The English Game

April, April … In diesen isolationistischen Zeiten wird es wohl schwierig, seine Mitmenschen in den April zu schicken – es sei denn mit Telefonstreichen oder Späßen in den sozialen Medien. Ein großer Fan dieses Brauches bin ich ohnehin nicht gewesen, vielleicht weil ich in dieser Hinsicht etwas zu einfallslos bin.

Gerne hätte ich heute wenigstens etwas Humorvolles vorgestellt, doch das Angebot ist wie immer mau, dabei täte es gerade in diesen Zeiten Not, mal wieder herzhaft lachen zu können. Da mir ohnehin gerade die Kritiken ausgehen und ich mal wieder verstärkt Filme anstelle von Serien sehen sollte, wäre das eine gute Gelegenheit, nach interessanten und empfehlenswerten Produktionen zu suchen. Und sei es nur, alte Filme wiederzusehen. Leider bin ich nach wie vor schwer beschäftigt (wie gesagt, als writer in residence bin ich ohnehin an den heimischen Schreibtisch gefesselt) und schaffe es kaum, meine Watchlisten abzuarbeiten.

Eigentlich wollte ich ab nächste Woche in die Osterpause gehen, doch denke ich, dass der eine oder andere vielleicht eine Empfehlung von mir bekommen möchte. Schließlich haben viele nun sehr lange Abende vor sich …

Deshalb geht es heute um eine Serie, die ich kürzlich gesehen habe und die mir recht gut gefallen hat:

The English Game

Julian Fellows hat uns die wunderbare Serie Downton Abbey geschenkt, und so war ich sehr neugierig auf diese Miniserie von Netflix. Leider handelt sie von Fußball. Allerdings – und das hat mein Interesse geweckt – vom Fußball Ende des 19. Jahrhunderts und dem damit verbundenen Klassenkampf. Die Eliteschulen des Landes haben das Spiel quasi neu erfunden und mit (wenigen) Regeln versehen. Doch nun drängen immer mehr proletarische Vereine in die Liga und „ruinieren“ das Spiel der Gentlemen mit abscheulichen Gepflogenheiten wie dem Bezahlen der Spieler.

Fellows erzählt hier von der Geburt des Profi-Fußballs wie wir ihn heute kennen, aber auch von den harten Bedingungen in der britischen Textilindustrie und von Klassengegensätzen allgemein. Als Gesellschaftsporträt ist das einigermaßen gelungen, wenn auch viele Klischees Einzug halten und etwas zu sehr schwarz-weiß-gemalt wird. Mit sechs Folgen ist die Serie relativ kurz, hat aber dennoch nach den ersten beiden spannenden Episoden einen Durchhänger und wird erst gegen Schluss wieder gut. Man hätte besser einen Film daraus machen sollen.

Insgesamt selbst für einen ausgesprochen Fußball-Verächter wie mich unterhaltsam und streckenweise ziemlich spannend.

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...