenden Geheimnisse aufgedeckt werden – und danach noch eine überraschende Wendung hinzukommt. So entwickelt der Film leider erst spät einen intensiven Sog, dem man sich bis zum dramatischen Finale nicht mehr entziehen kann. Auch das traurige, geradezu poetische Ende wirkt noch lange nach, und die guten schauspielerischen Leistungen und die wunderschön fotografierten Bilder tragen ebenfalls dazu bei, den Film in guter Erinnerung zu behalten.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...