The Old Guard

Plant Netflix jetzt den Aufbau von Franchises? Gerade habe ich auf Facebook den Trailer zum zweiten Teil einer Komödie über einen mörderischen Babysitter gesehen, und angeblich soll es auch eine Fortsetzung von Bright geben. Da passt es gut, dass das Ende von The Old Guard, den ich kürzlich gesehen habe, geradezu nach einem Sequel schreit. Damit wären wir beim Thema bzw. dem Film, über den ich heute reden will. Als der Trailer herauskam, war ich fasziniert: Coole Action, Schauspieler, die ich mag, und ein Fantasy-Thema, das zwar nicht wahnsinnig originell ist, aber neugierig auf die Geschichte macht …

The Old Guard

Andy (Charlize Theron) ist eine uralte Kriegerin, die eine Söldnergruppe weiterer Unsterblicher anführt und entweder gegen Geld oder aus humanitären Gründen gefährliche Aufträge übernimmt. Booker (Matthias Schoenaerts) verstößt jedoch gegen eine ihrer Regeln, als er sich ein zweites Mal von dem ehemaligen CIA-Agenten Copley (Chiwetel Ejiofor) zu einer Mission überreden lässt. Sie sollen von Islamisten entführte Kinder befreien, laufen aber direkt in eine Falle, denn Copley ist hinter ihr Geheimnis gekommen und hat sie an den Pharmaboss Merrick (Harry Melling) verraten, der die Gene der Unsterblichen für seine Forschung benutzen will …

Bei unsterblichen Kriegern denkt man vermutlich zuerst an den berühmten Highlander, der vor rund dreißig Jahren im Kino das Licht der Welt erblickte. Damit erschöpfen sich allerdings auch die Ähnlichkeiten. Als Vorlage für den Film von Gina Price-Bythewood dient die Comicreihe von Greg Rucka, der auch das Drehbuch schrieb, und Leandro Fernández. Warum die Gruppe sich ausgerechnet als Söldner verdingt, wird allerdings nicht ganz klar, da es sicherlich bessere Möglichkeiten gäbe, die Ewigkeit zu verbringen, und sie wie alle anderen Menschen auch Schmerzen leiden und sogar sterben können – nur dann eben wieder auferstehen. Immerhin muss man ihnen zugutehalten, dass sie für das Gute eintreten, soweit sie das sagen können, und am Ende der Geschichte wird auch noch eine halbgare Erklärung geliefert, die gewissermaßen einen größeren Plan hinter ihrem Tun vermuten lässt. Befriedigend ist das zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr.

Die internationale Gruppe wird komplettiert durch den ehemaligen Kreuzritter Nicky (Luka Marinelli), der ausgerechnet in dem Sarazenen Joe (Marwan Kenzari) die Liebe seines Lebens gefunden hat. Im Gegensatz zu Andy und Booker, die depressiv und unnahbar wirken, sind die beiden das emotionale Herz der Gruppe und sorgen für ein klein wenig dringend benötigten Humor.

Eine solche Geschichte steht und fällt jedoch mit einem adäquaten Bösewicht, und hier kommt Big Pharma ins Spiel. Wieder einmal geht es um einen jungen, skrupellosen Firmenchef, der sicherlich nicht zufällig an die Silikon-Valley-CEOs erinnert, und seine Phalanx sinisterer Dr. Mengeles. Hat man alles schon gesehen und beim ersten Mal für schlecht befunden. Das Katz-und-Maus-Spielchen, das Merrick mit den Unsterblichen treibt, ist dann auch der schwächste Teil der Story, sorgt aber im Ausgleich für eine Menge handfester und gut inszenierter Action.

Das Projekt ist als Trilogie angelegt, und entsprechend werden bereits hier die Weichen für weitere Abenteuer gestellt. Denn die Unsterblichkeit hat ein Ablaufdatum, von dem keiner sagen kann, wann es eintritt. Irgendwann heilen die Wunden eben nicht mehr und gibt es kein Zurück von den Toten. Auf diese Weise wird noch ein bisschen weitere Spannung erzeugt, und das ist ein guter Twist. Sehr schön ist auch das Auftauchen eines fünften Mitglieds erzählt, das in Form einer US-Soldatin namens Nile (Kiki Layne) zur Gruppe stößt. Und dann gibt es da noch das Schicksal der früheren Mitstreiterin Quynh (Veronica Ngo), die das ethnische Spektrum ergänzt. In Rückblenden erfährt man, dass sie nach einem Hexenprozess im 16. Jahrhundert in einem Eisensarg im Ozean versenkt wurde, aber immer noch in den Träumen der anderen auftaucht …

Auch wenn die Geschichte nicht hundertprozentig überzeugt und etwas lieblos und mit einigen Längen erzählt wird, hat The Old Guard durchaus Potential, mit einem zweiten oder dritten Teil zu überzeugen. Bereits jetzt gibt es sympathische Figuren, eine schöne Kamera und gut gemachte Action – für einen netten Abend reicht das allemal.

Note: 3

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Über Pi Jay

Eher ein Mann des geschriebenen Wortes, der mit fünfzehn Jahren unbedingt eines werden wollte: Romanautor. Statt dessen arbeitete er einige Zeit bei einer Tageszeitung, bekam eine wöchentliche Serie - und suchte sich nach zwei Jahren einen neuen Job. Nach Umwegen in einem Kaltwalzwerk und dem Öffentlichen Dienst bewarb er sich erfolgreich bei der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Er drehte selbst einige Kurzfilme und schrieb die Bücher für ein halbes Dutzend weitere. Seit 1999 arbeitet er als freier Autor, Lektor und Dramaturg und inzwischen auch als Romanautor...